Dienstag, 23. April 2024

Stuttgarter S-Bahn in den Süden des Landes: Auch Rottweils künftiger OB unterstützt diese Idee

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ROTTWEIL. Die Option einer S‐Bahnverbindung in den Süden. Über Rottweil bis Singen. Für den Vorsitzenden des Interessenverbandes Gäu‐Neckar‐Bodenseebahn Guido Wolf ist das der richtige Weg nach der bevorstehenden Kappung der Gäubahn. Für den Rottweiler Landtagsabgeordneten Daniel Karrais (FDP) ebenfalls. Nun schließt sich Dr. Christian Ruf, künftiger Oberbürgermeister von Rottweil (wird am 1. Dezember vereidigt) an. Er wolle auf „Pragmatismus statt Bedenkenträgerei“ setzen.

Wie immer bestimme beim Thema Gäubahn vorschnelle Euphorie die falsche Gefühlslage, heißt es in einer am Freitagabend versandten Stellungnahme Rufs. „Wir begrüßen es zwar, dass sich die Beteiligten über Alternativen zu einer Abbindung der Gäubahn ab 2025 Gedanken machen und der ‚Faktencheck‘ heute in Stuttgart stattgefunden hat. Anerkennenswert ist dabei auch, dass man in der Landeshauptstadt und in Berlin offenbar erkannt hat, dass das Land Baden-Württemberg nicht zehn Kilometer südlich von Stuttgart endet“, so Ruf im Namen der Stadt Rottweil.

Jedoch: Bei einer Abbindung der Gäubahn würde das Bahnfahren ab 2025 in Richtung Stuttgart Hauptbahnhof und darüber hinaus für lange Zeit deutlich unattraktiver. Dies gelte auch in umgekehrte Richtung, gerade mit Blick auf die Landesgartenschau in Rottweil im Jahr 2028. „Das Land muss ein Interesse daran haben, dass Menschen aus dem nördlichen Landesteil und aus dem Ballungsraum Stuttgart auf ökologisch vorbildliche Weise zur Landesgartenschau, nämlich mit dem Zug, anreisen können. Ansonsten ist zu befürchten, dass viele Gäste das Auto nutzen oder der Gartenschau gänzlich fern bleiben“, so Ruf.

Daher würde es die Stadt Rottweil „sehr begrüßen“, erklärt Ruf weiter, wenn eine Anbindung Rottweils und des südlichen Landesteils per S-Bahn gelingen könnte. „Wir unterstützen daher das klare Plädoyer des Gäubahn-Interessenverbandsvorsitzenden Guido Wolf, diese Idee vertieft zu untersuchen und ein Zeichen der Solidarität an die Gäubahn-Anlieger im Süden – möglichst bis Singen – zu senden. Wir setzen bei den zu lösenden technischen Herausforderungen wie der Ausstattung mit Toiletten oder der Bahnsteighöhe auf den notwendigen Pragmatismus statt auf Bedenkenträgerei.“

Darüber hinaus gelte: Die Städte entlang der Gäubahn müssten weiter fest zusammenhalten, so der designierte Oberbürgermeister von Rottweil. „Wir dürfen das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren: die Menschen im südlichen Landesteil brauchen attraktive Verbindungen per Zug in die Landeshauptstadt und zum Fernreiseverkehr.“ Die S-Bahn allein sei nicht die Lösung. „Wir erwarten daher weitere, vernünftige Vorschläge aller Verantwortlichen bei Bund, Land und Bahn.“

Stand heute ist geplant, dass ab 2025 die Gäubahn-Züge für eine noch nicht endgültig festgelegte Dauer in Vaihingen enden. Sowohl der Stuttgarter Hauptbahnhof als auch der Anschluss zu zahlreichen wichtigen Fernverbindungen ins In- und Ausland wären dann nur noch über die S- Bahn erreichbar.

Für die Große Kreisstadt Rottweil und einen Einzugsbereich mit rund 1,4 Millionen Einwohnenden würde dies bedeuten, dass für eine unbestimmte Zeit sowohl die Landeshauptstadt als auch große Teile des Bahnnetzes nur mit spürbaren Komforteinbußen erreichbar wären. Eine große wirtschaftsstarke Region würde de facto abgehängt, hat auch der Gemeinderat der Stadt Rottweil bereits Ende Juni festgehalten. Damals forderte der Gemeinderat in einer Resolution unter anderem von der Bahn, eine Abbindung der Gäubahn ab 2025 auszuschließen und die Weiterführung über die Panoramabahn sicher zu stellen, bis die künftige Gäubahn-Trasse zur Verfügung steht.

Außer den Mitgliedern des Interessenverbands nahmen die Deutsche Bahn, das Verkehrsministerium Baden‐Württemberg, der Verband Region Stuttgart und die Landeshauptstadt Stuttgart sowie der Verkehrsclub Deutschland, der Verband Pro Bahn, der Landesfahrgastbeirat und der Landesnaturschutzverband am Faktencheck teil. Die Öffentlichkeit konnte das Treffen im Livestream verfolgen.

Der Faktencheck Gäubahn diente laut einer gemeinsame Pressemitteilung von Interessenverband, Verkehrsministerium, Verband Region Stuttgart und Landeshauptstadt Stuttgart der transparenten Darstellung des Themas und der Versachlichung der aktuellen Diskussion. Deutsche Bahn und Landeshauptstadt Stuttgart stellten dar, welche Auswirkungen der Weiterbetrieb der bisherigen Bahnanlagen bis Stuttgart Hbf hätte. Deutsche Bahn und Verkehrsministerium Baden‐Württemberg erläuterten das von der Bahn vorgesehene Konzept eines Umstiegs in Vaihingen und einer vom Land geplanten zusätzlichen Weiterführung bis zu einem Nordhalt.Zudem stellte die Deutsche Bahn die Ergebnisse der Prüfungen von alternativen Führungen der Gäubahn vor. Gezeigt wurden die Ergebnisse der Prüfung von Umleitungsstrecken über Tübingen oder Renningen. Dargestellt wurden auch Prüfungen über die Verlängerung von S‐Bahn Verbindungen über Herrenberg hinaus in Richtung Süden oder die Nutzung der S‐Bahn‐Stammstrecke für Intercity‐Züge.

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NRWZ-Redaktion
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