Verdi legt ab Mittwoch drei Tage lang Busse und erstmals auch Züge der SWEG lahm. Schulbusse fallen in vielen Regionen aus, einen Ersatzverkehr gibt es nicht. Für die Region Rottweil gibt es Entwarnung: Ringzug und Hermann-Hesse-Bahn sollen normal fahren. Die SWEG nennt den Streik „unverhältnismäßig“. Verdi wirft dem Unternehmen vor, Gespräche zu verweigern.
LAHR/ROTTWEIL – Das ist der dritte Warnstreik bei der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) innerhalb weniger Wochen, und er ist der größte bisher. Verdi hat die Beschäftigten der SWEG Bus GmbH von Mittwoch, 30. September, bis Freitag, 2. Oktober, zum Warnstreik aufgerufen. Anders als bei den Streiks am 9. und 10. sowie am 14. und 15. September gilt der Aufruf diesmal auch für die SWEG Schienenwege GmbH.
Was fährt, was nicht
Region Rottweil / Schwarzwald-Baar: Ringzug und Hermann-Hesse-Bahn sind nach Angaben der SWEG voraussichtlich nicht betroffen. Keine Züge fahren voraussichtlich auf diesen Strecken, weil auch die Zugleitstellen in Endingen am Kaiserstuhl und Gammertingen streiken:
- Bad Krozingen – Münstertal
- Achern – Ottenhöfen
- Biberach – Oberharmersbach
- Hechingen – Gammertingen
- Gammertingen – Engstingen – Schelklingen (Schwäbische Alb-Bahn)
- Endingen – Gottenheim (DB Regio)
Kürzere Züge möglich auf den Strecken Tübingen – Hechingen – Albstadt – Sigmaringen, Aalen – Ulm und Munderkingen – Ulm. Der Grund: Die Werkstatt in Gammertingen ist während des Streiks voraussichtlich nicht erreichbar.
Normaler Zugverkehr ist voraussichtlich auf den Strecken Freiburg – Elzach, Offenburg – Straßburg, Offenburg – Bad Griesbach, Offenburg – Freudenstadt und Hausach – Hornberg.
Busse: Mit erheblichen Ausfällen, auch bei den Schulbussen, müssen Fahrgäste an diesen Standorten rechnen: Weil am Rhein, Müllheim, Endingen, Emmendingen, Lahr, Offenburg (auch die Stadtbusse), Schutterwald, Kehl, Gammertingen, Wiesloch, Sinsheim, Dörzbach und Lauda-Königshofen. Auch der Schienenersatzverkehr auf der Zollern-Alb-Bahn 2 zwischen Gammertingen und Sigmaringen kann eingeschränkt sein.
Nicht bestreikt werden die SWEG-Töchter in Schwetzingen, Rheinmünster, Pforzheim, Karlsruhe und Tübingen sowie die NVW Nahverkehr Mittelbaden Walz GmbH.
Wichtig: Fahrplan-Apps und Anzeigen an den Haltestellen zeigen während des Streiks falsche Informationen an. Auch die Mitarbeiter der Leitstellen, die Ausfälle sonst eintragen, streiken. Ersatzbusse gibt es nicht. Die SWEG empfiehlt, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen oder Fahrten zu verschieben.
Verdi: „Die Zeit wird knapp“
Die Gewerkschaft streitet mit der SWEG über zwei Themen. Beim ersten geht es um Löhne. Für den bundesweiten Eisenbahntarifvertrag (ETV) mit gut 30 Unternehmen und knapp 6.000 Beschäftigten fordert Verdi 6,5 Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit. Dazu kommen 100 Euro mehr für Azubis und eine Sonderzahlung von 650 Euro im Jahr nur für Gewerkschaftsmitglieder. Der Arbeitgeberverband AGVDE bietet 2,8 Prozent ab Dezember 2026 und weitere 2,2 Prozent ab Januar 2028. Außerdem bietet er eine Einmalzahlung von 270 Euro bei einer Laufzeit von 28 Monaten. Nach Angaben von Verdi will der Verband zugleich den Kündigungsschutz lockern. „Das Angebot ist keine Wertschätzung, sondern eine Provokation“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Andreas Schackert.
Beim zweiten Thema geht es um die Frage, was mit den Busfahrerinnen und Busfahrern passiert, wenn Linien neu ausgeschrieben werden und die SWEG sie verliert. Verdi befürchtet, dass Personal abgebaut wird und einzelne Betriebe schließen. Die Gewerkschaft sorgt sich auch, dass besonders aktive Gewerkschafter und Betriebsräte benachteiligt werden, wenn Beschäftigte ausgewählt werden. Sie fordert deshalb einen Tarifsozialplan. Darin sollen unter anderem 8.000 Euro Abfindung pro Jahr Betriebszugehörigkeit stehen und 30.000 Euro für die Weiterbildung jedes Betroffenen. Laut Verdi sind rund 500 Beschäftigte betroffen.
„Die Zeit wird knapp, deshalb machen wir jetzt ernst“, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Frederike DeCoite. Die bisherigen Streiks seien „ohne eine Reaktion des Arbeitgebers“ geblieben. Mit dem neuen Streik will die Gewerkschaft die SWEG „an den Verhandlungstisch“ bringen.
SWEG: „Unnötige Schärfe“
Die Konzernführung in Lahr reagiert mit „völligem Unverständnis“. „Verdi bringt eine unnötige Schärfe in die laufenden Verhandlungen“, sagt Konzerngeschäftsführer Dr. Thilo Grabo. Die Gewerkschaft vermische zwei Dinge. Über den Eisenbahntarif verhandle Verdi mit dem Arbeitgeberverband, nicht direkt mit der SWEG. Dort liege „ein mehr als verhandlungsfähiges Angebot“ vor.
Für Betriebsänderungen und Schließungen seien nach dem Betriebsverfassungsgesetz Unternehmen und Betriebsrat zuständig, nicht die Gewerkschaft, sagt Grabo. Betroffen seien derzeit die Verkehrsbetriebe Weil am Rhein-Lörrach und Wiesloch-Walldorf. Für Weil am Rhein-Lörrach sei bereits Anfang September ein Sozialplan mit dem Betriebsrat unterzeichnet worden. Die Zahl von 500 Betroffenen stimme nicht. Nach Angaben der SWEG geht es perspektivisch um rund 100 Fahrerinnen und Fahrer. Betriebsstilllegungen stünden bei der SWEG Bus GmbH nicht an.
Die SWEG verweist außerdem auf die Bezahlung. Nach dem Tarif des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO), den Verdi selbst ausgehandelt hat, verdient ein Busfahrer mit zehn Jahren Berufserfahrung bei der SWEG 22,77 Euro pro Stunde. Das sind 3.848,13 Euro brutto im Monat, dazu kommen Zulagen und Sonderzahlungen. Nachteile für ältere Beschäftigte gleiche das Unternehmen drei Jahre lang aus.
Wie geht es weiter?
Wann weiter verhandelt wird, ist offen. Verdi zufolge gibt es bisher keinen Termin für Gespräche über den Kündigungsschutz. Fahrgäste sollten sich bis Freitag auf Einschränkungen einstellen. Aktuelle Informationen gibt es unter sweg.de.