Der Waldbrand bei Zell am Harmersbach beschäftigt die Einsatzkräfte auch am Mittwoch weiter. Inzwischen geht die Polizei von rund 20 Hektar betroffener Waldfläche aus. Wegen der ungewöhnlichen Häufung von Vegetationsbränden übernimmt die Kriminalpolizei gebündelt die Ermittlungen. Mehr als 600 Einsatzkräfte waren zeitweise an den großen Brandstellen im Einsatz – darunter ein Brandbekämpfungszug aus dem Landkreis Rottweil. Verantwortliche schildern im Gespräch die dramatische Lage vom Dienstag.
Zell am Harmersbach/Kreis Rottweil. Starker Wind, mehrere Feuer gleichzeitig, schwieriges Gelände und ein enormer Bedarf an Einsatzkräften: Der Dienstag hat Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Ortenaukreis vor eine außergewöhnliche Aufgabe gestellt. Auch am Mittwoch sind die Löscharbeiten bei Zell am Harmersbach noch nicht beendet.
„Das war anfangs eine sehr dynamische Lage. Wir hatten zwei Einsatzstellen, zudem starke Winde, die das Feuer angefacht haben“, berichtet Bernhard Frei, Kreisbrandmeister des Ortenaukreises, im Gespräch.
Mittlerweile wird das Ausmaß des Brandes bei Zell deutlicher. Die Polizei geht am Mittwoch von rund 20 Hektar betroffenem Wald aus. Am Dienstagabend hatte der Ortenaukreis zunächst rund 16 Hektar genannt.
Die L94 ist weiterhin gesperrt. Gesperrt ist außerdem der betroffene Waldbereich zwischen den Schwimmbädern von Zell am Harmersbach und Biberach. Die Polizei warnt ausdrücklich davor, die Absperrungen zu missachten: Im abgebrannten Gebiet bestehe erhebliche Gefahr durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste.
Kriminalpolizei übernimmt Ermittlungen
Unterdessen rückt die Ursache der Brände stärker in den Fokus. Die Polizei verweist auf die ungewöhnliche Häufung von Flächen- und Vegetationsbränden in den vergangenen Tagen und Wochen und insbesondere auf die zahlreichen Feuer am Dienstag.
Allein deren Anzahl lasse den Verdacht aufkommen, dass nicht sämtliche Brände nur auf die derzeitige Trockenheit zurückzuführen sein könnten, so das Polizeipräsidium Offenburg. Konkrete Hinweise auf Brandstiftung gibt es bislang allerdings nicht.
Die Ermittlungen zu den Bränden in der Region werden nun gebündelt und zentral von der Kriminalpolizei geführt. Zudem sollen in den kommenden Tagen verstärkt Polizeistreifen in den betroffenen Städten und Gemeinden unterwegs sein.
Die Kriminalpolizei sucht nach Zeugen. Von Interesse sind insbesondere verdächtige Fahrzeuge oder Personen, die in den betroffenen Gebieten aufgefallen sein könnten. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst unter 0781 21-2820 sowie in dringenden Fällen über den Polizeinotruf 110 entgegen.
Hilfe aus Rottweil und weiteren Landkreisen
Das Ausmaß des Einsatzes hatte bereits am Dienstagabend Unterstützung weit über den Ortenaukreis hinaus erforderlich gemacht. Gegen 18.45 Uhr wurden nach Informationen der NRWZ auch Kräfte aus dem Landkreis Rottweil alarmiert.
Zusätzliche Brandbekämpfungszüge aus den Landkreisen Rottweil und Emmendingen sowie aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis unterstützten die örtlichen Feuerwehren. Insgesamt waren an den beiden großen Einsatzstellen in Steinach und Zell am Dienstagabend nach Angaben des Ortenaukreises mehr als 600 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Verwaltung und Bergwacht im Einsatz.
Wegen der parallelen Einsatzlagen aktivierte der Ortenaukreis seinen Führungsstab.
Landrat Thorsten Erny beschreibt, welche Dimension die Hilfe angenommen hatte: „Enorme Kräfte aus der Ortenau und über den Kreis hinaus werden zusammengezogen.“
Dabei waren es nicht nur die klassischen Hilfsorganisationen, die den Einsatz ermöglichten. Zahlreiche Landwirte rückten mit Wasserfässern an und unterstützten die Feuerwehr bei der Versorgung mit Löschwasser. „Wir haben aber auch viele Landwirte, die auch helfen mit ihren Wasserfässern. Sie sind Helfer in der Not“, so Erny.
DRK zeitweise mit mehr als 92 Kräften
Auch für den Rettungsdienst bedeutete die Einsatzlage einen erheblichen Personalaufwand. „Wir haben mehrere Bereitschaften im Einsatz“, berichtet Philipp Rechenbach, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter des DRK Wolfach.
In Spitzenzeiten seien es mehr als 92 Kräfte gewesen.
Die Einsatzkräfte mussten über viele Stunden versorgt und gleichzeitig die medizinische Absicherung des Großeinsatzes gewährleistet werden. Besonders die Kombination aus Hitze, Rauch, schwierigem Gelände und lang andauernder körperlicher Arbeit stellt hohe Anforderungen an die Helfer.
Bürgermeister lobt Einsatz der Feuerwehr
Zells Bürgermeister Günter Pfundstein würdigt vor allem die Arbeit der Feuerwehr: „Die Feuerwehr macht sehr professionelle Arbeit.“
Gerade bei Zell waren die Bedingungen schwierig. Der Brand entwickelte sich in Hanglage, das Gelände ist teilweise nur schwer zugänglich. Hinzu kamen am Dienstag starke Winde, die das Feuer zusätzlich anfachten.
Der Brand war am Dienstag gegen 16.25 Uhr gemeldet worden. Schon zuvor, gegen 15.30 Uhr, war ein Waldbrand nahe der B33 zwischen Biberach und Haslach ausgebrochen. Zeitweise unterstützte ein Polizeihubschrauber die Einsatzkräfte.
Während dieser Brand inzwischen gelöscht ist, dauern die Arbeiten bei Zell am Mittwoch weiter an. Die Polizei geht davon aus, dass die Löscharbeiten dort noch längere Zeit erforderlich sein werden.
Neben den beiden großen Einsatzstellen waren weitere Vegetationsbrände in der Region gemeldet worden. Gerade diese Häufung ist nun Gegenstand der zentral geführten Ermittlungen.
Quellen: Polizeipräsidium Offenburg, Ortenaukreis, Interviews und eigene Informationen der NRWZ.
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