Auf der Schwäbischen Alb sind Archäologen auf ein gut erhaltenes Teilstück der antiken Alblimes-Straße gestoßen. Die rund 2000 Jahre alte Verbindung führte einst von Rottweil nach Heidenheim an der Brenz. Freigelegt wurde sie bei Drackenstein – dort, wo die A8 künftig neu über die Alb geführt werden soll.
Wo in wenigen Jahren sechsspurig Autos und Lastwagen über die Alb rollen, verlief schon vor rund 2000 Jahren eine wichtige Verkehrsader. Bei Drackenstein im Kreis Göppingen haben Archäologinnen und Archäologen etwa 90 Meter der sogenannten Alblimes-Straße freigelegt. Sie verband nach heutigem Kenntnisstand Rottweil mit Heidenheim an der Brenz – und damit zwei der bedeutendsten römischen Orte im heutigen Baden-Württemberg.
Die Ausgrabungen laufen im Vorfeld des neuen A8-Albaufstiegs. Fachlich betreut werden sie vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart, ausgeführt von den Grabungsfirmen fodilus und ArchaeoBW. Auftraggeberin ist die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südwest. Begonnen haben die Arbeiten im August 2025, abgeschlossen sein sollen sie bis Ende 2026.



Angelegt wohl unter Kaiser Vespasian
Die Straße wurde vermutlich unter Kaiser Vespasian im ersten Jahrhundert nach Christus angelegt. Sie gehörte zur Grundausstattung der damals neu eingerichteten Provinz Germania Superior und diente sowohl dem Handel als auch dem Militär. Über mehr als ein Jahrhundert markierte der Alblimes die Grenze zwischen dem Römischen Reich und dem freien Germanien.
Für Rottweil ist der Fund mehr als eine Randnotiz. Die Stadt war unter dem Namen Arae Flaviae in flavischer Zeit ein zentraler römischer Ort am Neckar. Die nun untersuchte Trasse zeigt, wie dieser Platz mit dem Osten der Provinz verbunden war – eine Fernverbindung quer durch das heutige Baden-Württemberg.
Lange war der Alblimes nur eine Vermutung der Forschung. Erst Grabungen im 19. und 20. Jahrhundert brachten den Nachweis. Heute gilt die Straße als Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung. Dass sich nun ein längeres, zusammenhängendes Stück untersuchen lässt, ist selten. Dr. René Wollenweber vom Landesamt für Denkmalpflege bezeichnet den Befund als „regional gesehen eine Sensation”.
Münzen, Schuhnägel und bronzezeitliche Gräber
Gebaut wurde die Straße aus weißem Jurakalk der Alb. Zwischen den Steinlagen fanden die Ausgräber römische Bronzemünzen, darunter einen halben Sesterz, der möglicherweise Kaiser Domitian zeigt, sowie eiserne Schuhnägel – Reste der Sohlen antiker Wanderer und Soldaten.
Unter dem römischen Straßenkörper stießen die Fachleute zudem auf deutlich ältere Spuren: Siedlungsreste aus Bronze- und Eisenzeit, Hausgrundrisse und Bestattungen. In einer Urne, die beim römischen Straßenbau gestört worden war, lag eine bronzezeitliche Rollenkopfnadel. Erste Hinweise deuten außerdem auf eine römische Straßenstation hin, an der Reisende die Pferde wechseln konnten. Bestätigt ist das bislang nicht.
Größtes Autobahnprojekt im Land
Der neue Albaufstieg gilt als größtes Autobahnprojekt in Baden-Württemberg. Zwischen Mühlhausen im Täle und Hohenstadt soll die A8 sechsstreifig ausgebaut werden. Die neue Trasse wird rund 3,8 Kilometer kürzer als die heutige getrennte Führung, die maximale Steigung sinkt von 6,3 auf 3,5 Prozent. Der Tunnelbau soll im Frühjahr 2027 beginnen. Bemerkenswert ist die Geografie: Die römische Straße kreuzt die geplante Autobahn nahezu im rechten Winkel.
Verzögern werden die Grabungen das Bauprojekt nach Angaben der Autobahn GmbH nicht – sie sind im Zeitplan eingeplant und im Planfeststellungsbeschluss vorgeschrieben.
