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Stadtmuseum soll bis zur Gartenschau schöner werden – große Sanierung erst nach 2029

Das Rottweiler Stadtmuseum im Herderschen Haus soll zur Landesgartenschau 2028 ein neues Erdgeschoss bekommen, mit neu gestalteter Ausstellung, Klimavitrine für die Pürschgerichtskarte und einem digitalen Detektivspiel. Die große Sanierung des Gebäudes kommt frühestens 2029. Darüber beriet der Gemeinderat.

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Foto: Peter Arnegger

Rottweil. Seit Jahren wird über die Zukunft des Stadtmuseums gesprochen. Jetzt gibt es zumindest einen Plan für die nächsten zwei Jahre. Die Stadtverwaltung legte dem Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am heutigen Mittwoch die Machbarkeitsstudie des Stuttgarter Architekturbüros LRO vor. Dazu kommt ein Paket an Maßnahmen, das bis zur Landesgartenschau 2028 umgesetzt werden soll.

Die Stadtverwaltung beschreibt das Problem in der Sitzungsvorlage (Nr. 189/2026) offen. Das Museum gehöre zu den ältesten in Baden-Württemberg, entspreche aber „in Teilen nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein modernes Museum“. Genannt werden fehlende Barrierefreiheit, ein Haus, das in der Innenstadt kaum auffällt, keine Möglichkeiten zum Verweilen und zu wenig Platz für Veranstaltungen.

Altes Spital ist vom Tisch

Nach mehreren Anläufen steht inzwischen fest, dass das Museum dort bleibt, wo es ist. Andere Standorte, über die früher nachgedacht wurde, darunter das Alte Spital in der Hauptstraße, gibt es laut Verwaltung nicht mehr oder sie kommen wegen veränderter Bedingungen nicht mehr in Frage – so etwa entsteht im Alten Spital ein Hotel. Deshalb hatte der Gemeinderat im Oktober 2025 das Büro LRO beauftragt, Möglichkeiten im Gebäude Hauptstraße 20 zu untersuchen. Die Studie enthält zwei Varianten. Bauordnung, Denkmalschutz, Landesamt für Denkmalpflege und Stadtbrandmeister halten eine Umsetzung nach ersten Gesprächen „grundsätzlich“ für möglich.

Bis dahin dauert es aber. Wegen Zeit und Kosten rechnet die Verwaltung erst ab 2029 mit einer genaueren Planung für die Sanierung des ganzen Gebäudes.

„Wir wollen deutlich attraktiver werden und mehr Menschen ansprechen, das Museum für mehr Menschen öffnen. Es soll ein Ort werden, wo man sich gerne aufhält.“

Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf.

Erdgeschoss als Einstieg in die Stadtgeschichte

Bis zur Gartenschau soll deshalb das Erdgeschoss neu gestaltet werden. Das Museumsgärtle wird zum Rosengarten und im Programm der Landesgartenschau beworben. So sollen Besucher in die Innenstadt kommen. Im Erdgeschoss sollen sie dann einen kurzen Überblick über die Geschichte der ältesten Stadt Baden-Württembergs bekommen. Im Mittelpunkt steht die Pürschgerichtskarte. Weitere Themen sind die Entwicklung der Stadt vom frühen Mittelalter bis heute, das Hofgericht, der Rottweiler Hund und die Fasnet. Außerdem soll das Museum ein „Dritter Ort“ werden, also ein Treffpunkt in der Stadt und nicht nur eine Ausstellung.

Rund 60 Bürgerinnen und Bürger hatten sich Ende 2025 an einer Beteiligung zum Konzept beteiligt. Sie wünschten sich vor allem, dass die Pürschgerichtskarte besser zur Geltung kommt, dass die Stadtentwicklung verständlich erklärt und das Stadtmodell besser eingebunden wird. Genannt wurden auch mehr Veranstaltungen, Sitzgelegenheiten, mehr Nutzung des Gartens und ein Museum, das in der Stadt besser zu sehen ist. Die Obergeschosse bleiben vorerst, wie sie sind.

Was es kosten soll

Für die Zeit bis 2028 sind rund 40.000 Euro eingeplant, je 20.000 Euro in den Jahren 2026 und 2027. Laut Verwaltung genügt das nur für neue Ausstellungsgrafik, neue Text- und Bildtafeln und kleinere Änderungen. Eine Klimavitrine für die wertvolle Pürschgerichtskarte wird in jedem Fall angeschafft. Sie wird zum großen Teil aus Spenden bezahlt, dafür stehen 20.561 Euro Drittmittel im Haushalt 2026.

Am meisten kosten die Einbauten in der Altertumshalle, also eine neue Ausstellungsarchitektur. Geschätzt sind rund 115.000 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. Das Geld müsste im Haushalt 2027 eingeplant werden. Die Einbauten sollen die Besucher besser durch die Ausstellung führen, wichtige Ausstellungsstücke besser zeigen und Platz zum Verweilen und für Veranstaltungen schaffen. Dafür muss nicht stark in das Gebäude eingegriffen werden. Die Einbauten haben noch einen Nebeneffekt: Sie verdecken die feuchten und von Salz geschädigten Wände, vor allem auf der Nordseite der Halle.

Kein Durchgang zum Garten – vorerst

Vorerst nicht umgesetzt wird eine Idee, die gut zum Rosengarten gepasst hätte: ein direkter Durchgang von der Altertumshalle in den Garten. Dafür würde die Brüstung am mittleren Fenster entfernt. Die Denkmalschutzbehörden haben nach bisherigem Stand keine grundsätzlichen Bedenken. Wegen eines Höhenunterschieds von 55 Zentimetern wäre der Durchgang aber nicht barrierefrei. Eine Rampe müsste etwa neun Meter lang sein. Geplant wären drei bis vier Stufen und mobile Rampen. Das Gebäudemanagement schätzt die Kosten auf etwa 36.000 Euro. Aus Kostengründen schlägt die Verwaltung vor, dieses Vorhaben zurückzustellen. Ob es Geld aus der Städtebauförderung geben kann, soll geprüft werden.

Kaffeeautomat und Detektivspiel

Einige Fragen sind bereits geklärt. Entspiegelte Schaufenster lohnen sich nicht, weil die Beschichtung leicht zerkratzt. Ein Wasser- und Abwasseranschluss im Garten für ein späteres Café wäre möglich. Für das Erdgeschoss reicht die vorhandene Elektrik. Kurzfristig soll geprüft werden, ob ein Kaffeeautomat zur Selbstbedienung und ein Kühlschrank aufgestellt werden können und ob der Garten länger geöffnet sein kann, sofern genug Personal da ist.

Schon fest steht eine Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz. Das digitale Detektiv- und Suchspiel „SherLOOK“ wurde bereits im Kunstmuseum St. Gallen und im Rosgartenmuseum Konstanz eingesetzt. Jetzt wird es für Rottweil angepasst, und zum ersten Mal führt es auch durch Teile der Innenstadt. Studierende unter Leitung von Prof. Dr. Steffen Bogen entwickeln die Inhalte zusammen mit dem Museumsteam. Die Arbeit beginnt im Wintersemester 2026/27, das eigentliche Projekt folgt im Sommersemester 2027. Die Stadt zahlt dafür rund 3.500 Euro. Zur Gartenschau soll das Spiel vor allem Familien, Jugendlichen und Schulklassen zur Verfügung stehen.

Bürgerinnen und Bürger wünschen sich laut der Leiterin der städtischen Museen, Martina Mayr, eine Öffnung des Museums nach außen, eine Öffnung auch zum Garten, attraktivere Präsentation. Sie würde diese und die vielen weiteren Wünsche gerne erfüllen, sagte Mayr, – allerdings „in Salamitaktik“, weil die Stadt sich mehr nicht leisten könne. Einzelne Maßnahmen – etwa eine Klimavitrine mit entspiegeltem Schauglas um die und über der Pürschgerichtskarte als wichtigstem Exponat – finanziert die Stadt über Spenden. 30.000 Euro seien eingesammelt, berichtete Mayr, Spendenschecks jetzt etwa zu Weihnachten herzlich willkommen.

Der Gemeinderat stimmte der Planung einstimmig zu.

Das Museum am Standort zu erhalten, sei an sich ein Wert, argumentierte FDP-Stadtrat Harald Sailer. Es sei für Besucherinnen und Besucher der Stadt ein Erlebnis, ein so altes Gebäude betreten zu dürfen. „Mit der Öffnung der Altertumshalle zur Blumengasse“ sprechen Sie uns aus dem Herzen, dass der Garten nutzbar werde, sei „prima“, ergänzte Monika Hugger als Sprecherin der CDU-Fraktion. Die Kosten, die 2029 und danach auf die Stadt zukommen könnten, bereiten ihr allerdings Sorge. Hermann Breucha plädierte für die Freien Wähler dafür, die nun geplanten Einbauten, die er als temporär bis zu einer richtigen, umfangreichen Sanierung sieht, für die nächsten sechs bis sieben Jahre zu konzipieren. So lange müssten sie halten. Vor Ablauf dieser Zeit sei ein umfangreicher Umbau nicht realistisch. SPD-Sprecher Dr. Jürgen Mehl sieht „gar keine Alternative“ dafür, diese Schritte, wenn sie auch klein seien, jetzt zu gehen.

Einen Kaffee- und einen Kühlschrank aufzubauen, hält Stadtrat Hans-Peter Alf für falsch. Er plädierte für eine Toilette. „Die Leute erwarten in einem öffentlichen Gebäude eher eine solche, als einen Kaffeeautomaten. Außerdem machen wir der umliegenden Gastronomie Konkurrenz.“ Die Verwaltung hielt entgegen, dass stattdessen sinnvollerweise die Toilettenanlage im Alten Rathaus LGS-tauglich gemacht werden solle. Wer im Stadtmuseum eine Toilette einbaue, verursache schnell Kosten, für die eine Lkw-Ladung Kaffeeautomaten angeschafft werden könnten. Alfs Vorschlag war damit vom Tisch.

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