NRWZ.de, 12. April 2021, Autor/Quelle: Martin Himmelheber (him)

Waldmössingen: Kindergarten für Alle – betrieblich unterstützt

Sechs Unternehmen legen Konzept vor/

Am Freitag, so hört man im Dorf, habe sich eine illustre Runde im Industriegebiet getroffen. Die Gruppe habe ein Projekt für einen „Kindergarten für Alle – betrieblich unterstützt“ ausgetüftelt. Mit dabei waren wohl Vertreter der Schwäbischen Werkzeugmaschinen (SW), von Engeser, KMS Automation und Glatthaar Keller. Aber auch die Lebenshilfe im Kreis Rottweil und Magazin 17 stehen nun als Absender auf einem Brief, der am Montagmorgen an Ortschaftsrätinnen und -räte in Waldmössingen und den Schramberger Gemeinderat ging. Das Schreiben liegt der NRWZ nun ebenfalls vor.

Bekanntlich diskutiert die Stadtverwaltung seit Jahren mit der Katholischen Kirchengemeinde über die Sanierung und Erweiterung des Kindergartens.  Dabei war lange Zeit ein wesentlicher Streitpunkt, dass die Kirchengemeinde sich nicht mehr an den Investitionen beteiligen wollte. Zuletzt stand ein Betrag von 210.000 Euro im Raum bei einer Gesamtsumme von um die 2,5 Millionen Euro. Am Montagabend berät der Ortschaftsrat, am Donnerstag der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats über das Thema.

Nachhaltiges Konzept in wenigen Wochen

Die Vertreter der sechs Unternehmen berichten, sie hätten “in den letzten wenigen Wochen ein nachhaltiges Konzept für einen betrieblich unterstützten Kindergarten entwickelt“. Man habe dabei eine „Kostenminimierung für die Stadt Schramberg“ und die Anliegen der Eltern vor Ort zum Ziel gehabt. Das Ergebnis seien „Win-Win-Situationen für alle Beteiligten“.

Das Konzept sehe vor, dass die Rottweiler Stiftung Lernen-Fördern-Arbeiten oder ein anderer Investor im Auftrag der Stadt den neuen Betriebskindergarten im Industriegebiet Webertal 3 baut. Gedacht ist an einen Modulbau. Teilweise würden sich auch Firmen am Bau finanziell beteiligen. Die Stadt würde dann die Räume mieten.

So könnte der Kindergarten aussehen: Foto: Algeco Kehl

Die Stiftung würde die Trägerschaft des Kindergartens übernehmen. „Die Firmen beteiligen sich mit einer monatlichen Gebühr an den Belegplätzen.“ Die Lebenshilfe würde sich später ebenfalls in Form von hauswirtschaftlichen Leistungen einbringen. Für die Waldmössinger Eltern gebe es „Wahlfreiheit zwischen zwei unterschiedlich konzipierten Einrichtungen: kirchlich-traditionell oder betrieblich-modern.“

In ihrem Modell sehen die Initiatoren ein „zukunftsorientiertes Erfolgsmodell“, auch weil es flexible Öffnungszeiten von 7 bis 17 Uhr ermögliche. Die Firmen beschäftigten insgesamt 1300 Arbeitnehmer aus Waldmössingen und dem Umland. Für diese brauche man eine „vernünftige arbeitnehmerfreundliche Kinderbetreuung vor Ort“.

Problem: Bebauungsplan

Die Unternehmergruppe würde einen Kindergarten mit vier Gruppen bauen, der katholische Kindergarten könnte ebenfalls vier Gruppen behalten. Schließlich lockt die Gruppe mit der raschen Umsetzung ihres Vorschlags: Die Inbetriebnahme des „Kindergartens für Alle“  könnte schon innerhalb eines Jahres erfolgen. Dazu müsse die Stadtverwaltung den Weg für das favorisierte Grundstück „schnellstmöglich“ ebnen.

Und hier gibt es ein Problem: Das Grundstück liegt im Bereich des Bebauungsplans Webertal 3. Dieser Plan soll demnächst  beschlossen werden. Der Bau eines Kindergartens ist darin aber nicht vorgesehen. Man müsste den Bebauungsplan ändern, was eine große Zeitverzögerung mit sich brächte.

Die Alternative, die Vertreter der Initiative mit der Stadtverwaltung ausgeheckt haben, sähe so aus: „Der Bebauungsplan wird wie geplant im Sommer beschlossen“, erläutert ein Mitglied der Gruppe der NRWZ. „Danach machen wir für das Kindergartengrundstück einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan.“ Auch die höheren Immissionsschutz-rechtlichen Hürden, die für Angrenzer an einen Kindergarten gelten würden, seien überwindbar.

Dass das Projekt wirklich in einem Jahr umgesetzt werden kann, hält einer der Beteiligten für „sehr sportlich“. Er plädiert deshalb für den Bau von Modulen, die zunächst für den katholischen Kindergarten während dessen Umbau und dann als Zwischenlösung für den Betriebskindergarten genutzt werden könnten.

Stadt seit Anfang März informiert

Das Grobkonzept für das Projekt, so heißt es in dem Schreiben an die Rätinnen und Räte weiter, liege der Stadtverwaltung bereits seit dem 5. März vor. In einem angefügten Schreiben vom 1. April an Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr bestätigt der Geschäftsführer der Stiftung, Tamer Oteles, die Bereitschaft der Stiftung zur Trägerschaft, aber auch zum Bau des Kindergartens.

Damit das Projekt funktionieren kann, müsste die Stadt den „Kindergarten für alle“ in die Kindergartenbedarfsplanung aufnehmen. Das, so ist zu hören, habe ein Vertreter der Gruppe bereits gefordert. Nur dann gibt es nämlich die entsprechenden Zuschüsse vom Land.  Schließlich finden die Initiatoren: „Wer Wandel aktiv und erfolgreich gestalten will, muss es wagen, einfach mal zu machen.“

Wie die Waldmössinger, der Ortschaftsrat und später der Schramberger Gemeinderat das sehen? Demnächst wissen wir mehr.

Waldmössingen: Kindergarten für Alle – betrieblich unterstützt