Rottweils OB Dr. Christian Ruf: „Es braucht Macher“

Neujahrsempfang in der Stadthalle / Drei Bürger geehrt

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Um das Machen drehte sich die Neujahrsrede des Rottweiler Oberbürgermeisters Dr. Christian Ruf. Sinngemäß: Immerhin mache er, immerhin machten sie im Rathaus, bei der Stadtverwaltung etwas. Ebenso säßen Macherinnen und Macher im Gemeinderat. Und engagierten sich ehrenamtlich. Sie seien keine Theoretiker. Sondern setzten Projekte um.

Dass man sich damit der Kritik aussetze, sei eine logische Konsequenz. Rufs Megathemen: der Flüchtlingszustrom und die Herausforderungen, die Landesgartenschau, das ehrenamtliche Engagement und, ja, auch der Verehrsversuch. Und er ehrte eine Bürgerin und zwei Bürger.

Es war ein informativer Sonntagabend in der gut gefüllten Stadthalle, in der kurzfristig noch Stühle aufgestellt werden mussten. Nicht einmal ein gegen 19 Uhr eingehender Alarm aus dem „Vogelviertel“, aus der Vogelsangstraße in der Altstadt, ein Ruf nach der Feuerwehr und mutmaßlich auch nach Aufmerksamkeit, konnte den Ablauf stören. Die in der Halle anwesenden Feuerwehrleute – etwa der Stadtbrandmeister und Stellvertreter -, in Uniform erschienen, rückten nicht selbst aus. Sie lauschten Rufs inhaltsstarker Rede bis zum Ende. Diese mündete in einen großen, anhaltenden Applaus. Die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Oberbürgermeister scheint groß zu sein.

Und die mit der Stadtkapelle ebenfalls. Nach einem sehr flotten und versiert vorgetragenen Rock’n’Roll-Stück samt überraschenden Einlagen forderte das Publikum eine Zugabe. Die gab es. Mit dem Original Rottweiler Narrenmarsch.

 

OB Dr Christian Ruf begrüßte „seine“ Gäste persönlich. Hier den „Markus“, seinen Amtskollegen aus Dornhan. Man duzt sich und kennt sich aus dem Kreistag gut. Foto: gg

(Rottweil). Typisch Dr. Christian Ruf: Er entert beschwingt die Bühne, das Jackett geöffnet, schiebt sich zwischen Blumenschmuck und den Musikern der Stadtkapelle durch und richtet an diese einen Scherz. Vernehmbares Gelächter aus dem Rund der Musiker. Dann wendet sich Ruf seinem Publikum zu, das Eis ist hier schon wenigstens angeknackst, fast schon gebrochen. Die Halle war gut gefüllt. 

„Verkehrsversuch war richtig“

Das Machen war sein Thema. Worauf Ruf hiermit auch anspielte, war klar und sagte er auch selbst: den in Augen mancher gescheiterte Verkehrsversuch zur Beruhigung und Aufwertung der historischen Innenstadt – das Stichwort rief ein Raunen in den Reihen in der Halle hervor, teils Gekicher bis Gelächter.

Ruf blieb cool, wurde im Ton sogar nachdenklicher. Dieser Versuch habe eben „praxisbezogene Daten und ein breites Meinungsbild direkt aus der Bevölkerung“ geliefert. Beides habe es zuvor nicht gegeben. Nun könne der Gemeinderat auf Basis von Fakten entscheiden, wie es weitergehen soll, liege ihm eine „fundierte Grundlage. „Und genau deswegen war der Verkehrsversuch richtig“, blieb der OB bei seiner Haltung. Und auch dafür gab es Applaus. Die Menschen in der Halle konnten seiner Argumentation folgen.

Leer blieben rund 35 25 Plätze, die recht weit vorne in der Stadthalle für Gemeinde- und Ortschaftsräte freigehalten wurden. Offenbar haben die dafür vorgesehenen Personen anderswo in der Halle Platz gefunden. So jedenfalls auf Nachfrage der NRWZ die Aussage eines Sprechers der Stadtverwaltung. Foto: gg

Engagement im Gemeinderat angeregt

Da im Juni Kommunalwahlen anstehen, mahnte Ruf: „Rottweil ist eine Gemeinschaft, die zusammenhält und sich den Herausforderungen mit Zuversicht und Entschlossenheit stellt.“ Das erlebe er auch bei der „sehr guten“ Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Und in diesen könnten erstmals auch junge Menschen ab 16 Jahren gewählt werden. Sich entsprechend zu engagieren, forderte der Oberbürgermeister auch sie auf.

 

Blick in die sehr gut gefüllt Stadthalle – in der ein paar reservierte Plätze aber frei blieben. Foto: gg
Die Stadtkapelle unter der Leitung von Johannes Nikol umrahmte den Abend musikalisch. Foto: gg
Rottweils OB Dr. Christian Ruf bei seiner Ansprache. Foto: Foto: Team Ralf Graner Photodesign

Rückgrat für unpopuläre Entscheidungen gefordert

In seiner Rede verteidigte Ruf Forderungen an umliegende Städte und Gemeinden nach Beiträgen zu Rottweiler Schulsanierungen – was ihm starken Applaus einbrachte. Dass diese Unmut hervorriefen, sei verständlich. Nicht jedoch, dass emotional reagiert werde (wie in Villingen-Schwenningen, wo man glaubt, hier wedle der Schwanz mit dem Hund, wenn Rottweil die Doppelstadt um einen Beitrag bittet). Ohnehin: In Zeiten knapper Kassen und von der öffentlichen Hand immer weniger erfüllbaren Wünschen sehe er, Ruf, „die Gefahr, dass über Jahre und Jahrzehnte aufgebautes Vertrauen auf dem Spiel steht“. An Berlin und Stuttgart gewandt sagte Ruf: „Die Zeiten von zusätzlichen Standards, Rechtsansprüchen und staatlichen Leistungszusagen zulasten der Kommunen müssen vorbei sein. Wenn der Staat eine Leistung zusagt, dann muss er auch gewährleisten, dass diese dauerhaft erbracht werden kann.“ Alles andere erzeuge Unmut. Und es müsse das Rückgrat vorhanden sein, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Bezüglich der Zuschussforderungen von Rottweiler Vereinen stehen aktuell bei den Haushaltsberatungen solche Entscheidungen an. Der Gegenwind braust schon auf, etwa, weil die Stadtverwaltung der Wärmestube aus Spargründen kein Geld geben will.

„Kaum noch zu bewältigende Herausforderung“ und „Ein Kipppunkt ist erreicht“

„Die hohen Zuweisungszahlen an Flüchtlingen und deren Unterbringung werden auch für Rottweil zu einer immer größeren, kaum noch zu bewältigenden Herausforderung.“ Damit leitete Ruf einen ebenfalls ernsten Einschub ein. Städte und Gemeinden in Deutschland stünden zu ihrer humanitären Verantwortung. Jedoch seien „die regulären Aufnahmekapazitäten längst belegt und die Integrationsressourcen, dazu gehören auch Schulen und Kindergärten, überlastet“.

Ruf machte hier einen „Kipppunkt“ aus, an dem das Limit erreicht sei. Es drohe eine Überforderung. Berlin müsse unbedingt handeln. Das möge die Abgeordnete der CDU, Maria-Lena Weiss, „in ihrem Flieger mit nach Berlin nehmen“. Ruf war zudem wichtig: Stammtischparolen brächten nichts. Und: „Populismus, Ausgrenzung, Hass und Hetze dürfen selbst in dieser Ausnahmesituation keinen Platz haben.“

Verdrossenheit könnten auch die Forderungen auslösen, die an der nötigen Energiewende festgemacht würden. Ein Kritiker von Wirtschaftsminister Robert Habeck sei er, Ruf, nicht. Aber er habe offenbar eine Verunsicherung ausgelöst, die auch in Rottweil Folgen hatte.

Landesgartenschau „verbessert Lebensumfeld dauerhaft“

Auch das Rottweiler Megathema der kommenden Jahre sprach der OB an: die Landesgartenschau 2028. Auch hier kann er offenbar, wie an anderer Stelle, auf Schwarzmaler und Pessimisten verzichten. So versprach Ruf, die Veränderungen im Rahmen der Schau „kommen allen Bürgerinnen und Bürgern zugute und verbessern das Lebensumfeld in unserer schönen Stadt dauerhaft“. Und er erneuerte den Hinweis, „dass wir für viele andere kommunale Maßnahmen auch Zuschüsse erhalten, die nicht fließen würden, wenn wir keine Landesgartenschau ausrichten“. So komme die gesamte Stadt in den Genuss eines Investitionsprogramms, „das ohne eine Landesgartenschau in diesem Umfang nie möglich wäre.“

Den Eröffnungstaggstermin nannte Ruf bereits. Es werde der erste Freitag im April, also der 07.04.2028. Die Uhrzeit werde noch bekanntgegeben, so der Ob, und erntete Gelächter.

„Elementarer Aufgabenbereich“

Beim Thema Bildung und Betreuung sei der Stadtrat kontinuierlich ein verlässlicher Partner. Rottweil könne mit seinem Angebot, das „auf hervorragendem Niveau“ liege, zufrieden sein. Allein: es gebe Personalsorgen.

Geehrte, Ehrender und Ehrengäste (von links): CDU-Landtagsabgeordneter Stefan Teufel, CDU-Bundestagsabgeordnete Maria-Lena Weiss, Herbert Sauter, Gabriele Hils, OB Dr. Christian Ruf, Edgar Enderle und FDP-Landtagsabgeordneter Daniel Karrass. Foto: Team Ralf Graner Photodesign

Verdiente Bürgerin und Bürger geehrt

Am Ende seiner Rede leitete Ruf über auf die Würdigung einer verdienten Rottweiler Bürgerin und zweier verdienter Bürger:

  • auf Edgar Enderle  für die städtepartnerschaftliche Beziehung zwischen Rottweil und Brugg und spätere Vereinsgründung der „Rottweiler Freunde von Brugg e.V.“,
  • auf Herbert Sauter für die ehrenamtliche Tätigkeit im Gemeinderat der Stadt Rottweil und im Ortschaftrat der Ortschaft Hausen
  • sowie auf Gabriele „Gabi“ Hils für über 13-jährige Elternbeiratsarbeit.

Alle drei erhielten die Bürgermedaille der Stadt Rottweil. Ruf würdigte ihre Leistungen ausführlich (siehe unten).

 

Dr. Christian Ruf bei seiner Rede. Foto: gg

Zum Nachlesen:

Rede von Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf anlässlich des Bürgerempfangs am 14. Januar 2024 in der Stadthalle Rottweil

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

verehrte Gäste,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich heiße Sie alle herzlich willkommen zum Bürgerempfang 2024 der Stadt Rottweil hier in unserer Stadthalle. Ich bin zugegebenermaßen beeindruckt, dass Sie in so großer Zahl meiner Einladung gefolgt sind. Vor Jahresfrist war es vielleicht noch der Reiz, mal eine Rede des neuen OB zu hören. Heute blicke ich auf mein erstes Jahr als Ihr Oberbürgermeister zurück und ganz offensichtlich ist das Interesse an unserer Stadtentwicklung nach wie vor groß. Ja, darüber freue ich mich sehr.

Es ist uns in Rottweil erfreulicherweise insgesamt gelungen, das Interesse und die Teilhabe an unserer Stadtgemeinschaft hochzuhalten. Unser Gemeinwesen lebt von aktiver Beteiligung, von ehrenamtlich engagierten Menschen. Sie sind ein Eckpfeiler unserer Demokratie und entscheidend für eine funktionierende Gesellschaft. Zukunft braucht Macher – und viele Macher konnte ich hier und heute bereits begrüßen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle aber aus dem großen Kreis der Gäste einige persönlich willkommen heißen:

• Unsere Gemeinderäte, Ortschaftsräte und Ortsvorsteher

• Frau Bürgermeisterin Ines Gaehn stellvertretend für die Kolleginnen und Kollegen des Hauses

• Meine Vorgänger in den Ämtern: OB a.D. Ralf Broß, OB a.D. Thomas J. Engeser und Bürgermeister a.D. Franz Albrecht

• Frau Neßler

• Meine Kollegen Karl-Josef Sprenger aus Schömberg und Peter Schuster (Bösingen), stellvertretend für die Kolleginnen und Kollegen

• die Landtagsabgeordneten Herrn Stefan Teufel von der CDU und Herrn Daniel Karrais von der FDP, zugleich ja auch Mitglied im Stadtrat.

• Unsere Abgeordnete aus dem Berliner Bundestag, Frau Maria-Lena Weiss

• Für den Landkreis Rottweil Herrn Ersten Landesbeamten Hermann Kopp sowie mit ihm meine Kreistagskollegen Dr. Gerhard Aden und Dr. Georg Schumacher

• Pfarrer Jürgen Rieger, Herrn Pfarrer Köhrer sowie Herrn Keskinsoy für die Glaubensgemeinschaften

• Hauptgeschäftsführer IHK Hr. Albietz

• Die Vorstände unserer regionalen Kreditinstitute, den aktuellen Vorstand und designierten Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Rottweil, Christian Kinzel sowie die neuen Vorstände der Volksbank Rottweil, Boris Braun und Carsten Brüner

• Dr. Lang für Kulturottweil

• Herrn Trescher für den Stadtverband für Sport

• Herrn Stefan Maier, den Schulleiter unseres Droste-Hülshoff-Gymnasiums als Geschäftsführender Schulleiter stellvertretend für alle Schulleiterinnen und Schulleiter in Rottweil

• Für das örtliche Polizeirevier Herrn Thorsten Weil, das DRK meine Kammeraden Bösel, Lenz und Graf sowie stellvertretend für die vielen Kameradinnen und Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr Stadtbrandmeister Frank Müller sowie unseren Ehrenkommandanten Rainer Müller

Aber vor allem durch Ihre Anwesenheit, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, erhält dieser Bürgerempfang seinen hohen Stellenwert als gesellschaftliches Ereignis in unserer Stadt.

Mein besonderer Dank geht gleich zu Beginn an die Stadtkapelle Rottweil unter der Leitung von Herrn Johannes Nikol, die uns musikalisch bereits begrüßt und in den Abend eingestimmt hat. Die korrekte Bezeichnung lautet Stadtmusikdirektor Johannes Nikol – diesen Titel hat der Gemeinderat Ihnen im vergangenen Jahr verliehen, um Ihre herausragenden Leistungen für die Stadtkapelle zu würdigen. Wir freuen uns noch auf weitere musikalische Beiträge im Laufe des Abends.

Ebenso herzlich bedanke ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung für die hervorragende Organisation des diesjährigen Bürgerempfangs. Nach dem offiziellen Teil werden sie dafür sorgen, dass wir gemeinsam auf das neue Jahr anstoßen können. Im Foyer wird uns dabei das Ensemble um Sándor Varga von der Musikschule der Stadt Rottweil musikalisch begleiten, auch dafür mein herzlicher Dank.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

eingangs habe ich gesagt „Zukunft braucht Macher“.

Macher sind Personen, die Dinge anpacken und machen, anstatt nur darüber zu reden, zu sinnieren oder zu spekulieren.

Der Macher tut also etwas, verliert sich nicht in Ideen oder leeren Worten. Während das Gegenstück, der Theoretiker, vermeintlich um Lösungen ringt – um dann vielleicht nichts zu machen. Natürlich läuft der Macher Gefahr, mit der einen oder anderen Idee nicht erfolgreich zu sein. Es ist also immer eine Frage der Abwägung. Und schlussendlich ist es gut, dass es Macher und Theoretiker gibt.

Im vergangenen Jahr haben wir in Rottweil vieles gemacht und einiges bewegt – und das durchaus im doppelten Wortsinn. Bei „Bewegen“ werden einige von Ihnen zuallererst an das Thema Verkehr denken. Ich darf Sie beruhigen, dazu komme ich später noch.

Bei „Machern“ denke ich zuallererst an die vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger, die sich für unsere Gesellschaft, für das Gemeinwohl einsetzen. Und das auf vielfältige Weise, in unterschiedlichsten Bereichen. Sie sind ein Beispiel für Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft anstelle einer sich immer weiter auswachsenden Anspruchshaltung.

Frei nach John F. Kennedy bei seinem Amtsantritt im Jahre 1961:

„Frage nicht, was das Gemeinwesen für Dich tun kann, sondern frage, was Du zum Gelingen des Gemeinwesens beitragen kannst.“

Ohne jegliche Wertung möchte ich beim Stichwort ehrenamtliches Engagement zuerst die Mitglieder des Gemeinderats und der Ortschaftsräte nennen. Als gewählte Vertreter setzen sie sich für das Wohl aller Bürgerinnen und Bürger ein, verwenden dafür einen großen Teil ihrer Freizeit. Und müssen sich nicht selten harscher Kritik und Diskussionen stellen, in denen Emotionen die Sachargumente überlagern – bis hin zu persönlichen Verunglimpfungen und Anfeindungen. Gerade auf lokaler Ebene bekommen Verantwortungsträger die Konsequenzen von politischen Entscheidungen unmittelbar zu spüren – Stuttgart und Berlin sind häufig weit entfernt. Sie aber sind die Macher vor Ort.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

im Juni finden Kommunalwahlen statt. Eine Mitarbeit im Gemeinderat bietet die einmalige Chance, die eigene Stadt und deren Zukunft mitzugestalten. Dass damit Arbeit verbunden ist, möchte ich gar nicht verhehlen, sondern sogar betonen. In diesem Zusammenhang erscheint es nachvollziehbar, auch wenn ich grundsätzlich anderer Auffassung bin, dass der Gemeinderat seine Sitzzahl nicht reduzieren möchte, um die Arbeitslast möglichst gut verteilen zu können. Die Beibehaltung von 26 Sitzen mag auf den ersten Blick zu einer Reduzierung des Arbeitsanfalls bei jedem Einzelnen führen, setzt jedoch zwingend voraus, dass innerhalb der Fraktionen eine vernünftige Verteilung erfolgt. Dieses Ergebnis wäre aus meiner Sicht aber auch mit 22 Mandatsträgern erreichbar gewesen.

Die Mitarbeit im Gemeinderat eröffnet Perspektiven, erweitert die Sicht auf viele Lebensbereiche und kann persönliche Erfüllung bedeuten. Als Oberbürgermeister und damit Vorsitzender des Gemeinderats kann ich sagen, dass wir im vergangenen Jahr ausgesprochen konstruktiv und sachorientiert zusammengearbeitet haben. Wir haben eine hohe Schlagzahl an den Tag gelegt, bei vielen Themen richtig Gas gegeben. Dafür, ebenso wie für die Offenheit und die nach meinem Empfinden sehr gute Atmosphäre, möchte ich mich bei den Mitgliedern des Gremiums bedanken. Es ist uns nicht nur gelungen, die Dauer der Sitzungen deutlich zu reduzieren, sondern insbesondere die Effizienz bei der Entscheidungsfindung zu steigern. Wenn alle entscheidungsrelevanten Fakten auf dem Tisch liegen, ist es Zeit, sich zu entscheiden und nicht den nächsten Prüfauftrag zu erteilen.

Nur als Gremium gemeinsam, zusammen mit der Bürgerschaft, können wir erfolgreich sein. Rottweil ist eine Gemeinschaft, die zusammenhält und sich den Herausforderungen mit Zuversicht und Entschlossenheit stellt.

Bei den Kommunalwahlen im Juni dieses Jahres dürfen alle Rottweilerinnen und Rottweiler ab 16 Jahren wählen – neu ist, dass Personen ab 16 Jahren auch gewählt werden können. Ich möchte gerade diese Altersgruppe ermuntern, sich ernsthaft Gedanken über eine Kandidatur zu machen. Ja, Lebenserfahrung im Gemeinderat ist wichtig. Aber der Blick aus einer jüngeren Lebenswirklichkeit ebenso unverzichtbar, gerade, wenn es um die erfolgreiche Zukunftsgestaltung unserer Stadt geht. Die konzentrierte und sehr konkrete Arbeit beim Jugendhearing im vergangenen Jahr stimmt mich in dieser Richtung zuversichtlich.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ohne den ehrenamtlichen Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger würde es viele Leistungen und Angebote in unserer Stadt nicht geben. Ich denke an unser reges Vereinsleben, an unser facettenreiches kulturelles Angebot, an das vielfältige soziale Engagement, an die Blaulichtorganisationen und vieles mehr.

Nennen möchte ich in diesem Zusammenhang das ehrenamtliche Engagement im Bereich der Flüchtlingsarbeit. Die Begleitung geflüchteter Menschen durch Sprachkurse, durch Unterstützung bei der Integration, durch Hilfestellung bei Behördengängen, all dies ist nicht hoch genug wertzuschätzen. Allerdings müssen wir erkennen, dass die Kapazitätsgrenzen erreicht, wenn nicht sogar überschritten sind. Das gilt für ehrenamtlich tätige Mitbürgerinnen und Mitbürger ebenso wie für die hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung von Stadt und Landkreis.

Liebe Rottweilerinnen, liebe Rottweiler,

die hohen Zuweisungszahlen an Flüchtlingen und deren Unterbringung werden auch für Rottweil zu einer immer größeren, kaum noch zu bewältigenden Herausforderung. Städte und Gemeinden in Deutschland stehen in einem Maße zu ihrer humanitären Verantwortung wie in kaum einem anderen Land der Europäischen Union. Jedoch sind die regulären Aufnahmekapazitäten längst belegt und die Integrationsressourcen, dazu gehören auch Schulen und Kindergärten, überlastet.

Die Menschen in unserem Land haben in der Vergangenheit eine große Loyalität bei der Aufnahme von Flüchtlingen bewiesen. Jetzt aber sind wir an einem Kipppunkt angekommen, an dem das Limit erreicht ist und das Vertrauen in den Staat schwindet. Dessen Aufgabe ist es jetzt, die Überforderung des Gemeinwesens durch eine der Realität angepasste Migrationspolitik abzuwenden. Das hat allein Berlin in der Hand. Ich möchte Sie, verehrte Abgeordnete, bitten, diese Botschaft mitzunehmen.

Dass es keine einfache Aufgabe ist, wissen wir alle. Es genügt eben nicht, mit markigen Sprüchen, Stammtischparolen, oder menschenverachtenden Aussagen den Bürgern eine vermeintliche Lösungskompetenz vorzugaukeln. Populismus, Ausgrenzung, Hass und Hetze dürfen selbst in dieser Ausnahmesituation keinen Platz haben.

Meine Damen und Herren,

seit nunmehr fast zwei Jahren tobt der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Dieser unsägliche Krieg hat, neben der Fluchtbewegung, weitere gravierende Auswirkungen auf unser Leben. Die Energiepreise sind nach wie vor auf einem hohen Niveau, die Preise für Lebensmittel sind gestiegen, die Inflation lag im Jahr 2023 bei durchschnittlich 6,1 Prozent und wird voraussichtlich erst 2025 wieder unter zwei Prozent sinken. Bei allen Herausforderungen dürfen wir aber nicht übersehen, dass Deutschland nach wie vor einen hohen Lebensstandard hat. Gerade die Menschen im Süden Deutschlands sehen in Herausforderungen immer auch Chancen, begegnen großen Aufgaben mit neuen Ideen.

Unser Leben ist teurer geworden – besonders augenfällig wird dies an der Tankstelle und bei der Heizkostenabrechnung. Teilweise ist dies politisch gewollt, um dem voranschreitenden Klimawandel zu begegnen. Immer längere Hitze- und Trockenperioden, immer mehr Umweltkatastrophen sind unübersehbare Alarmsignale. Die Ziele für Deutschland sind klar formuliert: Ausstieg aus der Atomkraft, Ausstieg aus Gas, Öl und Kohle, Ausbau der erneuerbaren Energien. Und dies alles bei einer gesicherten Energieversorgung zu wirtschaftlich darstellbaren Konditionen.

In dieser Gemengelage darf eines nicht verloren gehen: der Realitätssinn für das Machbare im Hinblick auf die Zeitschiene. Bis 2045 möchte Deutschland klimaneutral sein, so lautet die politische Willenserklärung. Wir als Stadt Rottweil nehmen die Aufgabe an und leisten unseren Beitrag. Wir werden einen Klimamanager einstellen und wollen nun auch nicht mehr länger auf die erhoffte Förderung aus Berlin warten, sondern die Stelle besetzen. Nach dem Motto: Nicht zaudern, sondern machen. Hier hoffe ich auf die Unterstützung des Gemeinderates im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen.

Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung zeigen wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Stadtwerken, der ENRW auf, wie eine klimafreundliche Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung zukünftig organisiert werden kann. Das sogenannte Heizungsgesetz hat für viel Verunsicherung gesorgt. Ich möchte mich jetzt nicht in die lange Reihe der Kritiker von Robert Habeck einreihen. Aber auch bei uns im Rathaus gingen viele Anfragen von Hauseigentümern ein, wie sie sich verhalten sollen. In Rottweil sind bei rund 200 Kilometer Straßen bislang 25 Kilometer mit Fernwärme ausgestattet, damit werden 2000 von 9000 Haushalten versorgt. Aber damit Sie eine Größenordnung vor Augen haben: Ein Ausbau von 100 Kilometer Rottweiler Straßen mit Fernwärme bedeutet rund 100 Millionen Euro Investitionskosten, hinzu kommen noch die Anlagen zur Wärmeerzeugung selbst. Die Energiewende hat also auch in unserer Stadt einen hohen Preis und wird sich ganz sicher nicht von heute auf morgen vollziehen lassen. Es ist Aufgabe der Politik – um nicht weiterer Verdrossenheit Vorschub zu leisten – klar zu kommunizieren, was realistisch ist, aber auch zu sagen, was eben nicht oder nicht kurzfristig geht. Und offensichtlich wird eben auch hier von Seiten der hohen Politik sehr gerne auf die kommunale Ebene delegiert.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

Energie ist ein gutes Stichwort, um an dieser Stelle die beiden neuen Geschäftsführer der ENRW herzlich zu begrüßen: Herr Holger Hüneke ist seit Juli 2023 technischer Geschäftsführer und Herr Stefan Kempf kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens. Sie bilden, nach dem Ausscheiden von Herrn Ranzinger, die neue Führungsspitze unserer ENRW.

Ebenfalls neu besetzt haben wir die Stelle des Wirtschaftsförderers der Stadt Rottweil. Vor einer Woche hat Herr Alexander Stengelin seine Arbeit im Rathaus begonnen, auch Ihnen ein herzliches Willkommen – hier und in der Stadtverwaltung.

Und ebenfalls einen Wechsel gab es in der Leitung des Fachbereichs 1 im Rathaus, der Haupt- und Finanzverwaltung. Herr Herbert Walter ist nach sieben Jahren in dieser verantwortungsvollen Position Mitte vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen, seine Aufgaben hat Herr Martin Oberstebrink übernommen. Ich möchte Herrn Walter noch einmal für sein Engagement als oberster Hüter der städtischen Finanzen danken. Mit Weitblick, Realitätssinn und hohem Sachverstand hat er seinen Fachbereich geleitet und stets darauf geachtet, das Machbare mit dem Wünschenswerten in Einklang zu bringen.

Wie Sie alle wissen, war die Stelle des Bürgermeisters nach meinem Amtsantritt als Oberbürgermeister neun Monate lang vakant. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es uns während dieser Zeit gelungen ist, alle anfallenden Aufgaben zu erledigen, sodass nichts liegengeblieben oder „zwischen die Schreibtische gefallen ist“. Dies war nicht nur für das Rathausteam mit erheblicher Mehrarbeit verbunden, auch die ehrenamtlichen Vertreter des Oberbürgermeisters waren stärker gefordert. Für dieses Engagement möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken.

Im April vergangenen Jahres hat der Gemeinderat Frau Ines Gaehn zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Sie hat ihre Stelle im Rathaus im Juli 2023 angetreten, seit sechs Monaten arbeiten wir nun gut und effizient zusammen. Ich bin sehr froh, dass wir in der Verwaltungsleitung nun wieder vollzählig sind. In der Rückschau darf ich sagen: Der Spagat, alle anfallenden Aufgaben im Rathaus zu erledigen und trotzdem in der Stadt stets präsent zu sein, war nicht ganz leicht. Aber ich wollte das so, denn der direkte Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern, die Präsenz bei Veranstaltungen, die lockeren oder auch tiefgreifenden Gespräche sind für mich ein wichtiger Indikator der Stimmung in unserer Stadt. Direkter kann man die Meinung nicht erfahren.

Verehrte Gäste,

bei der Neubesetzung der genannten Stellen im Rathaus hatten wir erfreulicherweise die Wahl aus mehreren qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern. Aber auch wir als Stadt Rottweil bekommen bei Stellenausschreibungen inzwischen den Fachkräftemangel zu spüren. Die Generation der Babyboomer, das sind immerhin rund 12,9 Millionen Menschen in Deutschland, verlässt sukzessive die Erwerbspyramide. Als öffentliche Hand stehen wir, wie die freie Wirtschaft, in einem Wettbewerb um geeignetes Personal. Qualifizierte und engagierte Kolleginnen und Kollegen, also Macher, sind auch zukünftig unverzichtbar für effizientes Verwaltungshandeln.

Als Stadt müssen wir Anreize schaffen, damit Rottweil für Fachkräfte als Arbeitsort und Lebensmittelpunkt attraktiv ist. Eine Stadt, in der sich Bürgerinnen und Bürger wohlfühlen und ihre Potentiale entfalten können. Daher ist eine ausgewogene Stadtentwicklung, die sowohl die Interessen der jungen Generation als auch der älteren Menschen im Blick hat, von zentraler Bedeutung. Die Weichen für eine innovative und lebenswerte Zukunft werden heute gestellt.

Gleichzeitig führt uns diese Entwicklung bei der Personalfindung auch die Bedeutung des Ausbaus der Digitalisierung von Dienstleistungen vor Augen. Sie ist ein Baustein der kommunalen Verwaltung in der Zukunft. Wir bauen dadurch mittelfristig keine Arbeitsplätze ab, sondern steigern die Effizienz für die Arbeit der vorhandenen Fachkräfte. Digitalisierung ist eine Option, dem Fachkräftemangel zu begegnen und den Bürgerservice zu verbessern. Dieser Weg kann allerdings nur erfolgreich sein, wenn digitale Angebote auch angenommen werden und wir keine Doppelstrukturen vorhalten müssen. Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: Nur etwa ein Drittel der Hundehalter in unserer Stadt nutzt die Möglichkeit der digitalen Meldung für die Hundesteuer – und das bei insgesamt über 1.000 Vierbeinern.

Bei aller Notwendigkeit, die Digitalisierung auch innerhalb der Stadtverwaltung voranzutreiben, müssen wir jedoch stets unseren Dienstleistungsauftrag gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern berücksichtigen. Wir dürfen Menschen, die digital nicht so versiert oder ausgestattet sind, nicht von der Teilhabe ausschließen. Diesen Ausgleich müssen wir schaffen, hierin besteht eine große Herausforderung.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ein Thema hat die Menschen in unserer Stadt und darüber hinaus im vergangenen Jahr besonders intensiv beschäftigt und zu zahlreichen Diskussionen geführt. Sie wissen, was ich meine: den Verkehrsversuch. Das Ziel war, belastbare Daten zu erhalten für Maßnahmen, um unsere Innenstadt attraktiver zu machen. Um die Blechlawine zu stoppen und die Aufenthalts- und Lebensqualität im Herzen unserer Stadt zu verbessern. Die Ergebnisse des Verkehrsversuchs werden gerade ausgewertet, voraussichtlich im Frühjahr können wir diese öffentlich präsentieren.

Dabei war von vornherein klar, dass sich die Verkehre nicht in Luft auflösen, sondern verlagern werden. Eines darf ich vorwegnehmen: Die Berechnungen der Experten zehn über die zu erwartenden Verkehrsströme aufgrund der veränderten Verkehrsführung sind in den meisten Fällen nur minimal von der Realität abgewichen.

Hätte man es also nicht bei der theoretischen Betrachtung belassen können? Nein, meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, hätte man nicht.

Manchmal muss man es einfach machen.

Muss etwas ausprobieren, um wichtige Erkenntnisse im Realitätscheck zu gewinnen. Denn der Verkehrsversuch sollte auch zeigen, wie die Menschen, und zwar alle Menschen – Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, diejenigen, die im ÖPNV unterwegs sind – auf eine solche Umstellung reagieren. Und da haben wir jetzt einen konkreten Befund.

So haben wir auf der einen Seite konkrete Messwerte und tatsächliche Überprüfungen vorgenommen, die in einer Zeit leichter Meinungsmache in sozialen Medien wichtiger denn je sind und erhielten parallel sehr viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung, genau das war unser Ziel.

Deshalb haben wir für das Feedback alle Kanäle geöffnet. Online im Internet, analog durch Antwortkarten und ein Informationsbüro in der Hochbrücktorstraße, in den örtlichen Medien, auf Social Media. Wir haben eine umfangreiche Informationskampagne gefahren, jeder sollte seine Meinung sagen können – uns die Meinung sagen können. Dass dabei vielfach auch Emotionen im Spiel waren und die sachlich-konstruktive Ebene verlassen wurde, lässt sich offensichtlich nicht vermeiden. Es gab zahlreiche kritische Stimmen, aber wir haben auch viele positive Rückmeldungen erhalten – jedoch wurden diese häufig nicht so laut geäußert.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung bedanken, die dieses Thema bearbeitet haben. Neben der zusätzlichen Arbeitsbelastung über das Tagesgeschäft hinaus mussten sie teilweise heftige verbale Angriffe ertragen, die in der Wortwahl mehr als grenzwertig waren.

Nach dem Verkehrsversuch haben wir nun praxisbezogene Daten und ein breites Meinungsbild direkt aus der Bevölkerung. Damit liegt uns nun eine fundierte Grundlage vor, auf der wir entscheiden können. Jetzt liegen alle Fakten auf dem Tisch, um in dieser weitreichenden Frage Entscheidungen zu treffen. Das war vorher, sind wir einmal ehrlich, nicht möglich. Und genau deswegen war der Verkehrsversuch richtig.

Sehr verehrte Gäste,

das Thema Verkehr ist, auch wenn wir den Verkehrsversuch inzwischen beendet haben, natürlich nicht vom Tisch. Wir arbeiten an unterschiedlichen Stadtentwicklungsmaßnahmen, um die Situation in Rottweil weiter zu verbessern. Erste Erfolge haben die Quartiersgespräche und daraus resultierende Maßnahmen bereits gebracht. Hier hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, mit den Menschen in der Innenstadt zu sprechen und nicht über sie.

Zentraler Baustein in der Mobilitätswende ist die Planung und der Bau eines Zentralen Umsteigeplatzes auf dem Kriegsdamm für den Öffentlichen Personennahverkehr. Hierin sehe ich eine der vordringlichsten Aufgaben, um die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern, den ÖPNV zu stärken und die Attraktivität unserer schönen Innenstadt zu steigern. Die Aktivitäten rund um den „Sommer in Rottweil“ haben einen kleinen Vorgeschmack darauf gegeben, was auf dem Friedrichsplatz möglich wäre, wenn dort keine Busse mehr stehen. Es hat sich bei den vielfältigen Veranstaltungen an verschiedenen Stellen gezeigt, was unsere Innenstadt zu leisten in der Lage ist.

Ein weiteres großes Projekt der Verkehrsentlastung in Rottweil ist der Bau des Parkhauses Zentrum auf der Groß´schen Wiese, der in der ersten Jahreshälfte beginnen soll. Während der Bauphase wollen wir die entfallenden Parkplätze so gut wie möglich kompensieren – denkbar ist ein ständig verkehrender Shuttlebus zwischen Stadion/Aquasol und Nägelesgraben.

Die Planungsphase für das neue Parkhaus gestaltete sich teilweise schwierig, weil Menschen direkt betroffen sind und als Anlieger keine Verbesserung ihres Status quo sehen. Ich halte Bürgerbeteiligung für elementar, das haben wir bei den Quartiersgesprächen und beim Verkehrsversuch unter Beweis gestellt. Bürgerbeteiligung stößt aber auch an ihre Grenzen, weil sich ansonsten Projektzeiträume zunehmend verlängern. Das gilt nicht nur im Hinblick auf das Parkhaus, sondern für alle Projekte, bei denen wir uns wiederkehrende Verzögerungen nicht erlauben können. Das Gemeinwohl ist nun einmal nicht die Summe aller Einzelinteressen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Faktor Zeit spielt auch bei unserem größten Projekt, der Landesgartenschau, eine entscheidende Rolle. Hier sind ebenfalls unsere Macher-Qualitäten gefragt – es sind nur noch vier Jahre bis zu diesem einmaligen Ereignis. Wenn Sie den Termin für die Eröffnung bereits in Ihrem Kalender eintragen möchten: Es ist immer ein Freitag im April, wir haben uns für den ersten Freitag im April 2028 entschieden. Die Uhrzeit geben wir rechtzeitig bekannt.

Die Landesgartenschau und die damit verbundenen Vorhaben sind unser Megaprojekt für die kommenden vier Jahre. Der Gemeinderat hat unlängst bwgrün mit der Projektsteuerung beauftragt, zeitnah in diesem Jahr werden wir die Landesgartenschau GmbH gründen. Wir alle müssen jetzt Gas geben, um den ambitionierten Zeitplan einhalten zu können.

Bisher stand die Planung im Vordergrund, jetzt geht es zunehmend in die konkrete Umsetzung. Die ersten Veränderungen am Neckar sind bereits erfolgt, ich denke hier an den Rückbau des Wehres beim ENRW-Gebäude. In diesem Jahr folgen weitere Arbeiten am Gewässer. Auch der Wettbewerb für das Brückenbauwerk, das die Innenstadt über die Bahngleise und den Neckar mit dem Landesgartenschaugelände verbindet, steht in den nächsten Monaten an.

Ich darf Ihnen versichern: Bei allen Entscheidungen behalten wir stets die Kostensituation im Blick. Aufgrund der allgemeinen Teuerung auf dem Bausektor mussten wir bereits einzelne Positionen aus dem Gesamtpaket herausnehmen – auch das zeichnet nachhaltiges Handeln aus.

Im Zusammenhang mit der Landesgartenschau haben wir ein ganzes Paket an Stadtentwicklungsmaßnahmen geschnürt. Diese werden über das Jahr 2028 hinaus eine nachhaltige Wirkung haben, sie werden die Attraktivität der Innenstadt und der innenstadtnahen Bereiche in Richtung Neckar entscheidend steigern.

Diese Veränderungen kommen allen Bürgerinnen und Bürgern zugute und verbessern das Lebensumfeld in unserer schönen Stadt dauerhaft. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass wir für viele andere kommunale Maßnahmen auch Zuschüsse erhalten, die nicht fließen würden, wenn wir keine Landesgartenschau ausrichten. So kommt unsere gesamte Stadt in den Genuss eines Investitionsprogramms, das ohne eine Landesgartenschau in diesem Umfang nie möglich wäre.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

lassen Sie mich einen weiteren Aufgabenschwerpunkt ansprechen, Bildung und Betreuung. In meinen Augen einer der elementarsten Aufgabenbereiche einer Kommune überhaupt, weil es um die Zukunft unserer Gesellschaft geht. Erfreulicherweise sind wir in Rottweil wirklich gut aufgestellt.

Deshalb ist es mir ein Anliegen, mich bei unseren Stadträten zu bedanken: Mir kommt kein Thema in den Sinn, hinter dem der Gemeinderat – Legislatur für Legislatur – so konstant und konsequent steht.

Im Kindergartenbereich können wir allen anspruchsberechtigten Buben und Mädchen im Alter von 1 bis 6 Jahren in unserer Stadt einen Betreuungsplatz anbieten. Neben Investitionen in Gebäude stellt hier die Personalsituation die größte Herausforderung dar. Der Bedarf an Fachkräften ist groß, solche Menschen zu finden immer schwieriger. Seitens der Stadt ist es uns bislang sehr gut gelungen, offene Stellen zu besetzen. Aber wir müssen wachsam sein, vorausschauend denken und planen, damit unsere jüngsten Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig auf diesem hervorragenden Niveau betreut werden können.

Deswegen habe ich dem Gemeinderat für die anstehenden Haushaltsberatungen zusätzliche Erzieherinnenstellen vorgeschlagen, um drohende Schließungen möglichst zu vermeiden. Dies wird aber zusehends schwieriger, wie der Blick auf viele andere Städte und Gemeinden zeigt. Hier sind wir in Rottweil keine Insel.

Auf dem Schulsektor investieren wir ebenfalls permanent in die Infrastruktur, ich möchte dies anhand einiger Beispiele verdeutlichen:

Wir bauen eine neue Sporthalle als Ersatz für die ABG-Halle mit einem Investitionsvolumen von 9,1 Millionen Euro. Den ausgewählten Architektenentwurf werden wir nun mit Hochdruck weiterentwickeln, ein Turnanbau ist bei dieser Variante optional möglich.

Die laufende Sanierung und Erweiterung des Droste-Hülshoff-Gymnasium kostet insgesamt rund 17 Millionen Euro, davon entfallen 8 Millionen Euro auf den Neubau, der den letzten Bauabschnitt darstellt. Einzug wird an Weihnachten sein. Im vergangenen Jahr konnten wir die Kernsanierung der Achert-Schule abschließen mit einem Kostenaufwand von 5,1 Millionen Euro.

Im Jahr 2024 beginnen wir mit der Finanzplanung für die Sanierung des Albertus-Magnus-Gymnasiums, die geschätzten Kosten liegen bei rund 7,5 Millionen Euro.

Zusammengerechnet ergibt dies eine Summe von rund 40 Millionen Euro binnen weniger Jahre, die Rottweil in den Schulstandort investiert. Weil nicht nur Schülerinnen und Schüler aus unserer Stadt, sondern auch aus den Umlandgemeinden davon profitieren, möchten wir diese Kommunen daran beteiligen.

Wir sprechen hier über einen Betrag von mehreren Millionen Euro. Damit setzen wir eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim zur sogenannten Schullastenausgleichspflicht von Umlandgemeinden um – und mussten uns deshalb herbe Kritik aus unserer Nachbarschaft anhören. Ich kann verstehen, dass man unter Druck emotional reagiert. Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass uns das Land auskömmlich finanziert. Aber einstweilen orientiere ich mich an der Wirklichkeit, und wir alle sollten bei den Fakten bleiben. Ich bin bestrebt und überzeugt, eine faire Lösung wird sich finden lassen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Vorstöße wie diesen machen wir nicht, um das gute Verhältnis unter den Kommunen in der Region zu gefährden. Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Situation gerät allerdings auch unser städtischer Haushalt unter Druck. Und in dieser Situation sind wir verpflichtet, alle Möglichkeiten zu prüfen, um Verbesserungen bei der finanziellen Lage herbeizuführen.

Denn die Phase der wachsenden Steuereinnahmen ist aktuell vorbei. Hinzu kommt, dass sich allgemeine Preissteigerungen auch auf unsere Investitionsfähigkeit auswirken. Gleichzeitig wachsen die kommunalen Aufgaben kontinuierlich, und Bund und Land ziehen sich bei der Förderung mehr und mehr zurück – gerne mit dem Hinweis auf die Schuldenbremse. Alle Aufgaben, die nicht über staatliche Zuweisungen oder Steueranteile finanziert sind, müssen die Kommunen durch ihre eigenen Einnahmen stemmen. Wir als Kommunalpolitiker schaffen vieles, das haben wir in der Vergangenheit bewiesen. Eines aber können wir nicht: die Grundrechenarten überwinden und wundersam Geld vermehren. Hier geht es auch um das Vertrauen der Menschen in die Politik und den Staat. Aktuell sehe ich die Gefahr, dass über Jahre und Jahrzehnte aufgebautes Vertrauen auf dem Spiel steht.

Liebe Rottweilerinnen und Rottweiler,

die Städte und Gemeinden sind tragende Säulen unserer Demokratie. Sie sichern die Akzeptanz für staatliches Handeln und arbeiten mit ganzer Kraft für das Gelingen unseres Staates. Allerdings darf der Staat den Bogen nicht überspannen, indem immer neue Standards gesetzt und Leistungsversprechen gegeben werden, bei deren Umsetzung die Kommunen dann auf sich allein gestellt sind. Der von der übergeordneten Politik vermittelte Anspruch muss zur Wirklichkeit in den Städten und Gemeinden passen. Wenn politische Diskussion und reale Lebenswelt auseinanderdriften, führt dies unweigerlich zu Politikverdrossenheit. Und noch schlimmer, die Menschen verlieren zusehends den Glauben und das Vertrauen in den Staat.

Die Zeiten von zusätzlichen Standards, Rechtsansprüchen und staatlichen Leistungszusagen zulasten der Kommunen müssen vorbei sein. Wenn der Staat eine Leistung zusagt, dann muss er auch gewährleisten, dass diese dauerhaft erbracht werden kann.

In Zeiten knapper Kassen müssen wir den Mut haben, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet gegebenenfalls auch, Zuschussanträge – und mögen sie noch so wünschenswert sein – einmal abzulehnen. Dazu braucht es Rückgrat, dazu braucht es Pragmatismus, dazu braucht es Weitblick. Wir leben in einer Zeit der Veränderungen. Viele Menschen haben Sorgen und Zukunftsängste, zweifeln an unserer Demokratie, der unbestritten besten aller Staatsformen. Keine Frage, es läuft nicht immer alles rund. Nicht in Deutschland, nicht in Rottweil. Aber man sollte nicht nur schwarzmalen und immer nur das Negative sehen – damit ist niemandem gedient.

Mit Kreativität, Optimismus und Ideen haben wir es in der Vergangenheit geschafft, herausfordernde Zeiten und schwere Krisen zu bewältigen. Ich bin überzeugt davon, dass es uns auch in der aktuellen Situation gelingen wird, unsere Standards und unser Leben in Frieden und Freiheit zu sichern.

Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich möchte Sie aufrufen: Bereichern Sie unsere Stadtgemeinschaft, unser gesellschaftliches Leben in Rottweil weiterhin durch Ihr Engagement und Ihren Einsatz. Lassen Sie uns optimistisch in das neue Jahr gehen und Herausforderungen als Chancen begreifen, als Auftrag für Veränderung. Gemeinsam können wir eine gute Zukunft für uns alle schaffen.

Die Basis dafür sind ein wertschätzendes, respektvolles Miteinander, Offenheit, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen. Aber: Dies verlangt nicht fordern, sondern machen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes, glückliches und friedliches neues Jahr 2024.

Alles Gute, vielen Dank und Gottes Segen!

 

Ehrungen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

liebe Gäste,

über die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die Gesellschaft und für eine funktionierende Demokratie habe ich bereits gesprochen. Doch mit Worten allein ist es nicht getan – es braucht Menschen, die sich aktiv einbringen und dafür Zeit und vielfach auch Geld aufwenden. Menschen, für die Nächstenliebe eine Herzensangelegenheit ist. Die für ein Projekt, für einen Verein oder für eine Initiative brennen.

Diesen selbstlosen Einsatz für die Allgemeinheit würdigt die Stadt Rottweil alljährlich mit der Verleihung der Bürgermedaille an Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maße für unser Gemeinwesen, für ihre Mitmenschen, verdient gemacht haben. Ohne Bürgerinnen und Bürger, die Ämter und Aufgaben im Interesse der Allgemeinheit übernehmen, ist kein Staat zu machen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Freude und eine große Ehre, beim heutigen Bürgerempfang drei herausragenden Persönlichkeiten aus unserer Mitte die Bürgermedaille der Stadt Rottweil zu verleihen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Gemeinderat der Stadt Rottweil hat beschlossen, die Bürgermedaille für kommunalpolitisches, soziales, kulturelles, sportliches und wissenschaftliches Wirken für das Wohl der Rottweiler Bürgerschaft gemäß der Ehrungsrichtlinien zu verleihen an:

Herrn Edgar Enderle (*1948)

Edgar Enderle. Foto: gg

für die städtepartnerschaftliche Beziehung zwischen Rottweil und Brugg und spätere Vereinsgründung der „Rottweiler Freunde von Brugg e.V.“.

Sehr geehrter Herr Enderle,

ich weiß, dass Sie – lange in der städtischen EDV-Abteilung tätig gewesen – ein Mensch sind, der sich Daten gut merken kann. Heute ist der 14. Januar 2024, es ist der Welttag der Logik. Es entbehrt also nicht einer gewissen Logik, dass die älteste Stadt in Baden-Württemberg, nämlich Rottweil, mit der Stadt Brugg die älteste dokumentierte Städtefreundschaft Deutschlands pflegt. Unlogisch erschien Ihnen im Jahre 1998, dass es mit den anderen Partnerstädten von Rottweil einen Verein wie „Rottweiler Freunde von L’Aquila, Hyères oder Imst“ bereits gab, doch keine Rottweiler Freunde von Brugg. Dabei ist doch die Stadt Rottweil seit über 500 Jahren ein vollwertiges Mitglied der Schweizer Eidgenossenschaft, und in diese Stadt, also Brugg, kann und muss man sich verlieben.

Aber der Reihe nach: Genau in jenem Jahr 1998 organisierten Sie einen Betriebsausflug der Stadtverwaltung Rottweil nach Brugg in Ihrer Funktion als Personalratsmitglied. Die herzliche Gastfreundschaft, die Ihnen dort zuteilwurde, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei Ihnen. Auch fanden Sie damals im Brugger Viktor Bulgheroni quasi ihr „Schweizer-Gegenstück“.

Und weil Ihr Motto schon immer lautete: „Man braucht nicht zu jammern – man muss etwas tun“, begannen Sie diese Städtefreundschaft auch wirklich zu leben und zu pflegen.

Zusätzlich zu den Quartalstreffen und den gegenseitigen Besuchen während der Fasnet in Rottweil und beim Rutenfest in Brugg führten Sie die Idee eines Begegnungstags für den Freundeskreis ein. Drei Jahre später manifestierten die Rottweiler Freunde symbolisch ihre Freundschaft, indem sie neben der Stadtkirche in Brugg eine Linde pflanzten.

Sehr verehrter Herr Enderle,

auch formal wollten Sie diese Freundschaft verfestigen und gründeten 2016 offiziell den Verein der „Rottweiler Freunde von Brugg“. Bei der Gründung wurden Sie einstimmig zum Präsidenten gewählt. Ein Amt, das Sie mittlerweile an die nächste Generation übergeben haben, an Ihren Nachfolger, Herrn Dr. Axel Wenzler. Doch noch immer agieren Sie häufig zwischen den beiden Städten. Ich glaube, einige Brugger Freunde begleiten Sie heute.

Wer jetzt jedoch denkt, dass Herr Enderle bei dieser engen Verbundenheit mit der Schweiz schon fast den Schweizer Dialekt spricht – der irrt. Vielmehr kann man ihn eher singend antreffen. Im vergangenen Jahr wurden Sie für 50 Jahre im Kirchenchor geehrt. Doch der Logik folgend wären es eigentlich schon stolze 63 Jahre, solange sind Sie nämlich schon Mitglied im Chor. Diese Leidenschaft haben Sie Ihrer Mutter zu verdanken. Von Kindesbeinen an war Musik nicht mehr aus Ihrem Leben wegzudenken.

Im schwäbischen Albverein sind Sie ebenfalls Mitglied und gehen dort Ihrer Leidenschaft nach. Sie wandern jedoch nicht nur gerne in der Natur, sondern sind bis heute auch für die Stadt Rottweil als Stadtführer regelmäßig unterwegs.

Sehr geehrter Herr Enderle,

bei einem Gespräch im Vorfeld dieser heutigen Ehrung haben Sie gesagt, das Ehrenamt braucht Herzblut und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Ich danke Ihnen im Namen der Stadt Rottweil und des Gemeinderates für Ihr großes Engagement und Ihr Herzblut, für eine Sache einzustehen und freue mich, Ihnen die Bürgermedaille der Stadt verleihen zu dürfen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

nun ist es mir eine große Freude und Ehre, die Bürgermedaille gemäß den Ehrungsrichtlinien verliehen zu dürfen an:

Herrn Herbert Sauter (*1946)

Herbert „Hebbe“ Sauter. Foto: gg

für die ehrenamtliche Tätigkeit im Gemeinderat der Stadt Rottweil und im Ortschaftrat der Ortschaft Hausen.

Sehr geehrter Herr Sauter,

dass ich heute hier als Oberbürgermeister vor Ihnen stehe, das habe ich den Wählerinnen und Wählern zu verdanken. Doch dass ich zu dieser Wahl überhaupt angetreten bin – das wiederum geht ursprünglich auf ein Quäntchen Los-Glück bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2015 zurück, man könnte es auch Zufall nennen. Dass Sie, Herr Sauter, heute auf dieser Bühne stehen, ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung des Gemeinderats. Das Gremium würdigt mit der Verleihung der Bürgermedaille Ihre über 40-jährige kommunalpolitische Arbeit.

Über 40 Jahre, das ist in meinem Fall ein ganzes Leben. Und in meinem Leben war es eben dieses besagte Los, das mich nach Rottweil geführt hat. Meine Glücksfee, die dieses Los gezogen hat – und Du siehst es mir nach, dass ich mir unter Glücksfee etwas grazileres vorgestellt habe -, waren damals Sie in jener Gemeinderatssitzung. Wie die Geschichte ausging, wissen die meisten hier im Saal. Wie Ihre Geschichte begann, möchte ich erzählen:

Sie sind in Rottweil geboren und aufgewachsen. Schon als 7-jähriger Bub bekamen Sie Ihre erste Federahannes-Larve und das Kleidle und liefen von da an dem Rössle hinterher. Sie haben eine sehr starke Bindung zu dieser Stadt, und mit der Narrenzunft ist das geschichtliche Interesse daran mit Ihnen gleichzeitig gewachsen. Sie zählen zu den Ehrenmitgliedern der Zunft – und wer solche Wurzeln in Rottweil hat, der kauft ein Grundstück nur auf Rottweiler Gemarkung, haben Sie gesagt. So fiel ihre Wahl auf die Ortschaft Hausen.

Als Jugendlicher haben Sie sich bereits im Turnverein Ihrer Heimatstadt engagiert. Deshalb war es nur konsequent, dass Sie sich auch in die Gemeinschaft von Hausen einbringen und einem Verein beitreten wollten. Ihre Wahl fiel auf den Kirchenchor, wo sie Ihre Freunde am Singen ausleben konnten. Im Jahr 1980 kandidierten sie auf der Liste der CDU erstmals für den Ortschaftsrat Hausen und wurden gleich gewählt. Nur vier Jahre später wählten Sie die Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinderat von Rottweil. 1996 übernahmen Sie das kommunalpolitische Ehrenamt als Ortsvorsteher von Hausen, diese verantwortungsvolle Aufgabe haben Sie erst 2023, nach 27 Jahren, an Ihren Nachfolger abgegeben. Sie haben wichtige Projekte in Hausen angestoßen und engagiert begleitet, haben sich als Ortsvorsteher aber auch um viele kleine und große Anliegen der Hausener Bürgerinnen und Bürger gekümmert.

Im Hinblick auf die Zeit möchte ich nur einige Projekte und Erfolge Ihrer Tätigkeit als Ortsvorsteher stichwortartig nennen:

– den Ausbau der Bühlinger Straße oder der Ortsdurchfahrt

– den Bau der Biogasanlage und die Versorgung der Ortschaft mit Fernwärme aus der Biogasanlage

– die Sanierung des Rathauses

– das Baulückenmanagement als Vorreiter und Vorbild für die anderen Ortschaften mit unzähligen Gesprächen

– die Bürgerbefragungen mit Workshops, Bürgerversammlungen usw., die mit dem 1. Preis beim Projekt „Leuchttürme der Bürgerbeteiligung“ gewürdigt wurden

– den Neubau des Sanitärtrakts der Halle

– den Ausbau der Bollershofstraße

– das Neubaugebiet Bronnenkohl/Rauzen

– den Bau des Kreisverkehrs

– die Schaffung von Räumen für die Vereine

– der Friedhof mit Baumgräbern und der Besonderheit der Kunstobjekte von drei Hausener Künstlern

– der Anbau der Krippe an den bestehenden kath. Kindergarten

Sie sind derart eng mit der Ortschaft verbunden, so dass Sie nicht selten anstelle von Herr Sauter mit Herr Hauser angesprochen werden. Über Ihr kommunalpolitisches Engagement hinaus waren Sie, lieber Herr Sauter, auch in mehreren Vereinen ehrenamtlich aktiv. Dazu zählen der Musikverein und der Turnverein in Hausen sowie der Sportanglerverein. Hier gingen und gehen Sie Ihrem Hobby nach und haben beispielsweise den Umbau des Linsenbergweihers 2004 mitbegleitet.

Dies alles haben Sie in Ihrer Freizeit geleistet – zusätzlich zu Ihrem Beruf und als Familienvater. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Seit dem vergangenen Jahr sind Sie aber nun endgültig im Ruhestand. Die Frage, ob es Ihnen jetzt nicht langweilig sein müsse, haben Sie gesagt. „Quatsch… jetzt kann ich endlich alles machen, wofür ich bisher keine Zeit hatte“. Also Garten, Haus, Laufen und Lesen.

Verehrter Herr Sauter,

im Namen der Stadt Rottweil und des Gemeinderates – und auch ganz persönlich – möchte ich mich für Ihr großes Engagement in unserer Stadt bedanken. Es ist mir eine große Ehre, Ihnen die Bürgermedaille der Stadt verleihen zu dürfen.

Liebe Gäste,

kommen wir nun zur dritten Auszeichnung am heutigen Abend. Es ist mir eine Freude, die Bürgermedaille gemäß den Ehrungsrichtlinien verliehen zu dürfen an:

Frau Gabriele „Gabi“ Hils (*1966)

Gabriele „Gabi“ Hils. Foto: gg

für über 13-jährige Elternbeiratsarbeit

Sehr geehrte Frau Hils,

mit der Einschulung Ihres Sohnes Denis im Jahre 2008 an der Konrad-Witz-Schule in Rottweil übernahmen Sie das Amt der Elternvertreterin in der Klasse und wurden gleichzeitig zur stellvertretenden Elternbeiratsvorsitzenden der Schule gewählt.

Gestärkt mit dem Vertrauen der Eltern begegneten Sie als Gesprächspartner Herrn Schulleiter Willy Schmidt und seitens der Stadtverwaltung Herrn Bernd Pfaff und Bürgermeister Werner Guhl. Diese Herren haben Sie, nach Ihren eigenen Worten, mit großer Wertschätzung und der Möglichkeit zur Mitbestimmung empfangen, sodass Ihnen Ihre Tätigkeit sehr leichtfiel.

Elternbeiratsarbeit ist, das wissen wir, viel mehr als Kuchenbacken und Schulfeste organisieren. Bei den regelmäßigen Sitzungen geht es um alltägliche Fragen für die Schulgemeinschaft ebenso wie um zukunftsweisende Entscheidungen. Zum Tagesgeschäft gehören, dass das Essen und die Betreuung immer etwas günstiger und besser sein könnten oder dass die Busverbindungen ausbaufähig sind.

Mit weitreichenden Entscheidungen möchte ich beispielsweise die Errichtung einer Gemeinschaftsschule in Rottweil nennen. Ein Prozess, der Jahre in Anspruch genommen hat und nur durch eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat möglich war.

Bereits drei Jahre nach Ihrer Wahl zur Elternvertreterin übernahmen Sie 2011 das Amt als Vorsitzende des Gesamtelternbeirates der Rottweiler Schulen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass Rottweil gerne den Titel „Schulstadt“ trägt und mit seiner vielfältigen Schullandschaft auch für die umliegenden Gemeinden große Bedeutung hat. Das heißt auch, dass die Zahl „Ihrer Schäfchen“ deutlich angewachsen ist.

Im Frühjahr 2014 haben Sie dann sozusagen den nächsten Schritt auf der ehrenamtlichen Karriereleiter gemacht als Mitglied des Landeselternbeirats für den Regierungsbezirk Freiburg und später dann als Abgeordnete im Landeselternbeirat für ganz Baden-Württemberg.

Mit zunehmendem Alter Ihrer drei Söhne haben Sie in Ihrer Funktion auch die Bildungseinrichtungen gewechselt. Was mit der Konrad-Witz-Schule begann, endete an der Erich-Hauser-Gewerbeschule in Rottweil. Ihre Jungs sind mittlerweile 27, 23 und 18 Jahre alt.

Liebe Frau Hils,

die größte Herausforderung in all den Jahren war Corona. Wir erinnern uns, dass Verordnungen des Landes vom Freitagnachmittag am folgenden Montag umgesetzt werden sollten. Die Meinungen in der Bevölkerung hätten unterschiedlicher nicht sein können. Kein Wunder also, dass Ihr Telefon zuhause nicht mehr stillstand. Anrufe von Eltern, die die sofortige Schließung der Schule forderten, bis hin zu „die Schulen müssen offenbleiben“ und „wer betreut mein Kind, wenn ich arbeiten muss“. Sie mussten, in Abstimmung mit Schulleitungen und der Stadt, Lösungen finden für Fernunterricht, Maskenpflicht, Coronatests, Abiturprüfungen und vieles mehr. All das zu organisieren hat Ihnen öfter den Schlaf geraubt – auch, um nachts noch schnell eine wichtige E-Mail zu schreiben.

Nicht nur, aber vielleicht besonders in diesen Tagen ist es für den Schulträger wichtig, einen verlässlichen Gesprächspartner zu haben. Einen Gesprächspartner, der seine Haltung einbringt, eine gefundene Lösung – vielleicht auch einen Kompromiss – dann aber auch gemeinsam nach außen vertritt. Hier konnten wir uns, hier konnte ich mich immer auf Sie verlassen.

Kinder sind unsere Zukunft – diesen Satz haben Sie verinnerlicht und stets nach außen vertreten. Sie haben sich dafür eingesetzt, dass die Anliegen der jungen Menschen und deren Eltern bei den Entscheidungsträgern in Stadt und Land Gehör finden. Sie haben aber auch das große finanzielle Engagement der Stadt Rottweil und des Landes für das Schulwesen gesehen. Deshalb war es Ihnen wichtig, dies transparent zu machen, den Eltern zu vermitteln.

Ich möchte jetzt keine Zahlen aus dem Haushaltsplan zur Finanzierung der Schulen vorlesen. Viel wichtiger sind heute Abend einige Zahlen zu Ihrem Engagement,

liebe Frau Hils:

In den 13 Jahren ihres ehrenamtlichen Engagements als Elternvertreterin waren Sie zuständig für:

– 6 Grundschulen

– 1 Gemeinschaftsschule

– 2 Realschulen

– 3 allgemeinbildende Gymnasien

– die beruflichen Gymnasien mit jeweils den Berufsfachschulen

– 2 Förder- bzw. Sonderschulen

Ausgehend davon sind das nicht nur hunderte, sondern tausende von Schülerinnen und Schülern, so dass sich ansatzweise ermessen lässt, wieviel Arbeit und Zeit Sie für dieses Ehrenamt aufgewendet haben. Hierin ist Ihr Einsatz auf Landesebene noch gar nicht mitgezählt.

Sehr geehrte Frau Hils,

ich danke Ihnen im Namen der Stadt Rottweil und des Gemeinderates für Ihr großes Engagement in unserer Stadt und freue mich, Ihnen die Bürgermedaille der Stadt verleihen zu dürfen.

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7 Kommentare

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Klaus
1 Monat her

Moment mal, Rottweil hat 27.000 Einwohner. Davon sind 400 da (oder wie viele passen noch gleich in den Betonbunker?). Davon wie genannt einige Stadtangestellte und damit nicht zwingend freiwillig da. Und aus einem langen Klatschen hiervon liest man eine große Zustimmung zu Dr. Ruf? Naja.

Zumal, durch die NRWZ ja schön dokumentiert, der 35köpfige Gemeinderat offenbar vollständig die Veranstaltung boykottiert hat. Denn dass Plätze reserviert waren wusste dieser unter Garantie.

Eine schallendere Ohrfeige kann es kaum geben. Es gärt offensichtlich ganz massiv in der Stadtführung.

Klaus
1 Monat her
Antwort auf  Peter Arnegger (gg)

Okay, wenn sie denn dann wirklich alle da waren, dann ist es nur ein Zeichen für die Nicht-so-Fähigkeit der Stadtverwaltung. ;-)

Stefan Weidle
1 Monat her
Antwort auf  Klaus

Warum das? Es wird eingeladen, ein Jedes bekommt einen Platz reserviert, mit Schildle, jetzt muss man sich nur setzen. Ein Akt des Verzichts für die Bürger kann es nicht sein, es setzt sich ja Niemand auf reservierte Plätze. Vielleicht will Niemand nur zu Zehnt, als zu 35 da sitzen wie auf dem Präsentierteller. Was die Stadtverwaltung da aber nicht, falsch, oder anders hätte machen können, erschließt sich nicht.

Klaus
1 Monat her
Antwort auf  Stefan Weidle

Ja Weidi, die Erschließung nach Villingendorf dauert noch etwas.

Wenn etwas seit Jahren ganz bewusst und bekanntermaßen nicht genutzt wird, dann biete ich es nicht mehr an. Eben genau um anderen mangels „reserviert“ die Möglichkeit zu geben sich dorthin zu setzen. Wenn schon weitere Stühle herbeigeschafft werden müssen.

Das tut die Stadt nicht. Weil sie schlampig arbeitet. Weil sie diese Gepflogenheit nicht kennt. Weil sie ignorant ist. Weil was auch immer. Jedenfalls wirft es kein gutes Bild. So oder so, sowohl wortwörtlich als auch im übertragenen Sinne.

Stefan Weidle
1 Monat her
Antwort auf  Klaus

Also dann bieten die Einen etwas aus Höflichkeit an, weil sich das eben so gehört, was die Anderen aus Höflichkeit ablehnen, was sich irgendwie auch irgendwo so gehört. Ich denke wir sind hier in der Erwachsenenbildung und wenn der Gemeinderat beschließt, dass er dies in Zukunft nicht mehr wünscht und stets freie Platzwahl zu gelten hat, dann wird man wohl seiner Weisung folgen. Ansonsten machen die Einen eben weiter was sich aus gebotener Höflichkeit gehört und die Anderen lehnen weiter dankbar ab, weil sich das irgendwie auch irgendwo so gehört.

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