In Bühlingen gilt künftig Tempo 30, und zwar rund um die Uhr. Der Rottweiler Gemeinderat hat am Mittwoch die Fortschreibung des Lärmaktionsplans beschlossen. Es gab drei Gegenstimmen aus den Reihen von AfD und CDU. Bislang darf man auf der Ortsdurchfahrt 50 km/h fahren.
Rottweil. Betroffen ist die Kreisstraße K 5542 in Bühlingen. Das Tempolimit gilt auf rund 1090 Metern, vom Gebäude Unterdorf 2 bis zum Gebäude Nagelschmiede 1. Nach der Lärmberechnung sind dort tagsüber 47 Einwohner von erhöhtem Verkehrslärm betroffen. Nachts sind es 225. Deutlich mehr als 50 Menschen sind nachts Pegeln über 57 Dezibel ausgesetzt.
Dahinter steht die EU-Umgebungslärmrichtlinie. Kommunen müssen ihre Lärmaktionspläne regelmäßig überprüfen und fortschreiben. Rottweil hatte 2021 einen Plan der dritten Stufe beschlossen. Für die jetzige vierte Stufe hat das Karlsruher Ingenieurbüro Koehler & Leutwein die Lärmbelastung neu berechnet. Grundlage waren Verkehrszählungen vom Februar 2024.
Jeder vierte Rottweiler stark belastet
Das Ergebnis betrifft die ganze Stadt. Rund 7600 Menschen sind laut Gutachten hohen Belastungen durch Straßenlärm von über 55 Dezibel ausgesetzt, das sind 28,3 Prozent der Einwohner. Etwa 2000 Rottweiler, also 7,4 Prozent, sind Werten über 65 Dezibel ausgesetzt. Das Gutachten stuft diese Werte als gesundheitsgefährdend ein. Die gesundheitlichen Lärmschadenskosten für das gesamte Stadtgebiet schätzen die Gutachter nach WHO-Studien auf rund 1,9 Millionen Euro pro Jahr.
Besonders laut bleibt es am Friedrichsplatz und in der Hochbrücktorstraße sowie in der Königstraße und der Tuttlinger Straße. Bühlingen ist in der neuen Berechnung als weiterer Schwerpunkt hinzugekommen.
Tempo 30 als einzige schnelle Lösung
Andere Maßnahmen kamen laut Gutachten nicht in Frage. Der Landkreis ist für die Straße zuständig und hat abgelehnt, bei einer Sanierung einen lärmarmen Belag einzubauen. Für Zuschüsse zu Schallschutzfenstern ist kein Geld da. Deshalb bleibe das Tempolimit „die einzig kurz- oder mittelfristig umsetzbare Maßnahme“, heißt es im Erläuterungsbericht.
Stadtbus hatte Bedenken
Zwischen Juni und Juli 2025 lag der Plan öffentlich aus. In dieser Zeit gingen fünf Stellungnahmen ein: vier von Behörden und Trägern öffentlicher Belange, eine aus der Bevölkerung. Die Stellungnahme aus der Bevölkerung unterstützt das Tempolimit. Den wichtigsten Einwand brachte die Stadtbus Rottweil GmbH vor. Sie befürchtete deutlich längere Fahrzeiten und Verspätungen.
Die Verwaltung fuhr die Strecke deshalb mit dem Busbetreiber zur Probe ab. Das Ergebnis: Die Fahrzeit verlängert sich nicht so stark, dass der Fahrplan angepasst werden müsste. Das Gutachten rechnet mit rund 22 Sekunden mehr pro Fahrt. Schon heute fahren die Busse in Bühlingen im Schnitt nur 29 km/h. Am Telefon hat der Stadtbusbetreiber schließlich zugestimmt.
Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, das Tempolimit umzusetzen. Laut Vorlage ist das Geld dafür im Haushalt eingeplant. Bis Juli 2029 muss der Lärmaktionsplan erneut überprüft werden.
