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Bowls statt Souk Kitchen: Brokkoli zieht in die Rottweiler Markthalle

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Bild von Geri Art

Der Balinger Bowl-Anbieter „Brokkoli – Bowls und More“ eröffnet einen zweiten Standort in der Markthalle in der Wilhelmstraße. Er übernimmt damit einen Platz in einem Haus, das im Frühjahr wegen Schadnagerkot und Hygienemängeln Schlagzeilen gemacht hat. Und er trifft auf ein Publikum, dessen Urteil über das Stammhaus in Balingen gespalten ausfällt.

Rottweil. Angekündigt wurde der Neuzugang über Instagram. „Bald ist es soweit: Brokkoli – Bowls und More eröffnet in der Markthalle Rottweil“, heißt es in einem gemeinsamen Beitrag der Konten brokkolirottweil und brokkolibalingen. Versprochen werden Bowls „mit Fisch, Chicken, Beef oder veganen Zutaten“, das Motto lautet „frisch • regional • gesund“. Einen konkreten Eröffnungstermin nennt der Betreiber nicht, es heißt nur: „Eröffnung in Kürze“. Das Balinger Lokal in der Friedrichstraße 40 bleibt bestehen.

Die Vorgeschichte: Kot im Lager

Der Neustart fällt in eine unruhige Phase für die Markthalle. Am 16. April 2026 fand die Lebensmittelüberwachung des Landratsamts Rottweil im Lager des dortigen Imbisses Souk Kitchen „an unterschiedlichen Stellen, tw. in erhebl. Menge“ Schadnagerkot. So steht es in der amtlichen Veröffentlichung auf verbraucherinfo-bw.de. Zwei verschlossene Mehlsäcke wiesen Fraßspuren auf. Aus Teig, der am Vortag im Lager hergestellt worden war, wurden während der Kontrolle weiter Pizzen gebacken. Die Behörde stufte sie als nicht sicher ein. Töpfe, Pfannen und Küchenwerkzeuge waren nach Angaben des Landratsamts schon vor Produktionsbeginn verschmutzt. Die Speisenabgabe wurde untersagt, am 17. April durfte der Betrieb wieder öffnen.

Markthallen-Eigentümer Jens von Stamm führte den Befall gegenüber der NRWZ auf die vielen Baustellen in der Innenstadt zurück. Die Tiere seien über bauliche Schwachstellen ins Gebäude gelangt, etwa im Bereich des elektrischen Hausanschlusses, „nicht aufgrund mangelnder Hygiene“. Beanstandet worden sei ausschließlich die Küche von Souk Kitchen. Seither gebe es tägliche Kontrollen und ein Monitoring-System (NRWZ). Deutlicher wurde der Schwarzwälder Bote (hinter der Bezahlschranke), der Betreiber Jens von Stamm zitierte: „Ja, wir hatten Ratten im Gebäude, die offenbar durch die Kanalisation in den Keller kamen.“ Der Imbiss-Betreiber selbst wollte sich gegenüber der Zeitung nicht äußern.

Inzwischen ist Souk Kitchen Geschichte. Der Betreiber hat die Markthalle gleichsam über Nacht verlassen, mit nur knapper Erklärung. Brokkoli schickt sich nun an, die frühere Souk-Kitchen-Fläche zu übernehmen.

Was Gäste über Brokkoli sagen

Auf Google kommt das Balinger Stammhaus auf 4,3 von 5 Sternen bei 199 Bewertungen, 155 davon mit der Höchstnote. Gelobt werden das Baukastenprinzip, frische Zutaten und freundliches Personal. Die jüngsten Rezensionen der vergangenen Monate fallen jedoch überwiegend negativ aus. Gäste kritisieren kleiner gewordene Portionen bei gestiegenen Preisen, lauwarme Bowls, ausverkaufte Zutaten und überfordertes Personal. Eine langjährige Kundin nahm ihre frühere Bestnote ausdrücklich zurück. Der Betreiber widerspricht in seinen Antworten: Die Portionsgrößen seien unverändert, die Preise nur wegen der Mehrwertsteuer leicht angepasst worden.

Eine Frage der Nachbarschaft

Offen ist, wie gut das Konzept in die Halle passt. Direkt gegenüber liegt das Potpourri, ein Bistro-Café mit Selbstbedienung. Es bietet nach eigenen Angaben täglich wechselnde Suppen, ein Pfannengericht und „frische, knackige Salate“ aus „weitestgehend regionalen Zutaten“. Das Ziel: „in der Mittagspause unkompliziert, gesund, frisch und lecker“ essen. Brokkoli wirbt mit „frisch • regional • gesund“, also fast mit denselben Worten. Belebt der Neuzugang das Angebot der Markthalle, oder machen sich zwei Anbieter mit nahezu identischem Versprechen auf wenigen Metern das Mittagsgeschäft streitig? Eine Antwort darauf dürften die ersten Monate nach der Eröffnung liefern.

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