Benachrichtigung

Altes Spital Rottweil: 50.000 Euro für den Dachstuhl von 1577

Wasser hat das Tragwerk des größten erhaltenen Dachstuhls der Stadt beschädigt. Das Geld für die Reparatur am künftigen Hotel stammt aus Lotteriemitteln.

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Lesezeit 4 Min.
Foto: Martin Stockburger, Rottweil

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg gibt 50.000 Euro für die Reparatur des Dachs am Alten Spital in Rottweil. Das Geld stammt aus Erträgen der Lotterie Glücksspirale. In dem denkmalgeschützten Gebäude an der Unteren Hauptstraße entsteht derzeit ein Hotel.

Rottweil – Den Zuwendungsvertrag hat die Stiftung nach eigenen Angaben vor Ort übergeben. Das teilt sie in einer Pressemitteilung vom Freitag mit.

Wasser hat das Tragwerk beschädigt

Nach Darstellung der Stiftung ist an mehreren Stellen bereits Wasser in das Dach eingedrungen und hat das Tragwerk angegriffen. Die beschädigten Hölzer sollen instandgesetzt werden, anschließend wird das Dach neu eingedeckt. Dabei sollen die historischen Ziegel wiederverwendet und, wo nötig, durch Nachbildungen ergänzt werden.

Aus Sicht des Denkmalschutzes gilt laut der Mitteilung vor allem dieses Dach als erhaltenswert. Im Inneren des Gebäudes fänden sich dagegen kaum noch historische Oberflächen.

Fichten aus dem Winter 1575/76

Seine heutige Form und Größe erhielt das „Spital zum Heiligen Geist“ der Stiftung zufolge wohl in den 1570er-Jahren. Damals sei das Gebäude am unteren Ende der Hauptstraße auf drei massiv gemauerte Geschosse aufgestockt und das große Satteldach aufgeschlagen worden.

Die Fichten dafür wurden demnach im Winter 1575/76 gefällt. Abgeschlossen war der Umbau offenbar 1577 – die Jahreszahl findet sich gleich zweimal als Inschrift am Gebäude. Der Dachstuhl ist nach Angaben der Stiftung der größte seiner Art, der in Rottweil noch erhalten ist.

Die Stiftung spricht von mindestens acht Jahrhunderten Geschichte. Urkundlich erwähnt ist das Spital erstmals 1275. Genutzt wurde es überwiegend als Krankenhaus, später als Senioren- und Pflegeheim. Diesen Betrieb gab die Stadt 2013 auf. Ab 2015 diente das Haus als Unterkunft für Geflüchtete.

Hotel mit rund 50 Zimmern geplant

Bauherr und künftiger Betreiber ist das Kölner Unternehmen Koncept Hotels. Dessen Geschäftsführer Martin Stockburger stammt aus der Region Rottweil. Wie berichtet, sind rund 50 Zimmer und eine Gastronomie im Erdgeschoss vorgesehen. Umgebaut werden die Gebäudeteile „Herrenkramer’sches Haus“ und „St. Vinzenz“.

Bei der Vorstellung des Vorhabens im November 2024 hatten Stadt und Investor eine Fertigstellung bis Ende 2026 oder Anfang 2027 genannt – mit Vorlauf zur Landesgartenschau 2028. Einen Eröffnungstermin nennt die Stiftung in ihrer Mitteilung nicht. Offen bleibt auch, was die Dachsanierung insgesamt kostet und welchen Anteil der Zuschuss daran hat.

Im April 2025 hatte die Stadt den nicht denkmalgeschützten Mittelbau aus den 1950er-Jahren abbrechen lassen. Im benachbarten Gebäudeteil „St. Anna“ sollen Wohnungen entstehen.

Stiftung: „unternehmerischer Mut“

„In der Stadtgeschichte von Rottweil nimmt dieses Kulturdenkmal eine herausragende Bedeutung ein“, wird Roland Bürkle, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung, in der Mitteilung zitiert. Dass das Gebäude mit Blick auf die Landesgartenschau 2028 „zum größten Hotel am Ort“ umgebaut werde, verlange „nicht nur handwerkliches Können, sondern auch unternehmerischen Mut, der unterstützenswert ist“.

Marina Roßmann, Regionaldirektorin von Lotto Baden-Württemberg, verweist darauf, dass das Gebäude lange leer gestanden habe. Die 50.000 Euro dienten der „dringend notwendigen Ertüchtigung des historischen Dachstuhls“.

Die Denkmalstiftung

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts und besteht seit 1985. Sie fördert nach eigenen Angaben vor allem private Initiativen und Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen einsetzen. Seit ihrer Gründung hat sie laut Mitteilung mehr als 1700 Vorhaben mit über 71 Millionen Euro unterstützt, in diesem Jahr bislang über 30 Projekte. Aus der Glücksspirale erhält die Stiftung demnach jährlich rund eine Million Euro.

Autor / Quelle:Pressemitteilung (pm)
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