Nach dem tödlichen Schusswechsel vom Donnerstag hat sich Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck an die Beschäftigten der Stadtverwaltung gewandt. In einer E-Mail dankt er der Polizei und kündigt an, die Sicherheitsmaßnahmen im Rathaus zu überprüfen. Das Haus soll aber ein offenes Rathaus bleiben.
Beck schrieb am Freitag an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er sei erleichtert, dass außer dem Schützen niemand verletzt worden sei. Der Polizei dankte er für ihren „schnellen, professionellen und entschlossenen Einsatz“. Die Beamten hätten in Sekundenbruchteilen über Leben und Tod entscheiden müssen.
Nach der Darstellung des Oberbürgermeisters war am Donnerstag gegen 12 Uhr ein bewaffneter Mann im Rathaus gesichtet worden. Die Polizei traf ihn im Innenhof an. Der Mann habe sofort das Feuer auf die Beamten eröffnet, die Polizisten erwiderten die Schüsse. Der Mann starb demnach auf den Stufen vor der Stadtwache.
Die Staatsanwaltschaft Rottweil und das Landeskriminalamt hatten am Donnerstag mitgeteilt, dass der 27-Jährige bei dem Schusswechsel mit der Polizei starb. Sie ermitteln weiter, rekonstruieren den Ablauf und suchen nach dem Motiv des Mannes.
Das Rathaus war unmittelbar nach dem Einsatz geschlossen worden. Seit Freitag ist es wieder regulär geöffnet. Beschäftigten, die das Geschehen miterlebt haben, bietet die Stadt psychologische und seelsorgerische Betreuung an. Mehrere hatten die tödlichen Schüsse aus nächster Nähe beobachtet, von der Stadtwache oder von Büros entlang der Helfereistraße aus.
Das Rathaus sei über all die Jahre ein offenes Haus gewesen, schrieb Beck. Das stehe für ihn für Bürgernähe, Demokratie und Transparenz und solle so bleiben. Die Stadt wolle aber prüfen, wie sich das Konzept optimieren lasse. Ziel sei „eine gute Balance aus Sicherheit und Offenheit“. Konkrete Maßnahmen sind bislang nicht bekannt.
Beck wandte sich außerdem dagegen, den Vorfall politisch zu vereinnahmen, und zwar „aus verschiedenen politischen Richtungen“. Er nannte „unangemessene Kritik an der Polizei“ ebenso wie „pauschale rassistische Hetze“. Ereignisse wie die vom Donnerstag dürften die Grundwerte des Zusammenlebens nicht in Frage stellen. Sie seien nicht typisch für den Alltag in der Stadt, schrieb der Oberbürgermeister. Er hoffe, dass die Tuttlinger schnell dorthin zurückfänden.
