Auf den Straßen in Baden-Württemberg sind im ersten Halbjahr 2026 weniger Menschen gestorben als ein Jahr zuvor: 161 Verkehrstote bedeuten einen Rückgang um 14,4 Prozent. Die Zahl der Unfälle insgesamt stieg dagegen leicht. Deutlich zugenommen haben Unfälle mit E-Scootern – bei fast der Hälfte der Fälle mit Verletzten saßen Minderjährige auf dem Fahrzeug.
Innenminister Manuel Hagel (CDU) hat die Halbjahresbilanz zur Verkehrsunfallentwicklung am Freitag in Stuttgart vorgestellt. Zwischen Januar und Juni registrierte die Polizei landesweit 154.347 Unfälle und damit 2,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der weitaus größte Teil davon – 137.968 – blieb bei Sachschaden. Bei 16.379 Unfällen kamen Menschen zu Schaden (plus 1,8 Prozent).
17.494 Menschen wurden leicht verletzt (plus 1,0 Prozent), 2.562 schwer (minus 5,1 Prozent). 161 Menschen starben, 14,4 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Hagel sprach von einem „positiven Signal“, aber „längst keiner Entwarnung“. Man bleibe auf dem Weg zur sogenannten Vision Zero, einem Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte, „auf der richtigen Spur“.
Geschwindigkeit bleibt häufigste Ursache tödlicher Unfälle
Wie in den Vorjahren war nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit die häufigste Ursache bei tödlichen Unfällen: 39,7 Prozent gingen darauf zurück, das entspricht 64 Todesopfern. Es folgen Vorfahrts- und Vorrangverletzungen (13,9 Prozent), Ablenkung (10,6 Prozent) und mangelnde Verkehrstüchtigkeit (9,9 Prozent).
„Nach wie vor wird die Gefahr von überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit gnadenlos unterschätzt“, sagte Hagel. Rasen sei „kein Spaß, sondern lebensgefährlich“.
Deutlich weniger getötete Motorradfahrer
Die Zahl der Motorradunfälle ging um 4,2 Prozent auf 2.210 zurück. 1.803 Motorradfahrerinnen und -fahrer verunglückten, 1.318 von ihnen leicht (minus 7,2 Prozent) und 461 schwer (minus 5,7 Prozent). 24 Menschen starben bei Motorradunfällen – 41,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025.
Knapp 80 Prozent der tödlichen Motorradunfälle wurden nach Angaben des Innenministeriums von den Motorradfahrern selbst verursacht, meist durch zu hohes Tempo.
33 getötete Radfahrer – mehrheitlich auf Pedelecs
Bei den Fahrrädern entwickeln sich die Zahlen gegenläufig: Unfälle mit Pedelecs gingen um 10,7 Prozent auf 1.969 zurück, Unfälle mit Fahrrädern ohne Motor stiegen von 4.080 auf 4.457. Die Zahl der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer lag mit 33 genauso hoch wie im Vorjahreszeitraum. 18 von ihnen waren mit einem Pedelec unterwegs. Nach Angaben des Ministeriums waren 88,9 Prozent der tödlich verunglückten Pedelec-Nutzer im Seniorenalter – also 16 der 18 Getöteten.
Auch bei Fußgängern zeigt die Statistik ein zweigeteiltes Bild: Zwar sank die Zahl der Unfälle mit Fußgängerbeteiligung und die der dabei Verunglückten, die Zahl der getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger stieg aber von 24 auf 27.
E-Scooter: fast jeder zweite Unfall mit Minderjährigen
Am stärksten verändert hat sich die Lage bei den Elektrokleinstfahrzeugen, überwiegend E-Scootern. Von Januar bis Juni zählte die Polizei 1.290 Unfälle mit ihrer Beteiligung – ein Plus von 46,4 Prozent gegenüber 881 im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der leicht verletzten Nutzerinnen und Nutzer stieg um 44,9 Prozent auf 868, die der Schwerverletzten um 72,6 Prozent auf 126. Ein Mensch starb; im Vorjahreszeitraum waren es vier.
Auffällig ist das Alter: Bei 45,5 Prozent der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden waren die Nutzer minderjährig. E-Scooter dürfen in Deutschland erst ab 14 Jahren gefahren werden; einen Führerschein braucht es dafür nicht.
Alkohol stagniert, Drogenunfälle gehen zurück
Mangelnde Verkehrstüchtigkeit durch berauschende Mittel führte zu 2.243 Unfällen. 1.895 davon gingen auf Alkohol zurück (plus 0,2 Prozent), 348 auf Cannabis und andere Betäubungsmittel (minus 22,1 Prozent).
Keine eigenen Zahlen für den Landkreis Rottweil
Die Halbjahresbilanz weist die Zahlen nur landesweit aus, eine Aufschlüsselung nach Stadt- und Landkreisen enthält sie nicht. Für den Landkreis Rottweil ist das Polizeipräsidium Tuttlingen zuständig, das eigene Unfallzahlen üblicherweise erst mit der Jahresbilanz vorlegt. Ein Vergleich mit der Entwicklung in der Region ist auf Basis der Landeszahlen deshalb nicht möglich.
