Am heutigen Montag begeht die Katholische Kirchengemeinde Sankt Maria-Heilig Geist zusammen mit der Eigentümerfamilie der Grafen von Bissingen und Nippenburg das diesjährige Patrozinium der Falkensteiner Kapelle in Schramberg – am 2. Juni, dem Gedenktag des heiligen Erasmus im Kalender der katholischen Kirche, dem das Gotteshaus geweiht ist. Darüber berichtet Carsten Kohlmann.
Das Patrozinium steht in diesem Jahr auch im Zeichen eines hochrangigen Jubiläums, da die Falkensteiner Kapelle vor 750 Jahren das erste Mal schriftlich erwähnt wird, zwar nicht als Kirche, aber mit ihrem damaligen „Leutpriester“ („Plebanus“), der zwei Pfarrstellen innehatte, die Pfarrei Sankt Erasmus in Schramberg und die Pfarrei Sankt Michael in Lauterbach, die beide zur Herrschaft Falkenstein gehörten („ecclesiae annexae“).
Die beiden Pfarreien blieben später als Mutterkirche (Lauterbach) und Tochterkirche (Falkenstein) über Jahrhunderte miteinander verbunden. Erst 1787 wurde die nach ihrer fast vollständigen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg von 1755 bis 1757 wieder aufgebaute Falkensteiner Kapelle in die Pfarrei Sankt Nikolaus in Schramberg eingegliedert.
Erste Erwähnung 1275
Erstmals erwähnt werden die beiden Orte mit ihrem „Plebanus“ in einem Eintrag im „Liber decimationis“ der damaligen Diözese Konstanz aus dem Jahr 1275, einem Amtsbuch zum Einzug einer Zehntsteuer von den Beziehern geistlicher Pfründen für einen Kreuzzug in der Zeit von Papst Gregor X. ins Heilige Land. In diesem Register, überliefert als Abschrift aus dem frühen 14. Jahrhundert und verwahrt im Erzbischöflichen Archiv Freiburg, werden viele Orte in Südwestdeutschland das erste Mal schriftlich genannt, die deshalb im Jahr 2025 wie die Gemeinde Lauterbach ihre 750-Jahr-Feiern begehen können.

Nach dem Eintrag über die Pfarreien Falkenstein („Valkenstein“) und Lauterbach („Luterbach“) hatte der namentlich nicht genannte Geistliche ein Jahreseinkommen von 300 Pfund Rottweiler Silberdenaren. Im „Liber decimationis“ wurde vermerkt, dass er zwei Mal nicht den vollen Zehnten davon entrichtet hatte und deshalb zur Nachzahlung verpflichtet war.
Edelfreie
Die Ersterwähnung einer Kirche der Herren von Falkenstein ist von der Ersterwähnung der edelfreien Adelsfamilie im Jahr 1257 nicht weit entfernt, die im 13. Jahrhundert im mittleren Schwarzwald ein Territorium aufbaute, das sich von der Eschach bis auf den Fohrenbühl erstreckte. Am Fuß ihrer Burg am Eingang des Bernecktales gründete sie auch eine so genannte „Eigenkirche“, in der sie das Patronatsrecht zur Zustimmung oder Ablehnung des vom Bischof benannten Pfarrers hatte.
Die Pfarrkirche war auch von einem Friedhof umgeben. Das seltene Patrozinium Sankt Erasmus verdankt sich den Beziehungen der ersten Herren von Falkenstein zum Kloster Sankt Gallen, in dem seit dem 10. Jahrhundert Reliquien des Märtyrers verwahrt werden.
Der älteste Bauteil der Falkensteiner Kapelle, der Chor und das Sakramentshaus, gehen noch auf die Entstehungszeit des Gotteshauses in der Gotik zurück. Ein weiteres Fragment, ein Fensterbogen- oder Türbogenfragment, wurde bei Erdarbeiten für die zukünftige „Falkenstein Ruh“ der Güterverwaltung Graf von Bissingen im Jahr 2023 von Bernd und Klara Pieper gefunden, den ehrenamtlichen Beauftragten des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg im Landkreis Rottweil.

Foto: Carsten Kohlmann
Info: Das diesjährige Patrozinium der Falkensteiner Kapelle in Schramberg wird am Montag, 2. Juni, 18.30 Uhr, von der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Maria-Heilig Geist mit einer Messfeier begangen.
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