Der Waldbrand bei Schramberg ist unter Kontrolle – und in den sozialen Netzwerken läuft seither eine Welle der Anerkennung für die Einsatzkräfte. Auffällig ist, wem der Dank außerdem gilt: In den meistbeachteten Kommentaren geht es immer wieder um die Landwirte, die mit ihren Güllefässern Wasser an den Hang gefahren haben. Manche verbinden ihren Dank mit politischen Forderungen, einer widerspricht der Einordnung als Klimafolge.
Kreis Rottweil. Nach mehr als 24 Stunden Einsatz meldete der Landkreis am Montagabend, der Waldbrand zwischen Schramberg und Tennenbronn sei weitgehend gelöscht. Was danach folgte, war eine der stärksten Reaktionen, die lokale Facebook-Seiten in den vergangenen Monaten erlebt haben. Der Beitrag der NRWZ zur Entwarnung kam bis Dienstagmorgen auf 216 Reaktionen, 23 Kommentare und 13 Mal Teilen. Die offizielle Seite des Landkreises verzeichnete 236 Reaktionen, 24 Kommentare und 28 Mal Teilen.

Landrat Christoph Keckeisen hatte sich am Einsatzort bereits selbst bedankt. „Sie haben fast 24 Stunden mit einer dynamischen Lage gekämpft und gezeigt, wie unglaublich leistungsfähig unsere Ehrenamtlichen hier im Kreis sind“, wird er auf der Facebook-Seite des Landkreises zitiert. Er ließ sich von Einsatzleiter Patrick Wöhrle ins Bild setzen und schloss in seinen Dank alle Mitglieder der sogenannten Blaulichtfamilie ein. Neben Keckeisen waren Kreisbrandmeister Philipp Glunz, der Erste Landesbeamte Hermann Kopp sowie die stellvertretenden Kreisbrandmeister Markus Fehrenbacher und Manuel Suhr an der Einsatzstelle. Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr unterbrach nach Angaben des Landkreises ihren Urlaub, um sich ein Bild zu machen.

Der Dank der Leser reicht über die Feuerwehr hinaus
In den Kommentaren fällt ein Muster auf: Der Dank bleibt selten beim reinen Dank stehen. Die am stärksten beachteten Beiträge weiten ihn auf die Landwirte aus, die mit Güllefässern die Wasserversorgung im steilen Gelände sicherstellten.
Am deutlichsten wird das bei einem Mann, der selbst zur Einsatzmannschaft gehört. „Bin auch Feuerwehrmann, gute Leistung. Aber was wären wir ohne unsere Landwirte, die zuhause alles stehen und liegen lassen. Die dürfen wir auf keinen Fall vergessen“, schreibt Albert Weisser unter dem Beitrag des Landkreises. Sein Kommentar erhielt neun Reaktionen.
Unter dem NRWZ-Beitrag steht der meistbeachtete Kommentar von Andi Wolthaus mit 16 Reaktionen. Er lobt zunächst das Zusammenspiel der Kräfte, verbindet das aber mit einer Warnung: Man solle sich im Klaren sein, dass ein Teil dieses Zahnrades herausbreche, wenn es Landwirte in dieser Zahl bald nicht mehr gebe. Ein weiterer Kommentar mit 13 Reaktionen, verfasst von Sandra Fischer, fordert, der Staat solle mit Blick auf die Brände und die Hilfe der Landwirte deren Entlastung beim Dieselpreis korrigieren.
Anerkennung, Stolz und eine Gegenstimme
Der überwiegende Teil der Reaktionen ist schlicht Anerkennung. „Vielen herzlichen Dank an alle Helfer, Helferinnen“, schreibt Uschi Hauser. Jess Andjohny nennt den Einsatz „überhaupt nicht selbstverständlich und wirklich bewundernswert“. Joachum Czilinski spricht die Einsatzkräfte direkt als Helden an. Ein Nutzer, der unter dem Namen Ste Ste schreibt, formuliert es so: Auf diese Leute sei noch Verlass, das Volk könne stolz auf solche Menschen sein. Mehrere Leser reagierten ausschließlich mit Bildern – gefaltete Hände, ein Daumen nach oben, ein großes „Thank you“.
Der Landkreis selbst bedankte sich am Ende seines Beitrags auch bei den Kommentierenden: Der Dank gelte außerdem allen, die wertschätzende Kommentare für die Menschen geschrieben hätten, die in ihrer Freizeit für die Sicherheit anderer sorgen.
Nicht alle Reaktionen bleiben beim Lob. Unter dem früheren NRWZ-Beitrag zum Großeinsatz nennt Christoph Dieterle die Zusammenarbeit der Rettungskräfte zwar „wohl top“ und den Regen entscheidend, widerspricht dann aber der Einordnung des Feuers als Klimafolge. Zu 95 Prozent sei der Mensch verantwortlich, der Wald entzünde sich nicht von allein. Hier allein einen Zusammenhang mit dem Klimawandel herzustellen, sei „dummdreist“ und trage zur Verunsicherung bei. Der Kommentar erhielt fünf Reaktionen.
Zwei Fragen bleiben offen
Auf nrwz.de selbst nimmt ein Leser einen Faden auf, der über den Tag hinausweist. Stefan Weidle schreibt, angesichts der Einsatzdichte hoffe er, dass die vielen Ehrenamtlichen nicht irgendwann Ärger in ihrer Firma bekämen. Von großzügiger Entschädigung könne vermutlich keine Rede sein, und die immer wieder spontan und für unbestimmte Zeit fehlende Arbeitskraft lasse sich mit Geld allein nicht ausgleichen. Frühjahr und Herbst seien Hochwasserzeit, dazu komme das halbe Jahr Waldbrandsaison. Es dürfe nicht beim Klatschen und Danken bleiben.
Und unter der Meldung über die drei Flächenbrände im Raum Dornhan meldet sich Uli Weigold mit einem Verdacht. Nachdem es am Montag trotz Regen erneut zwei Brandstellen gegeben habe, seien Zweifel an Selbstentzündung und Zufall wohl angebracht. Die Polizei hatte bei den Dornhaner Bränden Brandstiftung ausdrücklich nicht ausgeschlossen; die Ermittlungen dauern an.
Der Landkreis meldete am Montagabend, es seien noch 124 Einsatzkräfte mit 37 Fahrzeugen vor Ort. Die Nachlöscharbeiten im steilen Gelände übernahm die Taskforce Vegetationsbrandbekämpfung gemeinsam mit der Bergwacht und örtlichen Kräften.
