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Weltumwelttag in Rottweil: Bürgerenergiepark Berner Feld – Leserin appelliert an den Gemeinderat

Zum Weltumwelttag: Der Bürgerenergiepark Berner Feld kommt am 10. Juni vor den Rottweiler Gemeinderat – eine Leserin appelliert an die Ratsmitglieder.

Symbol-Foto: Pixabay
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Der Weltumwelttag am 5. Juni erinnert weltweit an die Dringlichkeit des Klimaschutzes. In Rottweil trägt diese Debatte einen konkreten Namen: Bürgerenergiepark Berner Feld. Die geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage der KlimaRegion Rottweil eG soll Strom für rund 1100 Haushalte liefern – und kommt am 10. Juni erneut in den Gemeinderat. Eine Leserin hat jetzt einen eindringlichen Appell an die Ratsmitglieder gerichtet.

Ein Solarpark nördlich der B 27

Nördlich der Bundesstraße B 27, am Rand des Gewerbegebiets Berner Feld, soll auf rund 3,2 Hektar Ackerfläche eine Photovoltaikanlage entstehen. Das Projekt der KlimaRegion Rottweil eG sieht eine Gesamtleistung von 3,5 Megawatt vor. Jährlich sollen damit rechnerisch rund 1100 Haushalte mit regenerativ erzeugtem Strom versorgt werden, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Die anfallenden Kosten – Gutachten, Ausgleichsmaßnahmen, Verwaltung – trägt vollständig die KlimaRegion Rottweil eG, eine Genossenschaft. Die Stadt Rottweil beteiligt sich nicht an den Kosten; eine vertraglich vereinbarte Rückbauverpflichtung stellt zudem sicher, dass die Fläche nach dem Ende der Betriebslaufzeit zurückgegeben wird.

Das Projekt ist ausdrücklich als Bürgerprojekt angelegt: Menschen aus der Region sollen die Möglichkeit erhalten, sich finanziell an der Genossenschaft zu beteiligen. Die KlimaRegion betont, dass es um lokale Wertschöpfung und nicht um externe Investoren gehe.

Vier Beschlüsse, ein Ziel – und noch kein Ende

Die Planungsgeschichte ist bereits mehrjährig. Am 26. Juni 2024 fasste der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss. Im Mai 2025 wurde der Geltungsbereich angepasst und die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung beschlossen. Diese lief von Oktober bis November 2025: 29 Behörden und Träger öffentlicher Belange brachten Anregungen ein, die in den überarbeiteten Planentwurf eingeflossen sind. Aus der Bürgerschaft gingen hingegen während dieser formellen Beteiligungsfrist keine Stellungnahmen ein.

Am 10. Juni steht nun der nächste Schritt auf der Tagesordnung: der sogenannte Offenlagebeschluss. Der Gemeinderat soll dem aktuellen Bebauungsplanentwurf zustimmen und dessen öffentliche Auslegung nach § 3 Abs. 2 BauGB beschließen. Es handelt sich also nicht um den abschließenden Baugenehmigungsbescheid, sondern um einen weiteren Verfahrensschritt – der finale Satzungsbeschluss folgt erst danach, wenn alle eingegangenen Stellungnahmen abgewogen sind.

Parallel dazu wird der Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft Rottweil angepasst. Die bisherige Darstellung als landwirtschaftliche Fläche weicht einem Sondergebiet für Photovoltaik.

Naturschutz mitgedacht

Die Planung hat naturschutzfachliche Auflagen bereits integriert: Eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) schreibt Schutzmaßnahmen für Feldlerche und Goldammer vor, die als Brutvögel auf der Fläche nachgewiesen wurden. Außenbeleuchtung auf dem Gelände ist aus Artenschutzgründen untersagt. Für die Nachbarschaft an der Dietinger Straße und für Verkehrsteilnehmer auf der B 27 wurde ein Blendgutachten erstellt, das entsprechende Auflagen im Bebauungsplan begründet. Teile des Plangebiets liegen innerhalb des Landschaftsschutzgebiets „Neckartal mit Seitentälern von Rottweil bis Aistaig“, weshalb nur die nicht schutzbedürftigen Flächen vollständig in den Geltungsbereich fallen.

„Ermöglichen Sie den Bürgerenergiepark Berner Feld“

Dass ausgerechnet zum Weltumwelttag ein Leserbrief zu diesem Projekt in der Redaktion eingegangen ist, passt zum Anlass. Inge Ebert richtet sich darin direkt an die Mitglieder des Gemeinderats – und tut es ohne Umschweife.

„Ich wünschte mir diesen längst in den Startlöchern“, schreibt sie. Ebert beschreibt sich als Angehörige einer Generation, die den Klimawandel mitverantwortet habe, dessen schlimmste Folgen aber nur noch am Rand erleben werde. Das nimmt ihr nichts von ihrer Überzeugung: „Nichtsdestotrotz sehe ich, was ich sehe – globale und regionale Auswirkungen des Klimawandels, ungute wirtschaftliche Abhängigkeiten, gesellschaftliche Verwerfungen.“

Ihre Botschaft an den Gemeinderat ist klar: „Bitte machen Sie sich frei von parteipolitischem Kalkül und von der doch recht verstörenden Energiepolitik der Bundesregierung.“ Und: „Dieser Energiepark kommt den BürgerInnen dieser Region zugute, er dient allen.“ Den Schlusssatz setzt sie als unmissverständliche Bitte: „Ermöglichen Sie den Bürgerenergiepark ‚Berner Feld‘.“

Klimaschutz zwischen Anspruch und Gemeinderatssitzung

Die Debatte um den Bürgerenergiepark Berner Feld steht exemplarisch dafür, wie Klimaschutz auf kommunaler Ebene tatsächlich verhandelt wird: nicht in Absichtserklärungen, sondern in Bebauungsplänen, Artenschutzgutachten und Gemeinderatssitzungen. Während international am heutigen Weltumwelttag über Emissionsziele gesprochen wird, geht es in Rottweil um 3,2 Hektar Ackerland, Bürgerbeteiligung und einen Verfahrensschritt im Baurecht.

Am 10. Juni hat der Gemeinderat das Wort.

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