Mit dem Science Center 2028 soll auf dem künftigen Landesgartenschaugelände in Rottweil ein neuer Lern-, Erlebnis- und Begegnungsort entstehen. Vorgesehen ist die Umnutzung des ehemaligen ENRW-Betriebsgebäudes zu einem interaktiven Science Center, das Naturwissenschaft, Technik und Zukunftsthemen für Menschen aller Generationen erlebbar machen soll. Die Initiatoren stellten das Projekt am Samstag erstmals ausführlich vor.
Während viele Projekte der Landesgartenschau vor allem den öffentlichen Raum verändern, verfolgt das Science Center einen anderen Ansatz: Es soll dauerhaft bestehen bleiben und sich als außerschulischer Bildungsort für die Region etablieren.
Das neue Science Center ist nicht nur für Rottweil, es ist für die ganze Region.“
Christine Schellhorn.
Geplant ist ein interaktives Angebot, das Kinder, Jugendliche, Familien, Schulklassen, Studierende, Unternehmen und Touristinnen und Touristen gleichermaßen ansprechen soll. Im Mittelpunkt stehen Naturwissenschaft, Technik und aktuelle Zukunftsthemen. Besucher sollen nicht nur Informationen erhalten, sondern selbst experimentieren, Zusammenhänge entdecken und wissenschaftliche Phänomene erleben.
Bildergalerie der Gebäudeplanung
Die Initiatoren verstehen das Science Center zugleich als Ort der Begegnung zwischen Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
Standort im Herzen des Landesgartenschaugeländes
Entstehen soll das Science Center im ehemaligen Betriebsgebäude der ENRW an der Straße „In der Au“. Das Gebäude liegt im zentralen Bereich des künftigen Landesgartenschaugeländes, in unmittelbarer Nähe des renaturierten Neckars, der neuen Brückenverbindungen und des Testturms.
Anstelle eines Neubaus setzen die Projektverantwortlichen auf die Umnutzung des bestehenden Gebäudes. Geplant ist eine umfassende Modernisierung, die das Gebäude zu einem modernen Lern- und Erlebnisort weiterentwickeln soll. Nach den Planungen umfasst das Grundstück rund 2.100 Quadratmeter. Das Gebäude verfügt über rund 1.500 Quadratmeter Fläche, davon sollen etwa 900 Quadratmeter als Ausstellungsfläche genutzt werden.


„Das ist eine super Lage, so Schellhorn bei der Vorstellung am Samstag, es sei toll, dass das gesamte Umfeld für die Landesgartenschau gerichtet werde. Auch die Natur um den neuen Standort am Neckar sei besonders schön und erholsam. Es gehe allerdings nicht darum, eine weitere Attraktion für die Landesgartenschau zu schaffen, sondern mit dieser weit ausstrahlenden Veranstaltung zu starten und die hohe Zahl an Besucherinnen und Besuchern als Synergieeffekt mitzunehmen. Und der Umzug aus dem Neckartal habe Vorteile. Die neue Lage sei deutlich zentraler, in wenigen Minuten erreiche man das Gebäude aus der Stadtmitte.


Aufbau auf bestehenden Angeboten
Das Science Center entsteht nicht auf der grünen Wiese. Vielmehr baut es auf den bisherigen Aktivitäten der Campus Schule-Wirtschaft geG auf.
Seit 2020 betreibt die Genossenschaft die Experimentierwelten, seit 2023 ergänzen die Arbeitswelten das Angebot. Beide Projekte sollen künftig im Science Center zusammengeführt und weiterentwickelt werden. Die Entwicklung reicht noch weiter zurück. Bereits 2009 entstand das Netzwerk Schule-Wirtschaft, aus dem später die heutige Campus Schule-Wirtschaft hervorging. Ziel war und ist es, junge Menschen frühzeitig für Naturwissenschaft, Technik und berufliche Perspektiven zu begeistern.





Eigene Projektgesellschaft gegründet
Für die Umsetzung des Vorhabens wurde eine eigene Projektgesellschaft gegründet. Sie soll das Gebäude entwickeln und als Eigentümerin fungieren. Betreiberin der interaktiven Ausstellung wird die Campus Schule-Wirtschaft geG. Damit sind Gebäudeentwicklung und späterer Ausstellungsbetrieb organisatorisch voneinander getrennt.
Das Projekt Science Center 2028 ist bereits Mitglied in einem Kreis großer, namhafter bestehender Center in ganz Deutschland wie das Phaneo in Wolfsburg. Und etwa das Technorama Winterthur in der Schweiz. Und das Interesse ist groß, bereits jetzt schon. So wohnte Brückeninvestor Günter Eberhardt der Pressekonferenz bei.
Niemand war allerdings vonseiten der Stadtverwaltung vor Ort, obwohl die Stadtspitze fußläufig beim Baustellenfest am führen und feiern war. Die Zusammenarbeit aber liefe bestens, versicherten die Projektbeteiligten unisono – und auch überzeugend.
Das bestätigte kurz darauf Rottweils Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf auf Nachfrage der NRWZ – der terminliche Gründe nannte für die Nichtteilnahme der Stadt:
Das Projekt ist Mega. Es kommt zum richtigen Zeitpunkt, hat die richtige Größe und wird von den richtigen Leuten vorangetrieben.
OB Dr. Christian Ruf.
Weiter sagte er, die Stadtverwaltung könne sich nichts besseres wünschen, als dass das aktuell leer stehende Gebäude bald mit neuem Leben gefüllt werde. Ein entsprechender Erbpachtvertrag sei bereits unterschrieben, der Gemeinderat habe dem Projekt zugestimmt.

Förderung für die Ausstellung
Für den Aufbau der interaktiven Ausstellung sind bereits Fördermittel vorgesehen. Nach Angaben der Projektverantwortlichen wurde für diesen Bereich eine Förderung aus dem LEADER-Programm in Aussicht gestellt.
Die Ausstellung soll gemeinsam mit spezialisierten Partnern entwickelt werden und moderne interaktive Elemente mit wissenschaftlichen Inhalten verbinden.
Architektur setzt auf Bestand
Mit der Planung wurde das Architekturbüro Eble Messerschmidt Partner beauftragt. Vorgesehen ist keine vollständige Neugestaltung des Areals, sondern die Weiterentwicklung des vorhandenen Gebäudes. Das architektonische Konzept sieht vor, den Bestand zu erhalten und gleichzeitig einen markanten neuen Bildungsort entstehen zu lassen.
Eines der besonders prägenden Merkmale wird eine neue Brücke entlang des Gebäudes werden. Ein Science Walk. „Das ist ein ikonisches Element“, sagt Architekt Rolf Messerschmidt im Gespräch mit der NRWZ. Er wirkt im Moment vielleicht wie eine etwas überdimensionierte Feuertreppe, die zudem an einem Gebäude entlang läuft, das einstöckig ist. Also keine Treppe benötigt. Aber der Walk werde noch eine Funktion erhalten, so Architekt Messerschmidt.
Ziel sind 40.000 Besucher jährlich
Nach den Planungen rechnen die Initiatoren mit rund 40.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr. Das Science Center soll damit sowohl ein außerschulischer Lernort für die Region als auch ein zusätzliches Angebot für Gäste der Landesgartenschau und der Stadt Rottweil werden.
Eröffnung zur Landesgartenschau geplant
Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2028 vorgesehen und soll zeitgleich mit der Landesgartenschau erfolgen. Bis dahin stehen unter anderem die weitere Planung der Ausstellung, die bauliche Umsetzung sowie der Ausbau des Partnernetzwerks auf dem Programm.
“Spätestens bis zum April 2028 wird das Science Center fertig werden“, versprach Architekt Messerschmidt. Und er kündigte einen zweiten Bauabschnitt an, der an die Landesgartenschau anschließen soll. Bereits während diese läuft, soll das Center bereits geöffnet, in Betrieb sein. So vi sei verraten: Abschnitt zwei stellt den Science Walk vielleicht sogar in den Schatten.
Stimmen der Projektpartner
Christine Schellhorn, Initiatorin: „Mit dem Science Center möchten wir Menschen für Naturwissenschaft und Technik begeistern,
außerschulische Bildung stärken und vernetzen mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Unser Ziel ist ein Ort, der Neugier weckt, zum Mitmachen einlädt und neue Perspektiven eröffnet. Wir denken dabei nicht in Grenzen, wie denken in Möglichkeiten für die Zukunft der Region.”
Henry Rauner, Finanzexperte: „Kapital ist mehr als Geld. Es schafft Möglichkeiten. Wir sollten es dort einsetzen, wo es einen nachhaltigen Beitrag für die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft leisten kann. Das Science
Center ist für mich genau eine solche Investition..“
Rolf Messerschmidt, Architekt: „Die Architektur des Science Center mit dem expressiv gestalteten Science Walk soll als Leuchtturm mit
weiter Strahlkraft wirken. Gerade mit der Transformation des Bestandsgebäudes wird ein besonders zeitgemäßer und nachhaltiger Re-Use-Ansatz auch als Beitrag zur Bauwende umgesetzt.“
Einordnung
Das Science Center gehört zu den ambitioniertesten Bildungsprojekten, die derzeit im Umfeld der Landesgartenschau vorbereitet werden. Anders als viele temporäre Angebote ist es auf Dauer angelegt. Gelingt die Umsetzung, könnte in Rottweil ein neuer Bildungsstandort entstehen, der Schulen, Hochschulen, Unternehmen und Besucher langfristig zusammenführt. Viele Details – etwa zur Finanzierung, zum Zeitplan oder zur konkreten Ausgestaltung – wurden am Samstag vorgestellt und dürften in den kommenden Monaten weiter konkretisiert werden.
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