Eine 50 Meter weit gespannte Holzkonstruktion soll zur Landesgartenschau 2028 die Hauptbühne im Neckartal überdachen und danach dauerhaft Schatten spenden. Am Mittwoch, 7. Oktober, berät der Rottweiler Gemeinderat über das Projekt mit der Universität Stuttgart. Um Geld dafür freizumachen, sollen Mittel für einen Radweg und eine Kreuzung umgeschichtet werden.
Rottweil. Die Fläche des ehemaligen Gaswerks im Neckartal ist einer der zentralen Orte der Landesgartenschau 2028. Für die Planer ist sie allerdings schwierig. Wegen der früheren industriellen Nutzung ist der Boden belastet. Die Sanierung ist zwar abgeschlossen, die Asphaltdecke muss aber dauerhaft bleiben. Große Bäume, die Schatten spenden könnten, lassen sich dort kaum pflanzen.
Die Stadtverwaltung will das Problem mit einem besonderen Bauwerk lösen: dem „Neckarbogen“. Gemeint ist eine sogenannte Holzgitterschale. Das ist eine filigrane, am Hang verankerte Dachkonstruktion, die die Fläche weitgehend ohne Stützen überspannt. Nach dem Vorkonzept ist das Dach rund 1.200 Quadratmeter groß und überdeckt etwa 1.100 Quadratmeter Grundfläche. Die Spannweite liegt bei rund 50 Metern.
Forschungsprojekt der Uni Stuttgart
Entwickelt wird der Neckarbogen mit dem Exzellenzcluster IntCDC der Universität Stuttgart. Dort arbeiten Architekten, Bauingenieure, Informatiker und Robotik-Fachleute an neuen, ressourcensparenden Tragwerken. Ein Beispiel dafür ist der Holzpavillon der Bundesgartenschau in Heilbronn. Für Rottweil ist das Projekt als Forschungs- und Demonstrationsbau angelegt. Die Stadt übernimmt das fertige Bauwerk als Eigentum. Die Uni darf es noch zehn Jahre nach Projektende wissenschaftlich untersuchen.
Während der Landesgartenschau soll das Dach vor allem die Sparkassen-Neckarbühne mit Bühnenvorfeld und Sitzbereich überdecken. Für die Zeit nach 2028 legt sich die Verwaltung noch nicht fest. Denkbar sind laut Vorlage Konzerte und Theater, Beachsport, Minigolf, Ausstellungen oder einfach ein schattiger Platz zum Verweilen. Die endgültige Nutzung soll erst später mit möglichen Nutzern entwickelt werden.

1,45 Millionen Euro, die Hälfte aus Fördermitteln
Die Stadt rechnet mit Investitionskosten von 1,45 Millionen Euro. Das Projekt ist dem Förderprogramm „Natur in Stadt & Land“ zugeordnet, das 50 Prozent übernimmt. Bei der Stadt verbleiben damit rund 725.000 Euro. Gleichzeitig spart sie etwa 100.000 Euro für eine temporäre Bühnenüberdachung, die ohnehin eingeplant war. Unterm Strich bleiben 625.000 Euro Mehrkosten. Im Haushalt ist das Projekt bislang nicht veranschlagt.
Damit das Geld bereitsteht, soll der Gemeinderat eine sogenannte überplanmäßige Verpflichtungsermächtigung über 1,425 Millionen Euro genehmigen. Das Geld soll aus zwei anderen Vorhaben kommen: 800.000 Euro vom Projekt Kreuzung Berner Feld und 625.000 Euro vom Radweg Neukirch–Vaihinger Hof. Was das für den Zeitplan dieser beiden Projekte heißt, lässt die Vorlage offen.
Ausstieg nach jeder Etappe möglich
Gebaut wird in drei Schritten: Erst kommen Forschung, Entwicklung und Genehmigungsplanung, dann die Detailplanung mit einer ausführenden Firma und schließlich der Bau. Für den ersten Schritt verlangt die Uni rund 160.000 Euro netto, die Stadt trägt davon etwa 80.000 Euro. Nach jedem Schritt kann die Stadt das Projekt laut Kooperationsvertrag beenden. Belastbare Baukosten soll es erst nach der ersten Phase geben. Dann entscheidet der Gemeinderat erneut.
Die Zeit ist knapp. Bis zur Eröffnung der Landesgartenschau am 7. April 2028 müssen Planung, Genehmigung, Fertigung und Montage abgeschlossen sein. Hinzu kommt der sensible Standort direkt unterhalb der denkmalgeschützten Innenstadt und am Viadukt. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege hat die Stadt nach eigenen Angaben bereits erste Gespräche geführt. Mehrere Industriepartner haben grundsätzlich Interesse gezeigt.
Offene Fragen
Einige Punkte klärt die Vorlage nicht. Wie hoch der „Gesamtkostenrahmen“ ist, bei dessen Überschreitung das Projekt gestoppt würde, wird nicht beziffert. Unklar bleibt auch, was Unterhalt und Verkehrssicherung des Holzbauwerks auf Dauer kosten. Beides übernimmt die Stadt für die gesamte Standzeit. Offen ist außerdem, ob es einen Plan B für die Bühnenüberdachung gibt, falls der Neckarbogen nicht rechtzeitig fertig wird.
Der Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss hat das Thema am 30. September bereits nicht öffentlich beraten. Die Uni Stuttgart stellt Entwürfe und Visualisierungen in der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 7. Oktober, vor.
