Der Berg kreißte – und gebar ein Mäusle. Selten trifft ein Spruch so gut zu wie auf das Schramberger „Sanierungsprojekt Sängerstraße / am Brestenberg“. Aus einem groß angelegten Renaturierungsplan für die Schiltach mit Abbruch der Mauer, dem Anlegen eines neuen Wegs entlang des Baches als Teil des „Blauen Bands“ wird nun ein „Plätzle mit drei Bäumen“, paar anders platzierten Parkplätzen und eine neue Fahrbahn.
Schramberg. Was hatte man für schöne Pläne für die Landesgartenschaubewerbung. Wie viel Hirnschmalz haben Gewässerforscher, Stadtplaner und Bach-na-Fahrer drauf verwendet, das alles auch noch zuberkompatibel zu gestalten. Wie viele Antragsformulare haben die Leute in der Verwaltung geprüft und geschaut, wo vielleicht ein Zuschuss abzugreifen wäre“: Alles vergebene Liebesmüh. Die Stadt konnte die entscheidenden Grundstücke nicht kaufen, und so kommt nun das Mäusle-Plätzle Ergebnis.

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik (AUT) am Donnerstag hat Abteilungsleiter Konrad Ginter die traurige Vorgeschichte weggelassen. Er wies darauf hin, dass er im Mai letztmals über das Thema berichtet hatte und dass seither das Regierungspräsidium die Verlängerung des Sanierungsgebietes genehmigt habe.
Sparversion mit angestrahlten Bäumen
Die Straße am Brestenberg müsse man dringend erneuern, sie sei „straßentechnisch in einem schlechten Zustand“. Auch die Leitungen im Untergrund müssten ausgetauscht werden. Gleichzeitig werde man ein Leerrohr für Glasfaserkabel verlegen können.

Die Stadtverwaltung habe inzwischen Pläne für die Gestaltung ausgearbeitet und schlage zwei Varianten vor. Die erste Variante sieht an einer Stelle statt einiger Garagen einen Platz mit drei Bäumen, drei Fahrradabstellbügeln und drei Betonsitzbänken vor. Besonderes Highlight: Die Bäume werden nachts von unten angestrahlt.
Vorne am Eck Richtung Hauptstraße soll der Fleck mit dem Trafohaus und dem Schaukelpferd aufgewertet werden.

Sanierung wegen Altlasten teurer
Insgesamt schätzt Ginter die Sanierungskosten für den gesamten Bereich auf gut zwei Millionen Euro. Etwa die Hälfte ginge zu Lasten des Eigenbetriebs Abwasser, nämlich die Kosten für den Mischwasserkanal in Höhe von 566.000 Euro und den Regenwasserkanal in Höhe von 363.000 Euro. Der Straßenbau werde etwa 1,1 Millionen Euro kosten. Als Zuschuss für das Sanierungsgebiet rechnet Ginter mit 300.000 Euro.
Die zweite Variante sähe eine Abstufung Richtung Bach vor. Die Bachmauer würde nur teilweise saniert. Oben könnte man auf einigen Sitzstufen Platz nehmen. Die Kosten wären bei der zweiten Variante 126.000 Euro höher.

Weil Gutachter im Asphalt und im Straßenkoffer „starke Belastung mit krebserregenden Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen“ nachgewiesen hat, muss das Material teuer entsorgt werden. Das verteuert das Projekt um 125.000 Euro. Die im Haushalt veranschlagten Mittel reichten deshalb nicht.

Über eine Verpflichtungsermächtigung möchte Ginter die Mittel für 2026 sichern, um die Maßnahme so bald als möglich ausschreiben zu können. Die Baumaschinen sollten dann gleich nach der Fasnet 2026 anrücken. Wegen des Auslaufens des Sanierungsgebiets muss das Projekt bis spätestens 30. April 2027 abgeschlossen sein.

Jürgen Kaupp (CDU) fragte, ob die Spielpunkt-Umgestaltung erforderlich sei, wofür man das belastete Material einsetzen könnte und ob möglicherweise Anliegerbeiträge fällig würden.
Zum Spielpunkt entgegnete Ginter, man werde wegen der Kanalisation „sowieso alles rausreißen“. Das belastete Material ließe sich bei einem Industriebau mit einer Betondecke drüber verwerten. Die Stadt selbst habe kein derartiges Projekt. Man müsse aber eine solche Verwertung prüfen, bevor es auf die Deponie geht. Zu Anwohnerbeiträgen sagte er zu, dass die Verwaltung das prüfen werde.

Ralf Rückert (Freie/Neue Liste) votierte zunächst für Variante 2. Als Stadtplaner Joschka Joos aber erläuterte, dass es keinen Zugang bis zum Bach gebe und ein Geländer an den Abstufungen angebracht würde, sprach Rückert sich wie der gesamte Ausschuss für variante 1 aus.
Mirko Witkowski (SPD-Buntspecht) fand, diese Variante sehe zwar „charmant“ aus, aber die höheren Kosten rechtfertigten sie nicht. Seine Fraktionskollegin Susanne Andreae fand, man solle den Spielpunkt werglassen, weil er da nichts bringe. Ginter möchte allerdings verhindern, dass an der Stelle Autos parken. Das will man nun auf andere Weise erreichen.
Am Donnerstag wird der Gemeinderat über die Pläne entscheiden.
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