Neue Jugendsachbearbeiterin im Schramberger Revier: Eurona Jakupi

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Jahrzehntelang haben Werner Kaufmann und Rainer Urner beim Polizeirevier Schramberg sich um Kinder und Jugendliche gekümmert. Die beiden sind inzwischen im Ruhestand – und seit Anfang Dezember hat eine junge Frau den Posten der Jugendsachbearbeiterin inne: Eurona Jakupi.

Schramberg. „Ich finde, es hat Charme, dass nun eine Frau diesen Job macht“, sagt Revierleiter Jürgen Lederer, der die 23-Jährige vorstellt. Die Belegschaft im Schramberger Revier habe sich in den letzten Jahren stark verjüngt. „Frau Jakupi gehört schon zu den Erfahrenen.“

Bisher war sie im Schichtdienst, auf Streife. „Ich habe das sehr gerne gemacht“, sagt sie. Sie habe deshalb auch schon angeboten, wenn es klemmt, auf Streife zu gehen. „Das sind dann Überstunden“, betont Lederer.

Prävention die Hauptaufgabe

Jakupi wird sich in erster Linie um die Prävention kümmern und in Schulen Kinder und Jugendliche informieren. „Da geht es um Alkohol und Drogen, Gewalt, Mobbing, aber auch die sozialen Medien spielen eine große Rolle“, schildert Jakupi das Themenspektrum. Sie werde auf Anfragen der Schulen die Themen besprechen, die gerade wichtig seien.

Daneben wird sie sich auch um die Aufklärung von Straftaten kümmern. Da ist Lederer wichtig, dass die Polizei Fingerspitzengefühl beweist. Es gehöre zur Jugend dazu, dass sie Fehler mache. „Klauen ist oft eine Mutprobe.“ Wenn da die Sanktionen noch außerhalb von Gerichtsverfahren abgingen, sei das für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig.

Strafen mit Fingerspitzengefühl

„Die Strafe muss der Tat auf den Fuß folgen“, findet Lederer, sie soll aber nicht den künftigen Lebensweg verbauen. Da biete das sogenannte Diversionsverfahren gute Möglichkeiten. Wenn ein jugendlicher Täter geständig ist, kann die Staatsanwaltschaft von einem Strafverfahren absehen, wenn der Jugendliche bestimmte Auflagen, zum Beispiel Sozialstunden, abgeleistet hat.

Jakupi selbst findet es gut, dass sie als junge Frau die Aufgabe der Jugendsachbearbeiterin übernehmen kann. „Ich kann den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen, da ist kein so großer Altersunterschied.“

Eltern starteten im Asylbewerberheim

Euronas Eltern kamen 1995 als Geflüchtete aus dem Kosovo nach Schramberg und lebten die ersten Jahre in der Asylbewerberunterkunft in der Majolika. Sie selbst kam 2000 zur Welt. „Da wohnte meine Familie schon in einer Wohnung am Brestenberg.“ Nach der zehnten Klasse an der Realschule wechselte sie nach Königsfeld, machte dort ihr Abitur.

Ein Jahr verbrachte sie beim Rettungsdienst als FSJlerin und ging dann zur Polizei nach Lahr. Von dort kam sie in den Streifendienst nach Tuttlingen und ist seit März in Schramberg. Im Mai steht die Aufnahmeprüfung für die Hochschule der Polizei an. Wenn es klappt, wird sie an der Hochschule der Polizei ihren Bachelor manchen. „Und dann würde ich gern hier her zurückkommen.“

Weshalb sie nach dem Abitur nicht gleich an die Polizeihochschule gegangen ist? „Ich wollte die Polizei genau kennenlernen“, erklärt sie, „ich wusste ja, dass ich mit Abitur später noch die Chance für das Studium habe.“

Und warum Polizei überhaupt? Euronas Vater war im Kosovo Polizist. Ein beruflicher Wiedereinstieg in Deutschland sei an seinen mangelnden Sprachkenntnissen damals gescheitert. Vielleicht deshalb? Ihren Eltern sei sie „unendlich dankbar, dass sie mir und meinen Geschwistern das alles ermöglicht haben.“

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.