KREIS ROTTWEIL. Der Landkreis kann 2027 weder seine Abschreibungen noch seine Kredittilgung aus den laufenden Einnahmen bezahlen. Das schreibt die Kreisverwaltung in der Vorlage zum Haushaltsentwurf, den sie am Montag, 2. November, in den Kreistag einbringt. Die Sitzung beginnt um 14 Uhr im Hofer-Saal der Kreissparkasse Rottweil und ist öffentlich. Für 2027 rechnet die Verwaltung mit einem „hohen negativen ordentlichen Ergebnis“. Wie hoch es ausfällt, sagt die Vorlage nicht.
Bezahlen müssen das zu einem großen Teil die 21 Städte und Gemeinden, und zwar über die Kreisumlage. Sie ist der Anteil ihrer Steuerkraft, den sie an den Kreis abgeben. Zuletzt war die Umlage stark gestiegen: 2025 lag der Hebesatz bei 29 Prozent, im Vorjahr bei 27. Für 2026 hatte die Verwaltung 32,75 Prozent gefordert, der Kreistag hat die Kreisumlage dann auf 31,5 Prozent festgesetzt.
Mehr Steuerkraft, mehr Umlage
Die Anlagen zur Vorlage zeigen: Die Steuerkraft der Kommunen steigt 2027 insgesamt um 7,7 Prozent auf rund 294 Millionen Euro. Bleibt der Hebesatz bei 31,5 Prozent, fließen dadurch rund 92,7 statt bisher etwa 86 Millionen Euro an den Kreis. Das sind 6,6 Millionen Euro mehr. Gleich viel wie 2026 würden die Gemeinden nur zahlen, wenn der Hebesatz auf etwa 29,2 Prozent sinkt. Ein Prozentpunkt bringt dem Kreis 2027 rund 2,9 Millionen Euro.
Die Verwaltung stellt ihren Vorschlag als Entgegenkommen dar. Wegen des großen Lochs im Kreishaushalt wäre es grundsätzlich vertretbar gewesen, die Gemeinden noch stärker heranzuziehen. Mit Rücksicht auf deren „ebenfalls äußerst angespannte Finanzlage“ verzichte man aber darauf und begrenze die Belastung „bewusst“. Rechtlich ist der Kreis zu dieser Abwägung verpflichtet: Er muss den Finanzbedarf der Gemeinden genauso ernst nehmen wie seinen eigenen.
Gewinner und Verlierer
Für die einzelnen Orte wirkt sich das sehr unterschiedlich aus. Bei gleichem Hebesatz müsste die Stadt Rottweil rund 1,8 Millionen Euro mehr zahlen, Oberndorf ebenfalls fast 1,8 Millionen, Schiltach knapp 1,4 Millionen. Grund ist jeweils eine deutlich gestiegene Steuerkraft. Schramberg (rund 430.000 Euro weniger) und Dietingen (rund 280.000 Euro weniger) würden entlastet. Dort ist die Steuerkraft gesunken, in Dietingen um fast elf Prozent.
Die meisten Gemeinden im Minus
Die Kennzahlen, die der Kreis für seine Abwägung heranzieht, zeigen die Lage in den Rathäusern. Grundlage sind die Planzahlen für 2026. Nur drei der 21 Kommunen planten ein positives Ergebnis: Dunningen, Hardt und Schiltach. Den größten Fehlbetrag hatte Oberndorf mit knapp 4,2 Millionen Euro eingeplant, danach folgen Dietingen und Wellendingen mit jeweils rund 2,6 Millionen. Fünf Gemeinden konnten ihre laufenden Ausgaben nicht aus laufenden Einnahmen decken. Dietingen und Wellendingen rechneten zum Jahresende sogar mit negativen liquiden Mitteln. Am anderen Ende steht Schiltach mit eingeplanten rund 97,7 Millionen Euro an liquiden Mitteln, mehr als alle anderen Kommunen zusammen.
Wie es weitergeht
Am Montag wird der Entwurf nur eingebracht, entschieden wird noch nichts. Danach wird er in den Ausschüssen beraten. Wie hart diese Runde werden kann, zeigte das vergangene Jahr. Da wurde um jeden halben Prozentpunkt gerungen. Auch der laufende Haushalt steht unter Druck: Der Landkreis Rottweil wird das Jahr 2026 voraussichtlich um fast zwei Millionen schlechter abschließen als im Haushalt geplant. Vor allem die Sozialausgaben steigen.
Kreisumlage nach Gemeinden
Nur 14 von 21 Gemeinden zahlen mehr. Sieben zahlen bei gleichem Hebesatz weniger, weil ihre Steuerkraft gesunken ist. Steigt der Hebesatz, kann auch für sie die Umlage wieder höher werden. Das zeiugt die folgende Tabelle:
| Gemeinde | Steuerkraft 2026 | Steuerkraft 2027 | Veränderung | Umlage 2026 | Umlage 2027* | Differenz (Mio.) | Differenz (Euro) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rottweil | 48,71 | 54,54 | +12,0 % | 15,34 | 17,18 | +1,84 | +1.835.409 |
| Oberndorf a.N. | 27,95 | 33,62 | +20,3 % | 8,80 | 10,59 | +1,79 | +1.786.395 |
| Schiltach | 28,99 | 33,34 | +15,0 % | 9,13 | 10,50 | +1,37 | +1.367.644 |
| Dunningen | 11,96 | 14,71 | +23,0 % | 3,77 | 4,63 | +0,87 | +865.858 |
| Zimmern o.R. | 10,50 | 12,21 | +16,3 % | 3,31 | 3,85 | +0,54 | +538.619 |
| Sulz a.N. | 22,33 | 23,59 | +5,6 % | 7,03 | 7,43 | +0,40 | +396.326 |
| Vöhringen | 7,67 | 8,60 | +12,0 % | 2,42 | 2,71 | +0,29 | +290.400 |
| Villingendorf | 5,35 | 5,82 | +8,6 % | 1,69 | 1,83 | +0,15 | +145.520 |
| Bösingen | 5,44 | 5,86 | +7,9 % | 1,71 | 1,85 | +0,13 | +134.849 |
| Deißlingen | 10,76 | 11,07 | +2,9 % | 3,39 | 3,49 | +0,10 | +97.892 |
| Fluorn-Winzeln | 5,20 | 5,40 | +3,7 % | 1,64 | 1,70 | +0,06 | +61.316 |
| Lauterbach | 4,44 | 4,53 | +1,9 % | 1,40 | 1,43 | +0,03 | +27.247 |
| Hardt | 4,69 | 4,75 | +1,1 % | 1,48 | 1,49 | +0,02 | +16.763 |
| Eschbronn | 3,40 | 3,43 | +0,9 % | 1,07 | 1,08 | +0,01 | +9.459 |
| Wellendingen | 5,99 | 5,93 | −1,1 % | 1,89 | 1,87 | −0,02 | −20.147 |
| Aichhalden | 8,23 | 8,17 | −0,8 % | 2,59 | 2,57 | −0,02 | −20.874 |
| Dornhan | 10,24 | 10,13 | −1,1 % | 3,23 | 3,19 | −0,04 | −36.511 |
| Epfendorf | 5,55 | 5,36 | −3,4 % | 1,75 | 1,69 | −0,06 | −59.522 |
| Schenkenzell | 3,20 | 2,95 | −7,8 % | 1,01 | 0,93 | −0,08 | −79.077 |
| Dietingen | 8,18 | 7,29 | −10,9 % | 2,58 | 2,30 | −0,28 | −280.657 |
| Schramberg | 34,39 | 33,01 | −4,0 % | 10,83 | 10,40 | −0,43 | −432.763 |
| Summe | 273,19 | 294,28 | +7,7 % | 86,05 | 92,70 | +6,64 | +6.644.144 |
Annahme: Der Hebesatz bleibt bei 31,5 %. Die Steuerkraftsummen sind vorläufige Werte aus der Anlage zu Vorlage 139/2026. Berechnung der Redaktion.