Schramberg. Eine CD, die zum 100. Geburtstag der Späth-Orgel in der Heilig-Geist-Kirche entstanden ist, steht auf der Longlist des Preises der deutschen Schallplattenkritik. In der Nominierungsliste für das zweite Quartal 2026 taucht die Aufnahme „Farbklänge. Veni, Creator Spiritus – Improvisationen als symphonisches Orgelportrait” des Organisten David Franke auf, erschienen beim Label Motette. In die engere Auswahl, die daraus hervorgehende Bestenliste, kam die Produktion nach Angaben des Vereins Schramberger Orgelkonzerte nicht.
Was die Longlist bedeutet – und was nicht
Der Preis der deutschen Schallplattenkritik wird von einem Zusammenschluss von rund 160 Musikkritikerinnen und -kritikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben. Viermal im Jahr veröffentlichen die Fachjurys eine Bestenliste mit besonders empfohlenen Neuerscheinungen.
Die Longlist ist die Vorstufe dazu: Sie versammelt alle Titel, die von den Jurorinnen und Juroren für ein Quartal vorgeschlagen wurden. Für das zweite Quartal 2026 sind das 240 Neuerscheinungen. Eine Auszeichnung ist die Nennung damit nicht, wohl aber ein Hinweis darauf, dass die Aufnahme im bundesweiten Neuerscheinungsangebot wahrgenommen wurde. Geführt wird die Schramberger Produktion in der Kategorie Tasteninstrumente.
Improvisationen zum Orgeljubiläum
Die CD entstand anlässlich des 100-jährigen Weihejubiläums der Späth-Orgel. Erstmals verkauft wurde sie beim Jubiläumskonzert in der Heilig-Geist-Kirche. Anders als frühere Aufnahmen des Vereins Schramberger Orgelkonzerte enthält sie ausschließlich Improvisationen.
Grundlage sind Melodien bekannter Pfingstchoräle, allen voran „Veni, creator spiritus” – „Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist”. David Franke ist Professor für Orgel und Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik Freiburg.
Finanziert wurde die Produktion nach Angaben des Vereins durch die Unterstützung der Firmen Maurer und Brugger Magnetsysteme. Aus dem Vorstand heißt es zur Nominierung: „Es freut uns sehr, dass unsere Initiative bundesweit wahrgenommen wird. Die Späth-Orgel ist ein Kulturgut, das Schramberg weit über die Stadtgrenzen hinaus repräsentiert.”
Franke soll die Jury des Walcker-Wettbewerbs übernehmen
Über die Aufnahme hinaus kündigt der Verein an, dass Franke künftig den Vorsitz der Jury des Schramberger Eberhard-Friedrich-Walcker-Orgelwettbewerbs übernimmt. Der internationale Wettbewerb wird seit 2001 vom Verein Schramberger Orgelkonzerte ausgerichtet und findet im Abstand von rund vier Jahren statt. Vergeben werden Preise im Gesamtwert von 10.000 Euro.
Den Juryvorsitz hatte bislang der Stuttgarter Orgelprofessor Ludger Lohmann inne, der selbst bereits eine CD an der Schramberger Späth-Orgel eingespielt hat. Zu den Jurymitgliedern früherer Wettbewerbe zählten international bekannte Organisten wie Guy Bovet, Hans Fagius und Peter Planyavsky. Wann der nächste Wettbewerb stattfindet, teilte der Verein nicht mit.
Das Instrument von 1925
Die Späth-Orgel wurde 1925 gebaut und gilt als eines der klanglich eigenständigsten Instrumente der Region: Sie steht zwischen Spätromantik und elsässischer Orgelreform und weist bereits neobarocke Klangmöglichkeiten auf. Diese Mischung macht sie für symphonisch angelegte Improvisationen brauchbar – und war auch der Grund, sie zum Jubiläum aufzunehmen.
Die CD ist beim Verein Schramberger Orgelkonzerte erhältlich: schramberger-orgelkonzerte.de.
