Die Hochschule Furtwangen (HFU) hat in ihrem Research Center in Rottweil ein neues Reinraum-Labor eröffnet. Dort sollen unter anderem Medizintechnik-Produkte hergestellt und erforscht werden. Die Laborausstattung und zwei Metall-3D-Drucker stiftete die Tuttlinger Firma KLS Martin. Zugleich feierte die Hochschule zehn Jahre Forschung in Rottweil.
Rottweil. Das Research Center der HFU in Rottweil verfügt über einen Reinraum der Klasse ISO 7. Nach Angaben von Prof. Dr. Christoph Reich, stellvertretender Rektor und Prorektor für Forschung und Nachhaltigkeit, lässt sich dort unter kontrollierten, partikelarmen Bedingungen forschen und entwickeln, etwa für Anwendungen in der Medizintechnik. Eröffnet wurde das Labor mit einem Tag der offenen Tür, der auch das zehnjährige Bestehen des Standorts markierte.
Zur Einordnung: Reinräume werden nach der Norm ISO 14644-1 in Klassen eingeteilt. In einem Raum der Klasse ISO 7 dürfen je Kubikmeter Luft höchstens 352.000 Partikel mit einer Größe von mindestens 0,5 Mikrometern enthalten sein.
Technik von KLS Martin gespendet
Möglich wurde der Reinraum nach Darstellung der Hochschule durch KLS Martin aus Tuttlingen. Das Unternehmen spendete die Laborausstattung und zwei Metall-3D-Drucker. Frank Reinauer, Leiter der Division Implantate, und Adem Aksu, Bereichsleiter Entwicklung für Implantate und Biomaterialien, waren für KLS Martin bei der Eröffnung dabei.
Wie es dazu kam, schilderte Prof. Dr. Volker Bucher, Leiter des Instituts für Mikrosystemtechnik: Er habe zufällig mitbekommen, dass KLS Martin sich vergrößern wollte, und nachgefragt, ob der Raum noch gebraucht werde. Sein Team habe den Raum anschließend aufgebaut. Das sei „eine der tollsten Erfahrungen, seit ich in der Berufswelt bin“, sagte Bucher.
Von Narrenfiguren bis Fingergelenk-Implantaten
Was im Reinraum bereits läuft, beschrieb Bucher so: „Aktuell bedampfen wir im Reinraum bereits Rottweiler Narren-Figuren mit Gold.“ Außerdem arbeite sein Team an neuen Plasma-Prozessen, die klimaschädliche Gase bei der Reinigung von Leiterplatten ersetzen könnten.
Für die Zukunft ist ein Forschungsprojekt mit Rottweiler Chirurgen geplant. Dabei soll es um patientenspezifische Fingergelenk-Ersatzimplantate gehen. Weitere Projekte am Research Center befassen sich laut HFU unter anderem mit Mikroplastik und Roboterarmen.
Gäste aus Politik und Wirtschaft
Nach Angaben der Hochschule kamen zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Maria-Lena Weiss (CDU) hob in ihrem Grußwort hervor, das Labor sei ein Ort, an dem Wissenschaft und Unternehmen gemeinsam an Lösungen arbeiten könnten. Der Landtagsabgeordnete Stefan Teufel (CDU) nannte es „eine gute Investition in die Zukunft“. Sein Landtagskollege Artur Eichin (Grüne) sagte, Wirtschaft und Wissenschaft brauchten einander und die Zukunft sei gestaltbar.
Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf sprach über die Entwicklung des Research Centers in den vergangenen zehn Jahren. Er hatte das Labor zuvor gemeinsam mit Landrat Christoph Keckeisen besichtigt.
Zehn Jahre Research Center
Die HFU betreibt das Forschungszentrum in Rottweil seit zehn Jahren. Dort verbindet sie nach eigenen Angaben Lehre, Forschung und industrielle Anwendung. Die Stadt Rottweil unterstützt die Forschungs- und Transferprojekte. Nach der Eröffnung konnten die geladenen Gäste und die Öffentlichkeit den Reinraum besichtigen.
Mehr über das Research Center gibt es unter hfu.li/21yw.
