Ausgängeschild des Museums- und Geschichtsvereins

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Schramberg. Nach 40 Jahren und 40 Heften gab es am Donnerstag eine Neuerung: Die Zeitschrift des Schramberger Museums- und Geschichtsvereins „D’Kräz“ stellte der Vorstand nicht am Freitag um 11 Uhr im „Hirsch“ wie seit  eh und je, sondern schon am Donnerstagabend vor.

Die neue Vorsitzende Annette Fuchs begründete dies damit, dass man diesmal auch die Autorinnen und Autoren eingeladen habe und als Dankeschön nach der Vorstellung gemeinsam zu Abend esse. „Die Autoren sind mit der Redaktion schließlich verantwortlich für das Heft.“  Fuchs, die wie der zweite Vorsitzende Arkas Förstner im Oktober gewählt wurden, nannte D’Kräz „das Aushängeschild des Vereins“. Für viele Schramberger gehöre das Heft zur Vorweihnachts- und Weihnachtszeit.

Beliebte Institution

Förstner bestätigte, dass sich die Leute sehr auf das Heft freuten. Eine Bäckereiverkäuferin habe am Morgen, als er die Hefte vorbeibrachte gestaunt: „Ach ist es jetzt schon wieder so weit?“  Als Gestalter  beeindrucke ihn die Kontinuität, mit der das Titelbild immer gleich geblieben sei, nur die Heftfarbe wechsle. „Es ist wie eine Reise durch den Regenbogen.“

Auch in diesem Jahr habe der Verein 1200 Exemplare drucken lassen die an den bekannten Verkaufsstellen zu haben seien. Ergänzend seien  der neue Franzladen in Waldmössingen und der Walfahrtsladen im Kloster Heiligenbronn, ergänzte Redakteur Ewald Graf.

Leider hätten einige der Autoren coronabedingt abgesagt, bedauerte Graf. Doch mit Gisela Roming David Kuhner und Carsten Kohlmann waren immerhin drei der Einladung gefolgt.

Zu Beginn ein Ausflug ins Mittelalter

Der erste Beitrag im Heft stelle einen „Ausflug ins Mittelalter“ dar: Jürgen Hils beschäftigt sich darin mit der ersten urkundlichen Erwähnung Aichhaldens und kommt zu dem Schluss, dass die bisherigen Angaben falsch oder zumindest fragwürdig seien. „Wahrscheinlich um 1370“ sei es gewesen.

Graf ist selbst unter die Autoren gegangen und hat Aufzeichnungen eines Pfarrers gefunden, der in der Frühzeit des Klosters dort als Schüler ein Jahr verbrachte. Franz Eble schilderte das karge Leben der Schwestern. „Kalt war es damals im neu gebauten Haus. Grimmig kalt.“

Gisela Lixfeld und Gisela Roming stellen eine der ersten Kunstgewerblerinnen vor, die in der Majolikafabrik in die damalige „Männerdomäne“ eingedrungen war. Gret Gottschalk lieferte in den frühen zwanziger Jahren  „künstlerische Impulse für die Modernisierung der Dekore“, so Graf.

Hubert Haas beschäftigt sich mit dem Gifizenhof aus dem Jahr 1679, der sich bis heute im Familienbesitz der Seckingers befindet. Dazu hat Haas  sich mit dem 97 jährigen Hermann Seckinger unterhalten, der von der bäuerlichen Welt vor dem Zweiten Weltkrieg  berichtet.

Der Geschichtsstudent und ehemalige FSJler David Kuhner hat die  weitgehend vergessene Heideckle-Steig-Vereinigung untersucht, die mit seiner Familie eng verknüpft ist. Sein Großvater Alfons Kuhner war der erste Vorstand gewesen. Wie die anderen Schramberger Bürgervereinigungen hatten die Nazis sie nach der „Machtergreifung“ 1933 verboten.

Ulrich Scheller trete in der Kräz nicht als Krippenbauer sondern als „Mann der Völkerverständigung“ auf. Er hat sich „die bewegende Lebensgeschichte“ des Benediktinerpaters Ferdinand Weisser, vorgenommen, der in Schramberg aufgewachsen war.

Kristallforschung in Schramberg

Dass Schramberg einige Jahre Hochschulstandort war, hat Jason Lemberg herausgefunden. Von 1943 bis 48 betrieb Richard Nacken hier ein Mineralogisches Institut. Professor Nacken war in Frankfurt ausgebombt worden. Weil seine Forschung  „kriegswichtig“ war, nach Schramberg zu Junghans ausgewichen.Dort in der H.A.U.  entwickelten er und sein Team methoden, wie man künstlich Kristalle züchtn kann

Einen kommunalpolitischen Rückblick auf 2020 hat Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr beigesteuert. Zentrales Thema: die Corona-Pandemie.

Der Jahreschronik folgt schließlich eine Erinnerung  an den „Schwarzwälder Postillion“ von Carsten Kohlmann. Eie Beilage im Schwarzwälder Tagblatt mit lokalhistorischen Themen. Am Heftende steht  ein Auszug  aus der Laudation von Kohlmann auf Martin Maurer, der 40 Jahre den Verein geleitet hat  – und am Freitag vor dem ersten Advent die neue Ausgabe der „Kräz“ vorstellte. Mit Butterbrezeln statt Entenbrust.

Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.