Rottweil – Im Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil findet seit Jahrhunderten jeden Monat eine „Monatsprozession“ statt. Dabei werden die Zunftlaternen der Rottweiler Handwerkerzünfte durch das Münster getragen. Im Oktober wurde besonders an den heiligen Franziskus von Assisi erinnert, der vor 800 Jahren starb.
Es handelt sich um eine Andacht mit Prozession, in der Bitten vor Gott getragen werden, Gott um etwas „angegangen“ wird. Die Zunftlaternen gibt es nach der Darstellung der Verfasserin in dieser Fülle und Pracht in anderen Kirchen vermutlich nicht. Begleitet wird die Prozession von den Rottweiler Handwerkerzünften mit den Laternen, deren schönste aus dem 18. Jahrhundert stammen. Das erste Laternen-Paar wird von den Zimmerleuten getragen. Diese Zunft ist mit Jesus besonders verbunden, war er selbst doch Zimmermann, wie sein „Nährvater“ Josef.
Im Zentrum der Prozession steht die Monstranz, ein kostbares Schaugefäß mit der Hostie, in der die Gläubigen die Anwesenheit Jesu Christi erkennen und verehren. Ein Priester trägt die Monstranz in einem wertvollen „Rauchmantel“. Sie wird in der Mitte von zwei Gruppen der Zünfte „brezelförmig“ durch das Kirchenschiff geleitet. Eine biblische Lesung, eine besondere Predigt, Fürbitten, Lieder der Gemeinde und Orgelmusik prägen die Liturgie. Durch den Weihrauch werden bei dieser Feier alle Sinne angesprochen.
Im Oktober wurde besonders an den heiligen Franziskus von Assisi erinnert, dessen Gedenktag am 4. Oktober gefeiert wird. In der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1226 ist er in Assisi gestorben, also vor 800 Jahren. Einer der Blickfänge im Heilig-Kreuz-Münster ist der Marienaltar, dessen beide Flügel zwei Szenen aus dem Leben des heiligen Franz zeigen. Die Stigmatisation, als er die Wundmale Christi erhält, ist auf dem linken Flügel zu sehen, der Tod des Heiligen auf dem rechten.
Die Predigt von Pfarrer Timo Weber ließ die Gemeinde zuerst staunen, denn er erzählte das bekannte Märchen vom „Hans im Glück“. Der Titel wird meist ironisch gesehen. Hans erhält als Lohn einen Goldklumpen, den er immer wieder eintauscht, zuerst gegen ein Pferd und zuletzt gegen einen Mühlstein. Der fällt ins Wasser, und Hans hat gar nichts mehr – und ist dabei glücklich, frei und fröhlich. Pfarrer Weber übertrug die Geschichte auf Franz von Assisi, den er einen „großen Bruder“ von Hans im Glück nannte. Franziskus habe sich vom Reichtum seines Vaters losgesagt und die Stadt dann singend und frohgemut verlassen.
„Einzig in Gott- das zeigt das Leben des heiligen Franziskus- sind Freiheit, Freude und Würde des Menschen fest verankert.“ erläuterte Pfarrer Weber weiter und schloss die Predigt mit den Worten : „Die Kraft seines Lebens nach dem Evangelium wollen wir erbitten. Von seinem Gottvertrauen wollen wir uns anstecken und vom Feuer seiner Christusliebe uns entzünden lassen. Denn nur Ergriffene ergreifen. In mir muss brennen, was ich in anderen entzünden will. Amen.“
Die nächsten Monatsprozessionen im Heilig-Kreuz-Münster finden am 15. November, am 13. Dezember und am 24. Januar 2027 statt.