Ehemaliges Personalwohnheim als Flüchtlingsunterkunft?

Landratsamt und OB Eisenlohr zu den Hintergründen

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Für große Verwunderung hat die Information von Hans-Jochem Steim gesorgt, dass das ehemalige Personalwohnheim beim Schramberger Krankenhaus von seinen damaligen Eigentümern als Flüchtlingswohnheim umgebaut werden sollte. Öffentlich bekannt war dies bis zu einer Anwohnerversammlung am Dienstag dieser Woche nicht. Die NRWZ hat sich beim Landratsamt und bei Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr nach dem Ablauf der Ereignisse erkundigt.

Schramberg. Nach Angaben des Landratsamtes hat ein Mitarbeiter der Stadt Schramberg das Amt für Aufnahme und Integration am 1. September 2022 Integration „per Mail informiert, dass ein Immobilienbesitzer aus Schramberg uns circa 60 Appartements für Geflüchtete zur Verfügung stellen könnte“, antwortet die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt.

GESPRÄCHE AUF DER UNTEREN EBENE

Dass es sich bei dieser Immobilie um das ehemalige Personalwohnheim des Krankenhauses handelte, habe man erst bei einem Vorort-Termin am 20. September 2022 erfahren.

„An diesem Sondierungstermin haben der Mitarbeiter unseres Amtes für Aufnahme und Integration, der Mitarbeiter der Stadt Schramberg sowie der Eigentümer der Immobilie teilgenommen“, so die Sprecherin des Landratsamtes.

ES GAB NOCH KEINE VERTRÄGE

Bei der Versammlung der Anlieger im „Roma“, hatte Hans-Jochem Steim berichtet, nach seinen Informationen seien die Verhandlungen damals schon sehr weit gediehen, die Verträge seien „unterschriftsreif“ gewesen. Das allerdings dementiert die Sprecherin ausdrücklich: „Es gab keine ausgearbeiteten Verträge.“

Die Initiative für das Projekt sei von einem Mitarbeiter der Stadt ausgegangen, betont sie. “Inwieweit OBin Eisenlohr zu den Einzelheiten informiert war, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.“

AUS AM 10. NOVEMBER 2022

Dass das Geschäft geplatzt ist, habe das Landratsamt vom Vorbesitzer erfahren, schreibt die Sprecherin: “Der ursprüngliche Eigentümer der Immobilie hat uns mit Mail vom 10. November 2022 informiert, dass die Immobilie nicht mehr in seinem Besitz ist.“

OB EISENLOHR ERINNERT AN SOLIDARITÄT UND HILFSBEREITSCHAFT

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr erinnert an die Situation im Sommer 2022 und dass die Stadt „mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 händeringend nach Wohnraum für die bei uns ankommenden Menschen gesucht hat“.

Im März 2022 seien die ersten knapp 50 Ukrainerinnen und Ukrainer in eine Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Rottweil in der Talstadt eingezogen. Weitere Ukrainer hätten den Weg hierher gefunden und seien privat, aber auch bei Verwandten, Bekannten und Freunden untergekommen.

„Als Stadt Schramberg veröffentlichten wir im Jahr 2022 mehrere Aufrufe an Wohnungsbesitzer, sich zu melden, wenn sie Wohnraum verfügbar hätten.“ Auch beim Sommerempfang der Stadt im Juni 2022 habe sie dazu aufgerufen, schreibt Eisenlohr.

„Solidarität und Hilfsbereitschaft in Schramberg waren hoch: Die Menschen spendeten nicht nur, sondern manche Schrambergerinnen und Schramberger boten neben Einlieger- und Ferienwohnungen sogar ihr Gästezimmer oder ihr Schlafsofa an, um den Kriegsgeflüchteten zu helfen.“

WOHNRAUMSUCHE WAR DRINGLICH

Damals habe das für die Geflüchtetenunterbringung zuständiger Team praktisch jeden Stein umgedreht, um darunter noch Wohnraum zu finden. „Bürgerinnen und Bürger schickten uns Ideen, wie die Idee zur Reaktivierung des alten Krankenhauses für die Unterbringung von Geflüchteten, zu.“

SCHON IN DER PRÜFUNGSPHASE KAM DAS AUS

Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten sei das Team auch auf das ehemalige Personalwohnheim beim Gut Berneck gestoßen. „Die Eigentümer zeigten sich bereit, zunächst ergebnisoffen die technische Seite einer möglichen Wiederinbetriebnahme des Gebäudes zu prüfen“, berichtet Eisenlohr. Für diese Prüfung hätten die Eigentümer Kontakt zum Landkreis Rottweil aufgenommen.

„Nach einiger Zeit wurden wir dann von den Eigentümern informiert, dass sich die Überlegung mit der Geflüchtetenunterbringung zerschlagen habe, da das Gebäude an den ‚Nachbarn‘, den Besitzer des Gutes Berneck, veräußert werde“, schließt Eisenlohrs Stellungnahme.

VERTRAULICHKEIT VEREINBART

Da die Gespräche nicht protokolliert worden seien, könne sie konkretere Angaben dazu nicht machen. In einem so frühen Stadium der Prüfung habe sie den Gemeinderat nicht informieren wollen, zumal strikte Vertraulichkeit vereinbart worden sei.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.