Foto: Peter Arnegger

Bikebox Rottweil: Sanierung geglückt – doch von 93 Arbeitsplätzen bleiben 25

2023 hatte der Fahrradhändler Eigenantrag gestellt. Der Betrieb lief 33 Monate unter Aufsicht weiter – ohne Überschuss für die Masse.

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Drei Jahre nach dem Insolvenzantrag ist das Verfahren über die Rottweiler Bikebox GmbH so gut wie beendet. Ein Insolvenzplan ist rechtskräftig bestätigt, das Unternehmen wird fortgeführt. Die 2023 angekündigte Sanierung ist damit gelungen, der Geschäftsführer atmet auf – von 93 Beschäftigten bei Antragstellung sind allerdings noch 25 Arbeitsplätze geblieben.

Als die Bikebox GmbH im Juni 2023 Insolvenzantrag stellte, kündigte das Unternehmen an, eine Sanierung anzustreben. Das ist gelungen. Seit dem 7. Mai 2026 liegt ein rechtskräftig bestätigter Insolvenzplan vor, wie Insolvenzverwalter Alexander Kästle auf Anfrage der NRWZ mitteilt. Mit der förmlichen Aufhebung des Verfahrens sei „in Bälde“ zu rechnen. Der Plan sieht die Fortführung der Bikebox GmbH vor. „Die vertretungs- und gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse bleiben unverändert“, so Kästle. Geschäftsführer bleibt damit Steffen Faulhaber.

Dieser zeigt sich gegenüber der NRWZ verhalten vorfreudig angesichts des bevorstehenden Verfahrensabschlusses. Er sagt dazu nicht viel – und verweist bedauernd auf Rechtsanwalt Kästle, der – noch – die Zügel in der Hand hält. Faulhaber öffnet an diesem Donnerstagmorgen sein Geschäft in Rottweil-Neufra wie gewohnt, hofft, bald wieder richtig in die Pedale treten zu können, bildlich gesprochen.

Gelungen ist die Sanierung allerdings zu einem hohen Preis. Aus einem Beschluss des Amtsgerichts Rottweil vom 19. Mai 2026 geht hervor, dass das Unternehmen bei Antragstellung 93 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigte. „Im Zuge des Insolvenzplanes konnten insgesamt 25 Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden“, teilt Verwalter Kästle jetzt mit. Wie viele Arbeitsverhältnisse im Verfahren beendet wurden und wie viele Beschäftigte von sich aus gingen, ist nicht bekannt.

Vom Wachstumsbetrieb zum Insolvenzfall

Die Zahlen davor waren andere. 2020 erwirtschaftete die Bikebox bei gut 25 Millionen Euro Umsatz einen Gewinn von zwei Millionen Euro, 2021 nannte das Unternehmen selbst einen Umsatz von 34 Millionen Euro. Die Belegschaft war von knapp 20 Beschäftigten im Jahr 2017 auf 80 im Jahr 2020 gewachsen. Das Unternehmen bezeichnete sich damals als „einen der führenden Fahrradhändler Deutschlands“ und betrieb Ladengeschäfte in Rottweil-Neufra und in Wellendingen.

Dann die Wende: Am 2. Juni 2023 entschied das Amtsgericht Rottweil über den Eigenantrag der Geschäftsführung und bestellte Kästle zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Am 1. September 2023 wurde das Verfahren eröffnet, die Gesellschaft war damit kraft Gesetzes aufgelöst.

Zu den Ursachen sagt der Verwalter heute: „Die gesamte Fahrradbranche hatte nach der Covid-Pandemie ab dem Jahr 2023 mit signifikanten Umsatzrückgängen zu kämpfen. Erschwerend kam eine rückläufige Verbrauchernachfrage aufgrund gestiegener Inflation und der Unsicherheiten des Ukrainekrieges zum Tragen.“ Das Unternehmen selbst hatte 2023 von „branchentypischen Umsatzrückgängen im Geschäftsjahr 2022 im Bereich Onlinehandel“ gesprochen. Das Muster ist aus dem gesamten Fahrradhandel bekannt: Während der Pandemie stiegen Nachfrage und Lieferzeiten gleichzeitig, Händler bestellten große Mengen im Voraus. Als der Markt einbrach, blieben viele auf Beständen sitzen, die sich nicht mehr zu den kalkulierten Preisen verkaufen ließen.

33 Monate unter Aufsicht

Der Betrieb lief in der gesamten Zeit weiter. „Während des Insolvenzverfahrens wurde der Geschäftsbetrieb vollumfänglich unter Leitung des Insolvenzverwalters fortgeführt“, teilt Kästle mit. 33 Monate dauerte diese Betriebsfortführung nach Feststellung des Gerichts – und erwirtschaftete keinen Überschuss für die Insolvenzmasse. Das Gericht spricht von einem „überdurchschnittlich aufwändigen Verfahren“. Begleitet wurde es von einem Gläubigerausschuss, dem unter anderem die Kreissparkasse Rottweil und die Bundesagentur für Arbeit Freiburg angehörten.

Über den Insolvenzplan sollten die Gläubiger ursprünglich am 24. März 2026 abstimmen. Das Gericht hob den Termin kurzfristig auf, weil die Ladungen zu spät zugestellt worden waren; die Abstimmung fand am 7. April statt. Die Quote an die Insolvenzgläubiger sei inzwischen ausbezahlt, teilt Kästle mit. Zur Höhe macht er keine Angaben.

Für Kunden ohne Folgen

Im Handelsregister ist die Sanierung bislang nicht abgebildet. Der letzte Eintrag stammt vom 3. November 2023 und weist die Gesellschaft weiterhin als aufgelöst aus. Das ändert sich üblicherweise erst mit der Aufhebung des Verfahrens.

Auch auf der Website des Unternehmens war das Verfahren nicht erkennbar. Kästle teilt mit, vor Rechtskraft des Plans sei die Schuldnerin mit dem Zusatz „i. I.“ – in Insolvenz – aufgetreten. Im Impressum des Onlineshops findet sich dieser Zusatz nicht: Eine im Internet Archive gesicherte Fassung vom 10. Februar 2026 nennt allein die Bikebox GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Steffen Faulhaber. Für Kundinnen und Kunden habe das keine Folgen, betont der Verwalter: Für alle Bestellungen nach Verfahrenseröffnung bestünden die Kundenrechte vollumfänglich.

Die Bikebox Immobilien Management GmbH, eine zweite Gesellschaft unter derselben Anschrift mit Faulhaber als Geschäftsführer, war nach Angaben Kästles vom Insolvenzverfahren nicht betroffen.

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