Osiander eröffnet im Oktober in Schramberg – und holt die bisherige Buchhändlerin ins Team

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Schramberg bekommt seine Buchhandlung zurück: Die Osiandersche Buchhandlung übernimmt die Räume der Ende Mai geschlossenen „Buchlese” in der Hauptstraße 12 und investiert dort eine Viertelmillion Euro. Eröffnen will das Tübinger Familienunternehmen Anfang bis Mitte Oktober, rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft. Die frühere Inhaberin Britta Blaurock wird künftig für Osiander arbeiten.

Rund vier Monate nach dem Aus für die „Buchlese” steht fest, wie es an der Hauptstraße 12 weitergeht: Osiander zieht ein. Das bestätigte Christian Riethmüller, Vorsitzender der Geschäftsführung des Tübinger Buchhandelsunternehmens, im Gespräch mit der NRWZ.

Rund 250.000 Euro will Osiander in den Standort stecken. „Wir werden deutlich umfangreicher anbieten, mehr Sortiment”, sagt Riethmüller. Der genaue Eröffnungstermin hänge noch von den Kapazitäten der Ladenbauer ab. Anfang bis Mitte Oktober sei das Ziel – auch, weil das Weihnachtsgeschäft nicht verpasst werden soll. „Außerdem sollte die Stadt nicht zu lange ohne Buchhandlung sein.”

Die Stadt hat selbst angefragt

Der Anstoß kam aus dem Rathaus. Die Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung habe Osiander angesprochen, ob weiterhin Interesse an einem Standort in Schramberg bestehe, berichtet Riethmüller. Neu war die Idee nicht: „Ganz ehrlich, vor zehn Jahren waren wir auch schon dran.” Die Lage in der Hauptstraße, direkt neben der Drogerie Müller, hält er für einen „sehr guten Standort in der Innenstadt”.

Dass ausgerechnet dort eröffnet wird, wo eine Buchhandlung gerade aufgeben musste, sieht Riethmüller nicht als Widerspruch. „Wir nehmen auch eine gewisse Verantwortung wahr, dass in solchen Städten auch Bücher gekauft werden können. Das ist Teil der Philosophie von Osiander.”

Warum eine Kette dort funktionieren soll, wo eine Einzelhändlerin scheiterte

Britta Blaurock hatte die „Buchlese” in Schramberg und in Dornhan Ende Mai geschlossen. Als Gründe hatte sie im Frühjahr steigende Neben- und Lieferkosten bei ohnehin schmalen Margen genannt; wegen der Buchpreisbindung könne sie Preiserhöhungen nicht selbst weitergeben.

Riethmüller nimmt sie ausdrücklich in Schutz: „Dass sie schließen musste, lag nicht an ihr. Es geht heute alleine kaum noch.” Eine einzelne Buchhandlung könne Backoffice, eigenes Liefersystem und einen eigenen kleinen Webshop nicht mehr wettbewerbsfähig betreiben. Genau das seien die Bereiche, in denen ein Filialist Größenvorteile habe.

Blaurock wird künftig bei Osiander arbeiten. „Sie ist das Gesicht der Stadt, sie ist eine hervorragende Buchhändlerin”, sagt Riethmüller. Man sei sich auf Anhieb sympathisch gewesen, er hoffe auf einige Jahre Zusammenarbeit: „Ich bin total begeistert von ihrem Engagement und ihrem Optimismus.”

Ab 15.000 Einwohnern

Schramberg passt nach Riethmüllers Darstellung ins Standortraster des Unternehmens. Ab etwa 15.000 Einwohnern halte Osiander eine Stadt für geeignet – Schramberg hat rund 20.000. Wichtig sei außerdem die schulische Ausstattung eines Orts sowie ein lebendiger Einzelhandel: In Schramberg gebe es noch viele inhabergeführte Geschäfte. Damit ist auch klar, dass Osiander die bisherige Buchlese-Filiale in Dornhan nicht betreiben wird. Die Stadt ist für ein Engagement des Unternehmens zu klein.

Expandiert wird ausschließlich im Süden. Osiander betreibt nach eigenen Angaben 13 Filialen in Bayern und drei in Rheinland-Pfalz, der Schwerpunkt liegt in Baden-Württemberg. „Wenn wir expandieren, dann in Süddeutschland. Das ist klare Unternehmensstrategie.”

Ein dichtes Filialnetz sei dabei kein Selbstzweck, sondern die Antwort auf den Online-Handel: „Wenn wir heute mit dem Internet konkurrieren wollen, müssen wir Filialen anbieten, die nahe liegen.” Teilweise könne dann noch am selben Tag geliefert werden. Den bestehenden Osiander-Standorten in Baiersbronn, Villingen und Schwenningen werde Schramberg keine Kunden wegnehmen.

Dass Bücher im Laden wieder gefragt sind, führt Riethmüller auch auf ein jüngeres Publikum zurück. Kundinnen und Kunden holten Bestellungen zunehmend selbst ab: „Da geht es um Haptik, um das Erlebnis.” Gerade die Jugend sei zurückgewonnen worden, angeteasert durch Influencer. Bücher mit farbigem Buchschnitt seien derzeit sehr erfolgreich.

Osiander, Thalia – und was dazwischen liegt

In Schramberg wird eine Osiandersche Buchhandlung eröffnen, nicht eine Thalia-Filiale. „Es gibt eine Partnerschaft mit Thalia, aber rechtlich sind die Unternehmen selbstständig”, betont Riethmüller.

Das ist zutreffend, aber erklärungsbedürftig. Seit 2020 betreiben Osiander und Thalia eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft, an der Thalia die Mehrheit hält. Über deren Plattform läuft der gesamte Warenfluss der Osiander-Häuser; IT, Webshop und Beschaffung sind gebündelt. Sortimentsauswahl, Personal, Marketing und die Expansionsplanung bleiben nach Unternehmensangaben in Tübinger Regie. Osiander wurde 1596 in Tübingen gegründet, ist seit 1920 in Familienbesitz der Riethmüllers und betreibt heute über 60 Buchhandlungen mit mehr als 600 Beschäftigten.

240 Quadratmneter Verkaufsfläche wird Osiander in Schramberg bespielen, “drei bis vier” Mitarbeitende” werde man beschäftigen, so Riethmüller. Im Gespräch mit dem Buchhändler wird klar: Er freut sich sehr auf die Eröffnung, plant, dann auch selbst dabei zu sein, wenn die Ladentüren aufgehen.

Unklar bleibt noch, welche Rolle die Wirtschaftsförderung der Stadt Schramberg bei der Ansiedlung genau gespielt hat. Wir haben bei der Stadtverwaltung nachgefragt, Urlaubsbedingt wird sich die Antwort verzögern. Wir reichen sie daher nach.

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