36 Grad zeigt das Thermometer im Auto. Der Schweiß läuft in Strömen. Während viele an diesem Samstagnachmittag Schatten suchen, heult um 13.58 Uhr in Eschbronn-Locherhof die Sirene. Wenige Minuten später rollen die ersten Löschfahrzeuge Richtung Wald. Zehn Feuerwehren mit rund 150 Einsatzkräften proben in Eschbronn an diesem Samstag den Ernstfall: einen großflächigen Waldbrand.
ESCHBRONN. Die Ausgangslage der jährlichen Übung des Löschbezirks Schramberg ist angesichts der hochsommerlichen Temperaturen kaum realistischer vorstellbar. Nach der Übungsannahme stehen drei bis vier Hektar Wald- und Vegetationsfläche in Flammen. Trockene Sträucher und Unterholz sorgen dafür, dass sich das Feuer rasch ausbreiten würde.
„Das muss man wollen“, sagt ein altgedienter Feuerwehrmann mit Blick auf die Hitze. Ein Zuschauer kommentiert lächelnd: „Realistisch für so einen Einsatz.“
Bereits wenige Minuten nach der Alarmierung trifft Oberndorfs Stadtbrandmeister Manuel Suhr als erste Führungskraft an der Einsatzstelle ein. Kurz darauf erreichen die ersten Löschfahrzeuge der Feuerwehr Eschbronn das Waldgebiet am Rand der Gemeinde. Aus dem Wald sind bereits Rufe von Einsatzkräften zu hören.
Binnen kurzer Zeit liegen die ersten Schlauchleitungen. Wenige Minuten später heißt es bereits: „Wasser marsch.“ Die Brandbekämpfung beginnt.
Großbrand erfordert Nachalarmierungen
Schnell wird innerhalb der Übungsannahme deutlich, dass die vorhandenen Wasservorräte einzelner Fahrzeuge für einen ausgedehnten Waldbrand nicht ausreichen würden. Deshalb fordert die Einsatzleitung weitere Kräfte nach.
Unter anderem wird der Großtanklöschwagen aus Rottweil angefordert. Auch der aus Oberndorf rollt an. Hinzu kommen Feuerwehren aus Dunningen, Schramberg, Lauterbach, Hardt, Schiltach und anderen Gemeinden des Löschbezirks. Immer wieder hallt das Martinshorn weiterer Einsatzfahrzeuge durch den Wald. Ein geländegängiger Allradwagen übernimmt die Einweisung der nachrückenden Kräfte. Dunningen bringt einen neuen Schlauch mit. Einen mit Löchern, der gleich ein ganzes Areal nässen kann.
Das eigentliche Übungsgebiet reicht weit in den Wald hinein. Immer wieder verschwinden Tanklöschfahrzeuge und andere Einsatzfahrzeuge zwischen den Bäumen. Von außen lässt sich nur erahnen, wie riesig das angenommene Schadensgebiet tatsächlich ist.
Sammelstelle steuert den Einsatz
Während im Wald gelöscht wird, laufen an der Sammelstelle am Rand des Gewerbegebiets die Fäden zusammen. Dort werden die eintreffenden Fahrzeuge gesammelt, geordnet und anschließend den einzelnen Einsatzabschnitten zugewiesen.
Die Einsatzleitung koordiniert von dort aus die Arbeit der Lösch- und Tanklöschfahrzeuge. Wenigstens spendet das Vordach eines Unternehmens dort etwas Schatten.
Zu den Beobachtern gehören unter anderem Rottweils Stadtbrandmeister Frank Müller in seiner Funktion als stellvertretender Kreisbrandmeister sowie Bürgermeister Franz Moser. Beide sind in guter Stimmung – die Übung läuft gut.
An ihr nehmen außerdem zwei Mitarbeiter der Landesforstverwaltung teil. Gegenüber der NRWZ erklären sie, dass sie Erkenntnisse für die Zusammenarbeit bei künftigen Waldbränden gewinnen wollen. Dazu verfolgen sie die Lage an den Einsatzplänen, direkt auch die Löscharbeiten vor Ort und tauschen sich mit der Einsatzleitung aus.
Jeder Einsatzabschnitt erhält einen klaren Auftrag
Die Einsatzleitung gliedert das angenommene Schadensgebiet in mehrere Abschnitte. Während die Feuerwehr Eschbronn zunächst mit der Brandbekämpfung beginnt, übernehmen weitere Feuerwehren definierte Einsatzbereiche und sichern die Flanken des angenommenen Waldbrandes. Parallel wird die Löschwasserversorgung kontinuierlich ausgebaut.
Nach Einschätzung des Einsatzleiters Oliver Rapp funktioniert die Wasserversorgung zuverlässig. Die nachgeforderten Kräfte befinden sich inzwischen in der Brandbekämpfung. Einzelne Bereiche werden laufend erkundet und bei Bedarf verstärkt.
Nach der Übungsplanung soll das Feuer gegen 16 Uhr „schwarz“ sein – im Feuerwehrjargon bedeutet das: Der Brand gilt als gelöscht.
Marscherleichterung bei 36 Grad
Die hohen Temperaturen fordern ihren Tribut. Die Einsatzkräfte tragen deshalb im Rahmen einer sogenannten Marscherleichterung leichtere Einsatzkleidung. Keine schweren Jacken. Nicht alle einen Helm. Immer wieder werden Trinkwasserflaschen verteilt. Trotz der Anstrengung bleibt die Stimmung kameradschaftlich. Beim Verteilen der Getränke fallen immer wieder scherzhafte Bemerkungen.
Etwa 40 bis 50 Zuschauer, darunter einige Kinder, verfolgen das Geschehen. Als sich die Übung dem Ende nähert und der angenommene Brand unter Kontrolle ist, dürfen einige Kinder unter Aufsicht selbst einmal einen Feuerwehrschlauch halten. Ein leitender Feuerwehrmann kommentiert das mit einem Lächeln: „Die Flammen schlagen nicht so hoch, da geht das schon mal.“
Dass es sich trotz aller Professionalität um eine Übung handelt, zeigt sich noch an einer anderen Szene: Den nachrückenden Einsatzkräften schallt aus dem Wald ein herzliches „Willkommen!“ entgegen – ein Moment, den es bei einem echten Waldbrand wohl kaum geben würde.
Vorbereitet wurde die diesjährige Großübung vom Eschbronner Feuerwehrkommandanten Andreas Noth. Die Einsatzleitung übernahm dessen Stellvertreter Oliver Rapp. In den Ablauf, in die vermeintliche Brandbekämpfung eingebunden waren etwa die Dunninger Volker und Steffen Hils, der Schramberger Patrick Wöhrle, der Schiltacher Markus Fehrenbacher.
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