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Foto: Peter Arnegger

Bikebox Rottweil: Insolvenzverfahren nach drei Jahren beendet

Seit Sonntag führt Steffen Faulhaber sein Unternehmen wieder allein. Das Amtsgericht Rottweil hob das Verfahren nach dem Insolvenzplan auf.

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Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Bikebox GmbH ist abgeschlossen. Mit Beschluss vom 16. Oktober hat das Amtsgericht Rottweil die Aufhebung des Verfahrens zum 18. Oktober angeordnet – nach rechtskräftiger Bestätigung des Insolvenzplans. Damit endet das Amt von Insolvenzverwalter Alexander Kästle; die Verfügungsbefugnis über das Unternehmen geht an die Geschäftsführung zurück. Der Auflösungsvermerk im Handelsregister wird üblicherweise im Anschluss an die Aufhebung gelöscht.

Das Insolvenzverfahren über die Rottweiler Bikebox GmbH ist beendet. Das Amtsgericht Rottweil hat es zum 18. Oktober aufgehoben, nachdem der Insolvenzplan rechtskräftig bestätigt worden war. Nach drei Jahren unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters liegt das Unternehmen damit wieder allein in der Hand von Geschäftsführer Steffen Faulhaber – mit 25 der ursprünglich 93 Arbeitsplätze. Der nachfolgende Text vom 28. August schildert den Verlauf des Verfahrens.

Als die Bikebox GmbH im Juni 2023 Insolvenzantrag stellte, kündigte das Unternehmen an, eine Sanierung anzustreben. Das ist gelungen. Seit dem 7. Mai 2026 liegt ein rechtskräftig bestätigter Insolvenzplan vor, wie Insolvenzverwalter Alexander Kästle auf Anfrage der NRWZ mitteilte. Mit der förmlichen Aufhebung des Verfahrens sei „in Bälde“ zu rechnen, sagte er Ende August. Der Plan sieht die Fortführung der Bikebox GmbH vor. „Die vertretungs- und gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse bleiben unverändert“, so Kästle. Geschäftsführer bleibt damit Steffen Faulhaber.

Dieser zeigte sich gegenüber der NRWZ verhalten vorfreudig angesichts des damals bereits bevorstehenden und jetzt erfolgten Verfahrensabschlusses. Er sagte dazu nicht viel – und verwies bedauernd auf Rechtsanwalt Kästle, der – noch – die Zügel in der Hand hielt. Faulhaber öffnete an jenem Donnerstagmorgen sein Geschäft in Rottweil-Neufra wie gewohnt, hoffte, bald wieder richtig in die Pedale treten zu können, bildlich gesprochen.

Gelungen ist die Sanierung allerdings zu einem hohen Preis. Aus einem Beschluss des Amtsgerichts Rottweil vom 19. Mai 2026 geht hervor, dass das Unternehmen bei Antragstellung 93 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigte. „Im Zuge des Insolvenzplanes konnten insgesamt 25 Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden“, teilte Verwalter Kästle der NRWZ zwischenzeitlich mit. Wie viele Arbeitsverhältnisse im Verfahren beendet wurden und wie viele Beschäftigte von sich aus gingen, ist nicht bekannt.

Vom Wachstumsbetrieb zum Insolvenzfall

Die Zahlen davor waren andere. 2020 erwirtschaftete die Bikebox bei gut 25 Millionen Euro Umsatz einen Gewinn von zwei Millionen Euro, 2021 nannte das Unternehmen selbst einen Umsatz von 34 Millionen Euro. Die Belegschaft war von knapp 20 Beschäftigten im Jahr 2017 auf 80 im Jahr 2020 gewachsen. Das Unternehmen bezeichnete sich damals als „einen der führenden Fahrradhändler Deutschlands“ und betrieb Ladengeschäfte in Rottweil-Neufra und in Wellendingen.

Dann die Wende: Am 2. Juni 2023 entschied das Amtsgericht Rottweil über den Eigenantrag der Geschäftsführung und bestellte Kästle zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Am 1. September 2023 wurde das Verfahren eröffnet, die Gesellschaft war damit kraft Gesetzes aufgelöst.

Zu den Ursachen sagte der Verwalter: „Die gesamte Fahrradbranche hatte nach der Covid-Pandemie ab dem Jahr 2023 mit signifikanten Umsatzrückgängen zu kämpfen. Erschwerend kam eine rückläufige Verbrauchernachfrage aufgrund gestiegener Inflation und der Unsicherheiten des Ukrainekrieges zum Tragen.“ Das Unternehmen selbst hatte 2023 von „branchentypischen Umsatzrückgängen im Geschäftsjahr 2022 im Bereich Onlinehandel“ gesprochen. Das Muster ist aus dem gesamten Fahrradhandel bekannt: Während der Pandemie stiegen Nachfrage und Lieferzeiten gleichzeitig, Händler bestellten große Mengen im Voraus. Als der Markt einbrach, blieben viele auf Beständen sitzen, die sich nicht mehr zu den kalkulierten Preisen verkaufen ließen.

33 Monate unter Aufsicht

Der Betrieb lief in der gesamten Zeit weiter. „Während des Insolvenzverfahrens wurde der Geschäftsbetrieb vollumfänglich unter Leitung des Insolvenzverwalters fortgeführt“, teilte Kästle mit. 33 Monate dauerte diese Betriebsfortführung nach Feststellung des Gerichts – und erwirtschaftete keinen Überschuss für die Insolvenzmasse. Das Gericht sprach von einem „überdurchschnittlich aufwändigen Verfahren“. Begleitet wurde es von einem Gläubigerausschuss, dem unter anderem die Kreissparkasse Rottweil und die Bundesagentur für Arbeit Freiburg angehörten.

Über den Insolvenzplan sollten die Gläubiger ursprünglich am 24. März 2026 abstimmen. Das Gericht hob den Termin kurzfristig auf, weil die Ladungen zu spät zugestellt worden waren; die Abstimmung fand am 7. April statt. Die Quote an die Insolvenzgläubiger sei inzwischen ausbezahlt, teilt Kästle mit. Zur Höhe macht er keine Angaben.

Für Kunden ohne Folgen

Im Handelsregister war die Sanierung Ende August noch nicht abgebildet. Der letzte Eintrag stammte vom 3. November 2023 und wies die Gesellschaft weiterhin als aufgelöst aus. Das ändert sich üblicherweise erst mit der Aufhebung des Verfahrens.

Auch auf der Website des Unternehmens war das Verfahren nicht erkennbar. Kästle teilt mit, vor Rechtskraft des Plans sei die Schuldnerin mit dem Zusatz „i. I.“ – in Insolvenz – aufgetreten. Im Impressum des Onlineshops findet sich dieser Zusatz nicht: Eine im Internet Archive gesicherte Fassung vom 10. Februar 2026 nennt allein die Bikebox GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Steffen Faulhaber. Für Kundinnen und Kunden habe das keine Folgen, betonte der Verwalter: Für alle Bestellungen nach Verfahrenseröffnung bestünden die Kundenrechte vollumfänglich.

Die Bikebox Immobilien Management GmbH, eine zweite Gesellschaft unter derselben Anschrift mit Faulhaber als Geschäftsführer, war nach Angaben Kästles vom Insolvenzverfahren nicht betroffen.

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