In Rottweil hat der zweite und letzte Bauabschnitt der Neckarrevitalisierung begonnen. Zwischen der Schindelbrücke und dem früheren ENRW-Gelände wird der Fluss in einer weiten Schleife neu geführt, der heutige Lauf bleibt als Altarm erhalten. Auch das markante Pegelhäuschen verschwindet – es soll im Herbst abgebaut werden. Fertig sein sollen die Arbeiten nach Angaben der Stadt im Sommer 2027.
Rottweil – Der Umbau des Neckars ist eines der größten Bauprojekte im Vorfeld der Landesgartenschau 2028. Insgesamt wird der Fluss unterhalb der historischen Innenstadt auf knapp zwei Kilometern umgestaltet. Der erste Abschnitt zwischen der Primmündung und der Bahnunterführung beim früheren ENRW-Wehr ist abgeschlossen. Nun folgt der Bereich flussabwärts bis zur historischen Schindelbrücke – nach Angaben der Stadt auf einer Länge von gut 500 Metern.
Neuer Bogen, alter Lauf bleibt als Altarm
Kernstück des zweiten Abschnitts ist ein neuer Neckarbogen zwischen dem bisherigen Pegel am ehemaligen Gaswerksgelände und der Schindelbrücke. Der Fluss wird dafür in einer großzügigen Schleife neu trassiert. Der heutige Gewässerverlauf bleibt als Altarm bestehen.
Harte Uferbefestigungen werden entfernt, an ihrer Stelle sollen flache Gleithänge und steilere Prallufer entstehen, die mit ingenieurbiologischen Methoden gesichert werden. So beschreibt es Klaus Scholl, Projektleiter beim Landesbetrieb Gewässer des Regierungspräsidiums Freiburg. Ziel sei es, „wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen“ zu schaffen und zugleich ein Naherholungsgebiet.
Geplant sind außerdem eine größere Neckarinsel, mehrere Zugänge zum Wasser und eine Furt im Bereich des Alten Gaswerks. Am Ufer sollen Sitzgelegenheiten aufgestellt werden.
Pegelhäuschen wird im Herbst abgebaut
Weil der Fluss seinen Lauf ändert, wird der bisherige Neckarpegel samt dem auffälligen Pegelhäuschen im Herbst abgebaut. Ersatz gibt es bereits: Flussaufwärts auf Höhe des Bahnhofs steht seit einiger Zeit ein neuer Landespegel. Das kleine Gebäude war in Rottweil wiederholt Thema – Oberbürgermeister Christian Ruf hatte es einmal spöttisch als „das teuerste Gartenhäusle der Welt“ bezeichnet.
Land trägt den größeren Teil der Kosten
Auftraggeber der Revitalisierung ist der Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Freiburg. Er beziffert seinen Anteil an den Kosten auf rund acht Millionen Euro. Die Landesgartenschau Rottweil 2028 gGmbH beziehungsweise die Stadt steuern nach Angaben des Regierungspräsidiums rund 5,8 Millionen Euro bei; sie verantworten die begleitenden Wegebaumaßnahmen.
Geplant hat das Projekt die Arbeitsgemeinschaft Neckar unter Federführung des Regierungspräsidiums. Ausführender Betrieb ist die Gewässerbau Nacken GmbH aus Steißlingen bei Singen.
Bäume und Streuobstwiese bleiben stehen
Der vorhandene Baumbestand und die angrenzende Streuobstwiese sollen erhalten und in die neue Landschaft eingebunden werden. Dazu kommen naturnahe Wiesen, Auen- und Feuchtwiesenbereiche sowie standortgerechte Gehölze. Gepflanzt werden unter anderem Schwarz-Pappeln – eine in Deutschland selten gewordene Baumart, die typisch für natürliche Flussauen ist.
Parallel zu den Arbeiten im Fluss entstehen die Wege entlang des Neckars. Sie werden an das bestehende Netz angebunden und bleiben als Daueranlage der Landesgartenschau erhalten.
Zeitplan hat sich verschoben
Ursprünglich sollte der zweite Bauabschnitt bereits im Herbst 2025 beginnen – so hatte es das Regierungspräsidium beim Start des ersten Abschnitts im Oktober 2024 angekündigt. Tatsächlich geht es nun rund ein Dreivierteljahr später los. Das Regierungspräsidium nennt auf seiner Projektseite als Bauzeit für den zweiten Abschnitt Juli 2026 bis voraussichtlich Ende 2027; die Stadt Rottweil geht von einem Abschluss im Sommer 2027 aus.
Bis zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 2028 bleibt damit rechnerisch Puffer. Der Umbau des Neckars gilt als Voraussetzung dafür, dass das Gartenschaugelände im Neckartal überhaupt entstehen kann.
Teil eines landesweiten Programms
Die Maßnahme gehört zum Gewässerentwicklungsprogramm des Landes Baden-Württemberg. Damit setzt das Land auch Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie um. Verbaute Flussabschnitte sollen wieder durchgängig werden, neue Lebensräume entstehen und die Gewässer weniger anfällig für Hitze und Niedrigwasser sein. Zugleich soll sich der Hochwasserschutz verbessern.
Oberbürgermeister Christian Ruf sprach beim Baustart davon, dass die Stadt „ein Stück Natur mitten in der Stadt“ zurückgewinne und einen Erholungsraum erschließe, der über die Landesgartenschau hinaus Bestand habe. Bürgermeisterin und Landesgartenschau-Geschäftsführerin Ines Gaehn erklärte, an dem Projekt zeige sich, wie Naturschutz, Klimaanpassung und Stadtentwicklung zusammengehen könnten.
INFO: Informationen zum Projekt gibt es beim Regierungspräsidium Freiburg und unter www.landesgartenschau-rottweil.de.
