Die Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage hat bei Auszubildenden den höchsten Stand seit Beginn der Umfrage erreicht: 71,6 Prozent haben Angst vor schlechter Wirtschaftslage und steigender Armut. Ihre eigene Zukunft sehen dennoch nur 7,5 Prozent eher düster. Das geht aus der dritten Azubi-Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein hervor, an der sich rund 800 junge Menschen beteiligten. Zahlen für den Landkreis Rottweil enthält sie nicht – hier ist die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg zuständig.
Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Wert deutlich gestiegen: 2024 hatten 37 Prozent der Befragten diese Angst, 2025 waren es 70 Prozent. Gegenüber 2024 hat sich der Anteil damit fast verdoppelt, gegenüber 2025 ist er nur noch leicht gewachsen.
Auch andere Sorgen bleiben hoch. 67,8 Prozent fürchten einen Krieg in Europa (Vorjahr: 67 Prozent), 66,4 Prozent eine schwere Krankheit (Vorjahr: 62 Prozent). Die Angst vor Terroranschlägen liegt mit 60,3 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres.
Ihre persönliche Zukunft sehen 46,7 Prozent der Befragten eher optimistisch. Für die IHK ist das der auffälligste Befund nach drei Jahren Umfrage. „Offensichtlich fühlen sich viele Azubis angesichts der globalen Unsicherheiten in ihrer Entscheidung für eine Berufsausbildung bestätigt“, sagt Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Südlicher Oberrhein.
Ausbildungsalltag: Mehrheit fühlt sich fair behandelt
86,4 Prozent der Befragten geben an, in ihrem Betrieb immer oder häufig respektvoll und fair behandelt zu werden. 2025 waren es 80 Prozent. Weiterempfehlen würden ihren Ausbildungsbetrieb 76,9 Prozent, nach 73 Prozent im Vorjahr.
93 Prozent sagen, ihre Arbeitszeiten würden immer oder häufig eingehalten. Bei 83,1 Prozent werden Überstunden immer oder häufig ausgeglichen. Urlaub bekommen 94,6 Prozent immer oder häufig wie gewünscht, und den Berufsschulbesuch können 98,3 Prozent immer oder häufig wahrnehmen.
Weiterbildung: Viele wollen, wenige kennen die Förderung
80,6 Prozent halten eine Übernahme durch ihren Ausbildungsbetrieb für sicher oder wahrscheinlich. 82,5 Prozent möchten sich nach der Ausbildung weiterbilden. Von denjenigen, die schon konkrete Vorstellungen vom nächsten Schritt haben, wollen 54,9 Prozent im erlernten Beruf weiterkommen. 27,3 Prozent planen ein Studium, 10,9 Prozent wollen sich in einem anderen Berufsfeld qualifizieren.
Gleichzeitig zeigt sich eine Informationslücke: 40,5 Prozent haben nach eigenen Angaben von niemandem etwas über Weiterbildungsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung erfahren. 85,3 Prozent haben noch nie von Förderpreisen oder Weiterbildungsstipendien gehört.
Kaiser fordert deshalb, solche Informationen müssten „früher, verständlicher“ und dort ankommen, wo junge Menschen tatsächlich danach suchen.
Gehalt ist das wichtigste Kriterium bei der Berufswahl
Für 63,8 Prozent gehört ein gutes Gehalt zu den drei wichtigsten Kriterien bei der Berufswahl. Es folgen sinnvolle Arbeit (46,1 Prozent), die Nähe zum Ausbildungsort (40,8 Prozent) und ein gutes Arbeitsklima (40,6 Prozent).
Die eigene finanzielle Lage bewerten 37,7 Prozent als gut oder sehr gut und 40,5 Prozent als „okay“. 21,8 Prozent bezeichnen sie als schlecht oder sehr schlecht.
70,1 Prozent der Befragten leben noch bei ihren Eltern, 59,4 Prozent zahlen keine Miete. 35 Prozent finanzieren ihre Miete aus dem Ausbildungsgehalt, 22,6 Prozent haben zusätzlich einen Nebenjob.
So fanden die Befragten ihren Ausbildungsplatz
Persönliche Kontakte spielen weiter eine große Rolle: 31,3 Prozent fanden ihre Stelle über Eltern, Verwandte oder Bekannte. 14,9 Prozent stießen über Anzeigen und Plakate darauf, 13,9 Prozent über ein Praktikum, 8,5 Prozent über soziale Medien.
Bei den digitalen Plattformen liegen Instagram, TikTok und YouTube vorn. Von einem Azubi-Kanal wünschen sich die Befragten vor allem Informationen über Ausbildungsberufe (385 Nennungen) und Weiterbildung (369), danach folgen rechtliche Informationen (189 Nennungen).
Zur Umfrage
Die IHK Südlicher Oberrhein befragt seit 2024 jährlich Auszubildende in ihrem Kammerbezirk. Dazu gehören die Stadt Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und der Ortenaukreis. Die Befragung 2026 umfasst bis zu 801 Datensätze. Da nicht alle Teilnehmenden jede Frage beantwortet haben, variiert die Zahl der gültigen Antworten je nach Frage.
Für den Landkreis Rottweil ist die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg zuständig, zu deren Bezirk auch der Schwarzwald-Baar-Kreis und der Landkreis Tuttlingen gehören. Die genannten Zahlen stammen aus der Erhebung der IHK Südlicher Oberrhein und wurden von der Redaktion nicht unabhängig überprüft.
