Waldbrand Schramberg: Ministerin kündigt sich an

Nach mehr als 24 Stunden ist die akute Gefahr gebannt. Im steilen Gelände kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen Glutnester – Landrat Keckeisen spricht von einem „Musterbeispiel“ des Zusammenspiels.

Autor / Quelle:
Lesezeit 7 Min.
Bergwacht sichert Feuerwehr: Arbeit im Steilhang über Schramberg nach dem Waldbrand. Foto: Bergwacht Rottweil

Nach dem Waldbrand in Schramberg bleibt die Straße Richtung Lauterbach weiter gesperrt – Steinschlaggefahr. „Hinweise auf Brandstiftung ergaben sich bislang nicht“, erklärt die Polizei. Schon am Montag hatte der Schramberger Revierleiter gegenüber der NRWZ erklärt, dass man nach diesem Brand wohl keine Ursache werde ausmachen können. Den entstandenen Schaden beziffert die Polizei auf rund 400.000 Euro. Fast 400 Einsatzkräfte waren zeitweise gefordert. Am Montagabend liefen noch Nachlöscharbeiten im steilen Gelände. Landrat Christoph Keckeisen sprach gegenüber der NRWZ von einem „Musterbeispiel“ für das Zusammenspiel der Helfer. Und neu: Für Donnerstagmorgen ist der Besuch der zuständigen Landesministerin angekündigt.

Schramberg. Ministerin Marion Gentges wird am morgigen Donnerstag, 20.08.2026, nach Schramberg kommen, um sich direkt vor Ort über die Lage nach dem Waldbrand zu informieren. Sie ist Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat im Kabinett Özdemir.

Der Stand am Montagabend: Nach mehr als 24 Stunden intensiven Einsatzes ist die Lage beim Brand in Schramberg unter Kontrolle. Die Nachlöscharbeiten zogen sich allerdings noch bis in die Dämmerung hinein, auch am Dienstagmorgen ist die Feuerwehr in das Waldgebiet gerufen worden – Glutnester flammten erneut auf. In den kommenden Tagen soll das Brandgebiet weiter kontrolliert werden.

778568560 1576166310970478 8917403231476380004 n
Fotos: Bergwacht Rottweil

Inzwischen können Einsatzkräfte der Feuerwehr in den vom Waldbrand versehrten Hang selbst – mit Unterstützung der Kräfte der Bergwacht Rottweil. Diese verfügt über besondere Seilsysteme, die für genau den Einsatz bei Waldberänden vorgehalten werden – kam aber dennoch nicht zum Einsatz. Aus Sicherheitsgründen, wie die NRWZ erfuhr. So breitete sich am Sonntag das Feuer noch zu rasch aus, als dass man hätte angeseilte Kräfte einsetzen können, und war das Gebiet wegen des Löschwassers und den später einsetzenden starken Regens ebenfalls nicht betretbar. „Ein großer Waldbrand im Schramberger Tal hielt die Feuerwehren im Landkreis Rottweil zwei Tage lang im Einsatz. „Der Wald an einem Steilhang brannte – durch den Wind angefacht – und war nur sehr schwer kontrollierbar“, bestätigt die Bergwacht. „Aufgrund der Unkontrollierbarkeit und der Gefahr für die Einsatzkräfte wurden wir erst gestern zu den Nachlöscharbeiten alarmiert. Wir unterstützten und sicherten die Feuerwehr im Steilhang mit speziell für diesen Einsatz von uns vorgehaltenen Sicherungsgeräten. Nach sechs Stunden war der Einsatz für uns beendet. Wir bedanken uns für die professionelle Zusammenarbeit!“

Der Waldbrand sei am Montagnachmittag schließlich unter Kontrolle gewesen, berichtet die Polizei. Der Brandort wurde demnach über Nacht durchgehend kontrolliert. Einsatzkräfte der Feuerwehr löschten dabei festgestellte kleinere Glutnester ab. Die Nachlöscharbeiten dauern weiterhin an.

Wegen der Einsatzmaßnahmen sowie der durch den Waldbrand ausgelösten erheblichen Steinschlaggefahr bleibt die Lauterbacher Straße bis auf Weiteres in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Die in dem Waldgebiet verlaufende Hochspannungsleitung ist bereits am Sonntag vom Netz genommen worden und bleibt bis zu einer abschließenden Prüfung durch den Netzbetreiber außer Betrieb, so die Polizei.

Durch den Waldbrand ist nach Angaben eines Sprechers des Präsidiums Konstanz bislang eine Fläche von etwa 20 Hektar betroffen. Der Schaden beläuft sich auf circa 400.000 Euro. Das Polizeirevier Schramberg hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.
Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung ergaben sich bislang nicht.

Am frühen Abend hat die Taskforce Vegetationsbrandbekämpfung mit Unterstützung der Bergwacht und örtlicher Einsatzkräfte die Arbeit im zentralen, besonders steilen Gelände aufgenommen. Dort geht es darum, verbliebene Glutnester aufzuspüren und abzulöschen. Auch an den Flanken des Brandgebiets liefen noch kleinere Nachlöscharbeiten.

Am frühen Abend waren noch 124 Einsatzkräfte mit 37 Fahrzeugen vor Ort. Auf dem Höhepunkt des Einsatzes waren nach Angaben von Landrat Christoph Keckeisen fast 400 Helferinnen und Helfer beteiligt.

Keckeisen dankt den Einsatzkräften

Keckeisen traf in den frühen Abendstunden gemeinsam mit Kreisbrandmeister Philipp Glunz an der Einsatzstelle ein. Beide hatten ihren Urlaub unterbrochen, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Auch Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr hatte ihren Urlaub für den Einsatz verschoben. Über die gesamte Dauer war der Erste Landesbeamte Hermann Kopp vor Ort.

Keckeisen zeigte sich vor allem vom Zusammenspiel der zahlreichen Kräfte beeindruckt. „Ein Riesenkompliment, mein ganz großer Dank an alle, die jetzt 24 Stunden alles gegeben haben, um die Situation so hinzukriegen, wie sie jetzt ist“, sagte der Landrat.

Feuerwehren, Hilfsorganisationen, THW und auch Landwirte hätten gemeinsam dazu beigetragen, die Lage zu bewältigen. Letztere unterstützten unter anderem bei der Versorgung mit Löschwasser. „Es ist toll zu wissen, dass in einem solchen Fall alles zusammengreift und alles zusammenhilft“, sagte Keckeisen.

Auch die Arbeit der Einsatzleitung mit Schrambergs Kommandant Patrick Wöhrle an der Spitze würdigte der Landrat ausdrücklich. Die Koordination von Hunderten Einsatzkräften sei eine enorme Herausforderung gewesen. Mit Blick auf das Ergebnis sprach Keckeisen von einem „Musterbeispiel“ für das funktionierende Zusammenspiel der Beteiligten.

„Es kann sehr schnell gehen“

Der Einsatz habe zugleich gezeigt, wie schnell sich eine solche Lage entwickeln könne. „Man ist dann der Situation einfach ausgeliefert. Und dann heißt es schnell sein, reagieren und zusammenhelfen“, sagte Keckeisen. Umso erleichterter sei er, dass die Lage inzwischen unter Kontrolle sei.

Der Landrat war mit seiner Familie auf Sylt gewesen, als ihn der Erste Landesbeamte Hermann Kopp am Vorabend über die Entwicklung informierte. Keckeisen entschied sich daraufhin zur Rückreise. Ihm sei es wichtig gewesen, selbst an der Einsatzstelle präsent zu sein.

Warnung gilt vorerst weiter

Für die Bevölkerung in Schramberg gilt die ausgegebene Warnung zunächst weiterhin. Im Stadtgebiet kann es noch zu Geruchsbelästigungen und kleineren Rauchentwicklungen kommen. Fenster und Türen sollen deshalb weiterhin geschlossen bleiben, Lüftungs- und Klimageräte ausgeschaltet werden.

Voraussichtlich im Laufe des Abends soll die Bevölkerungswarnung aufgehoben werden.

Mit dem Ende der Nachlöscharbeiten ist der Einsatz allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen: In der Nacht sowie in den folgenden Tagen sind weitere Kontrollen des Brandgebiets vorgesehen, um mögliche erneut aufflammende Glutnester frühzeitig zu entdecken.

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.