NRWZ.de, 1. Februar 2021, Autor/Quelle: Elke Reichenbach

„Fasnet ist für mich eine tiefe innere Freude“

NRWZ.de-Narreninterview / Heute: Gabi Hertkorn

Die Rottweiler Fasnet fällt in diesem Jahr aus. Kein Abstauben, kein Schmotziger, keine Narrensprünge. Die NRWZ hat sich bei ein paar Rottweiler Narren umgehört, was Ihnen am meisten fehlt und was sie für die fünfte Jahreszeit planen.

Lange Zeit gehörten die Reichstadtgeister zum Schmotzigenprogramm, wie die Rössle zum Narrensprung. Vor drei Jahren haben sie Kostüme und Instrumente an den Nagel gehängt. Doch die Fasnet bleibt die wichtigste Jahreszeit für Gabi Hertkorn und ihre große Familie, wenn man ihr zuhört.

Was bedeutet für dich die Fasnet generell?

Fasnet ist für mich eine tiefe innere Freude. Sie lädt meine Batterien auf fürs ganze Jahr. „’s gibt noch ’ne Freude im Leide“ durfte ich oft erfahren, in Jahren, wo alles andere nicht so gut lief. Gut tut einfach auch die Verbundenheit und das Zusammensein mit Gleichgesinnten, wo man gar nichts erklären muss, man genießt einfach miteinander, so wie es schon so viele Generationen vor uns erleben durften. Für mich ist die Fasnet auch ein ganz starkes Band in Rottweils Vergangenheit.

Was hast du empfunden, als klar war, die Fasnet 2021 fällt aus?

Man hat es kommen sehen. Für mich fällt allerdings nicht die Fasnet aus, sondern nur der Schmotzige, der Narrensprung und die Straßenfasnet. Die bereits erwähnte innere Freude kann ja niemand verbieten. Fasnet war für mich schon immer auch das Zusammensitzen in den Tagen vor und während der Fasnet und Erzählen von früher. In einer großen Narrenfamilie kommt da einiges zusammen an Geschichten und Anekdoten.

Kein Schmotziger, kein Kinderumzug, keine Narrensprünge – was schmerzt am meisten und warum?

Der Schmotzige wird mir schon arg fehlen, nachdem ich 26 Jahre selber aktiv war mit den Reichsstadtgeistern, habe ich es die letzten drei Jahre sehr genossen, mir wie alle anderen den Hintern breit zu sitzen von sieben Uhr abends bis drei Uhr morgens und die herrlichen und kreativen Auftritte der Schmotzigenakteure zu feiern. Der Narrensprung kommt nach fünfunddreißig Jahren inzwischen ohne mich aus. Er ist in seiner drangvollen Enge nicht mehr das, was das Narren für mich ausmacht und außerdem sollten ja auch noch ein paar Rottweiler am Straßenrand stehen. Da geht mir das Herz auf, wie an jeder meiner 61 erlebten Fasneten.

Was hast du für ein Alternativprogramm an der Fasnet 21?

Das wird eine herrliche Stubenfasnet! Ich bin zuversichtlich. Das Aufsagen wird nicht zu kurz kommen, auch im kleinsten Kreis. Schwelgen in alten Narrenbüchern, in Erzählungen von vergangenen herrlichen Fasneten. Und statt mit Nadel und Faden zugange zu sein – es gibt ja sonst ständig was zu reparieren oder auszubessern – kann man sich voll auf das Sektglas in der Hand konzentrieren.

„Fasnet ist für mich eine tiefe innere Freude“