Michael Sturm aus Eschbronn ist jetzt Schwarzwald-Guide: „Fleischverzicht wäre so wichtig“

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Michael Sturm. Foto: mm

Michael Sturm aus Eschbronn darf sich seit Ende Juli zertifizierter Natur- und Landschaftsführer nennen – „Schwarzwald-Guide“, wie es auf der Urkunde heißt. Ein Jahr lang hat sich der 36-Jährige mit Geologie, Flora, Fauna, Kulturgeschichte und Klimawandel beschäftigt. Künftig will er Einheimische und Gäste durch den Naturpark führen – und nebenbei Falschinformationen im Netz widersprechen.

Eschbronn – Die Ausbildung ist begehrt, wie Sturm erzählt: Rund 80 Bewerbungen kamen auf 20 Plätze. Bei ihm klappte es erst im zweiten Anlauf, und auch das nur, weil Eschbronn, wo er mit seiner Frau und den beiden Söhnen wohnt, zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gehört. Bewerber aus Naturpark-Gemeinden werden bevorzugt aufgenommen. „Das ist so gewünscht“, sagt er.

Den Naturpark kennt Michael Sturm nun wie seine Westentasche. Ein Jahr lang hat er sich in Theorie und Praxis mit altem Handwerk wie Glasbläserei oder Flößerei beschäftigt, Klöster und Burgen besichtigt und die Entwicklung der Gewässer ebenso studiert wie die Schwarzwälder Land- und Forstwirtschaft, den Klimawandel und seine Auswirkungen für die Region. Dazu kamen Führungsdidaktik, Erlebnispädagogik, Erste Hilfe im Gelände und rechtliche Grundlagen. Und er hat gelernt, das alles weiterzugeben, an Gäste und Einheimische.

Das tut der gelernte Zimmermann ohnehin schon seit geraumer Zeit: Er hat auch Natur- und Umweltpädagogik studiert, ist seit Langem beim NABU Dunningen und beim Obst- und Gartenbauverein Eschbronn aktiv und außerdem Wanderführer bei den Wanderfreunden Queenspark-Brachfeld bei Sulz-Hopfau. Hauptberuflich arbeitet er – in Teilzeit – beim Bauhof in Dunningen und ist dort für die Grünpflege zuständig. „Dann kann ich nachmittags bei den Kindern zuhause sein.“

Und sich um seine Selbstständigkeit kümmern: Unter dem Namen KLUMS – Klima- und Umweltpädagogik Sturm macht er Angebote für Kindergärten und Schulen, außerdem gibt er Kurse für Erzieherinnen und Erzieher, in denen sie lernen, naturpädagogische Angebote spielerisch in ihre Arbeit einzubauen. Das Konzept dafür hat er selbst entwickelt. „Es geht ja auch darum, ihnen die Angst davor zu nehmen.“

Denn eines ist für Michael Sturm klar: Der Klimawandel ist da, und aufhalten lässt er sich aus seiner Sicht nicht mehr. „Wir spüren das jetzt ja erst zeitverzögert, also muss es darum gehen, wie wir es schaffen, dass es nicht noch schlimmer wird.“ Daher brauche es mehr Nachhaltigkeit gerade in den Köpfen der nächsten Generation, mehr Wissen darüber, wie die Natur funktioniert und wie man sie schützen kann. Seine eigenen Söhne gehen deshalb in einen Naturkindergarten und sind die meiste Zeit draußen, im Garten oder auf den Streuobstwiesen und in dem kleinen Wald, die der Familie gehören.

Die Leute für die Natur begeistern, das will der frisch gebackene Schwarzwald-Guide erreichen. „Denn nur was du verstehst, bist du auch bereit zu schützen.“ Wichtig ist ihm auch, falsche oder verzerrte Informationen richtigzustellen, was er mit viel Geduld auch in den sozialen Medien tut. „Es ist eine beliebte Taktik gerade von Windkraftgegnern, einzelne Infos aus dem Zusammenhang zu reißen oder sich auf Studien zu berufen, die längst widerlegt sind“, sagt Sturm. „Und da muss ich etwas sagen!“

Handeln ist aus seiner Sicht überfällig, weil bereits viel zerstört sei: Die Artenvielfalt sei längst bedroht, viele Arten seien schon verschwunden. Der Rückgang der Artenvielfalt hat allerdings mehrere Ursachen; als stärkster Treiber gilt in der Forschung die Art, wie Flächen genutzt werden. Damit stehe auch die Lebensgrundlage der Menschen auf dem Spiel, ebenso das über Generationen erworbene Wissen über Pflanzen und Bäume. „Unsere Landwirtschaft basiert ja auf einem stabilen Klima mit regelmäßigen Jahreszeiten. Das ist eine lange aufgebaute Kultur“ – eine Kultur, die wenig wert sei, wenn sich das Klima immer weiter verändere.

Dazu komme, „dass die wenigsten bereit sind, ihren Lebenswandel zu verändern, dabei wäre beispielsweise der Fleischverzicht so wichtig“. Tatsächlich bindet die Tierhaltung deutlich mehr Fläche und Ressourcen als der Anbau von Pflanzen: Nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO entfallen rund zwölf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Nutztierhaltung. Viel zu tun also für den Schwarzwald-Guide und Naturpädagogen.

Info: Was ein Schwarzwald-Guide ist

Die Ausbildung zum „zertifizierten Natur- und Landschaftsführer – Schwarzwald-Guide“ tragen der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, die Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg und die Kreisvolkshochschule des Landkreises Freudenstadt gemeinsam. Das Zertifikat folgt dem bundesweiten Standard des Bundesweiten Arbeitskreises der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz (BANU); Sturms Urkunde ist bis Ende 2031 gültig. Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist mit rund 420.000 Hektar der größte Naturpark Deutschlands, mehr als 110 Städte und Gemeinden sind Mitglied.

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