Der Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen hat Schramberg in eine akute Finanzkrise gestürzt. Um neue Einnahmequellen zu erschließen und Kosten zu senken, prüft die Stadt nun den Verkauf oder die Verpachtung zahlreicher Immobilien. Insgesamt stehen 36 Gebäude und 184 Grundstücke zur Disposition – darunter bekannte Objekte ebenso wie sanierungsbedürftige Häuser. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.
Schramberg – Die Kommission habe die Verwaltung aufgefordert, sämtliche städtischen Grundstücke und Gebäude aufzulisten und zu schauen, „von welchen man sich trennen kann“. Es habe sich herausgestellt, dass die Stadt 149 Gebäude und 2580 Grundstücke besitzt. Fachbereichsleiter Bent Liebrich und sein Team haben sich diese Gebäude und Grundstücke alle einzeln angeschaut und 36 Gebäude und 184 herausgefiltert, die die Stadt gegebenenfalls verkaufen oder in Erbpacht abgeben könnte.
Bekannte und unbekannte Gebäude im Angebot
Zu diesen Bauwerken zählen so markante Gebäude wie die Villa Junghans oder das Lichtspielhaus in der Talstadt, das „Zigeunerhäusle“ und der Erlebnisbauernhof in Waldmössingen oder das Heimathaus und der Remsbachhof in Tennenbronn.
Die Stadt besitzt aber auch etwas heruntergekommene Häuser an der Oberndorfer Straße, in der Sängerstraße oder die ehemalige Tankstelle an der Schillerstraße. Auch einige Gebäude auf dem H.A.U.-Gelände ließen sich möglicherweise verkaufen, meint die Stadtverwaltung.

Außerdem besitzt die Stadt etliche Vereins- und Sportheime in den verschiedenen Stadtteilen, die möglicherweise den Vereinen in Erbpacht überlassen werden könnten, wie Liebrich erläuterte. Wenn in Tennenbronn die neue Turn- und Festhalle stehe, könnte die alte Halle „ein Objekt für Wohnbebauung in attraktiver Lage werden“, nannte Liebrich ein weiteres Beispiel.
Viele Grundstücke als Tauschobjekte wichtig.
Von den knapp 2600 Grundstücken in städtischem Eigentum wären 186 verzichtbar. Bei der großen Masse ginge dies nicht, weil die Stadt sie etwa als Tauschobjekte bei Verhandlungen mit Dritten benötigt. Auch hat die Stadt viele Grundstücke gekauft, um städtebauliche Entwicklungen oder ökologischen Ausgleich zu ermöglichen.
Verkaufen möchte die Stadt kleinere Grundstücke, die in städtischer Hand sind, aber keinen wirklichen Wert für die Stadt haben Auch etliche Waldflächen könnte die Stadt verkaufen, da sie für einen ökologischen Ausgleich nicht herangezogen werden können.

Schrambergs Immobilien auf dem Prüfstand
Warum will die Stadt verkaufen?
- Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen
- Akute Finanzkrise im städtischen Haushalt
- Ziel: Einnahmen generieren und laufende Kosten senken
Was steht zur Debatte?
- 36 Gebäude könnten verkauft oder verpachtet werden
- 184 Grundstücke gelten als verzichtbar
Bekannte Objekte im Fokus:
- Villa Junghans (Talstadt)
- Lichtspielhaus (Talstadt)
- Remsbachhof (Tennenbronn)
- Heimathaus Tennenbronn
- Erlebnisbauernhof Waldmössingen
- „Zigeunerhäusle“
Weitere mögliche Verkaufsobjekte:
- Leerstehende und sanierungsbedürftige Häuser
- Ehemalige Tankstelle Schillerstraße
- Gebäude auf dem H.A.U.-Gelände
- Vereins- und Sportheime (teilweise Erbpacht geplant)
Was passiert mit den Grundstücken?
- Kleinere Flächen sollen gezielt verkauft werden
- Teilweise Angebot an direkte Nachbarn geplant
- Einige Waldflächen ebenfalls im Fokus
Wichtig zu wissen:
- Kein sofortiger Verkauf beschlossen
- Zunächst nur Grundsatzentscheidung im Gemeinderat
- Ziel laut OB Eisenlohr: kein Verkauf des „Tafelsilbers“
„Unser Ziel ist nicht, das ‚Tafelsilber‘ zu verkaufen“, versicherte Eisenlohr. Es gehe einerseits darum, Wohnflächen zu mobilisieren und andererseits „die Unterhaltslast zu verringern. Das spart Kosten.“ Bei den kleineren Grundstücken will die Stadt auf die direkten Nachbarn zugehen und sie fragen, ob sie das Grundstück nicht kaufen möchten. Andere Objekte könnte man über die städtische Homepage anbieten.

Bei den Vereinsheimen werde man mit den Vereinen reden. Die Erbpacht habe den Vorteil für die Stadt, dass sie „immer noch die Hand drauf“ habe. Andererseits könnten die Vereine freier agieren und müssten nicht immer die Stadt fragen. Bei den „Perlen“ wie Villa Junghans oder Remsbachhof müsse man ein Exposé erarbeiten.
Zum Verfahren erklärte Liebrich, es gehe jetzt nur um eine Grundsatzentscheidung: „Heute wird nichts verkauft.“

Warum stehen Häuser leer?
In der Aussprache wunderte sich Stadträtin Susanne Andreae (SPD/Buntspecht), weshalb die Stadt so viele Häuser besitze und „warum so viele Häuser nicht vermietet“ seien. Eisenlohr erläuterte, dass die Stadt manche Häuser wegen der Talstadtumfahrung gekauft habe. Dass einige Häuser unbewohnt seien, habe mit deren Zustand zu tun. Es lohne manchmal nicht, Heizung und Wasserleitungen zu erneuern. Das sei „eine Kosten-Nutzen-Betrachtung“.
Wie viele ungenutzte Häuser die Stadt besitze, konnte die Verwaltung in der Sitzung nicht angeben. Sie will diese Information aber bis zur Gemeinderatssitzung nachreichen.

Liebrich sagte zu, dass die Liste der zu verkaufenden Objekte fortgeschrieben werde. Wenn der Gemeinderat nächste Woche zustimmt, soll die Verwaltung Gebäude und Grundstücke genauer auf ihre Vermarktungschancen untersuchen und ermitteln, welche Verkaufserlöse möglich wären. Vor einem Verkauf von Grundstücken und Gebäuden, die über den Richtwerten für das eigenständige Handeln der Verwaltung liegen, sollen diese dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden. Dabei soll die Wirtschaftsförderung sich mit den Ortsvorstehern von Tennenbronn und Waldmössingen abstimmen.
Der Ausschuss kam zu einem fast einstimmigen Empfehlungsbeschluss, lediglich Jürgen Reuter (Aktive Bürger) stimmte dagegen.

