Rottweil – Oberbürgermeister Ruf blickte zurück „auf 17 Jahre kommunalpolitisches Engagement, auf eine Zeit voller Verantwortung, Diskussionen, Entscheidungen und vor allem voller Einsatz für unsere Stadt.“ Schellenbergs Stärke, so lobte OB Ruf, sei sicher seine Expertise, die auf seinem beruflichen Hintergrund als „Ingenieur und als geschäftsführender Gesellschafter des IfM – Institut für Materialprüfung“ mitgebracht habe. „Diese Expertise haben Sie nicht nur in Ihrem Berufsleben eingesetzt. Sie haben sie in den Dienst unserer Stadt gestellt.“ Und weiter: „Wenn es um technische Fragen, Bauqualität, Infrastruktur oder langfristige Investitionen ging, war Ihre Stimme gefragt. Sie haben nicht nur gefragt: Was kostet es? Sie haben auch gefragt: Ist es technisch sinnvoll, ist es nachhaltig? Nicht in diesem modernen, hyperinflationären und letztlich kernlosen phrasenhaften Sinn – sondern in dem Sinne: Ist es dauerhaft die richtige Entscheidung?“ Und genau diese Fragen brauche ein Gemeinderat.
Dabei sei eines immer erkennbar gewesen: Schellenberg habe sich nicht engagiert, um ein Amt zu haben. „Sie haben sich engagiert, um etwas zu bewirken, nicht um persönlich im Mittelpunkt zu stehen. Nicht die einfache Lösung war für Sie entscheidend, sondern die richtige Lösung. Nicht die lauteste Stimme war für Sie ausschlaggebend, sondern das bessere Argument. Ihr Leitmotiv frei und parteilos war dabei stets spürbar.”
Immer gut vorbereitet
Bei Schellenbergs Redebeiträgen sei klar gewesen, „das ist nicht spontan oder aus der Emotion heraus. Ich kann mich nicht erinnern, dass Beiträge von Ihnen nicht vorbereitet gewesen waren. Sie haben keine halben Antworten gegeben, wenn eine gründliche Betrachtung notwendig war. Und das ist bekanntlich immer der Fall.“
Ruf hob auch das soziale Engagement Schellenbergs hervor und nannte als, wenig bekanntes Beispiel, dass dieser im Jahr 2005 Mitbegründer der Stiftung Rottweiler Bürger in Not gewesen sei.
„Sie haben Entwicklungen nicht einfach hingenommen“, sagte Ruf weiter. „Sie haben mitgestaltet. Sie haben hinterfragt. Sie haben Verantwortung übernommen. Und Sie haben dabei immer versucht, die beste Lösung für Rottweil zu erreichen.“
Er überreichte Schellenberg ein Kunstwerk der Künstlerin Marion Moritz, „Rosette Ratssaal“.
Rückblick abgebrochen
Schellenberg selbst konzentrierte sich in seinem Rückblick auf die Vollzugsanstalt und den langen Prozess, der zur Wahl des jetzigen Standorts geführt hat. Er erinnerte daran, dass eigentlich die Alternative bei Tuningen besser geeignet gewesen sei als der jetzige Standort. Doch dann habe es einen Bürgerentscheid dort gegeben. Und als die Räte und Verwaltungsspitze im Bus bei der Rückfahrt von einer Partnerschaftsfeier im Radio gehört hätten, dass die Tuninger den Knast abgelehnt hätten, da sei großer Jubel ausgebrochen.
Wesentlich weiter kam er dann nicht – Schellenberg wurde von seinen Emotionen überwältigt. Bevor er dann den Ratstisch verließ und seiner Nachfolgerin Simone Effinger Platz machte.
Nachfolge
Sein Nachfolger als Fraktionschef der Freien Wähler wird Hermann Breucha, der bisher als sein Stellvertreter fungiert hatte. Dessen Platz nimmt, wie erwähnt, Franziska Kossendey ein. Effinger ist laut Verwaltung die dritte Nachrückerin. Die bei der Wahl vor zwei Jahren vor ihr platzierten Wilhelm Sailer und Dr. Thomas Schulz hätten beide einen Ablehnungsgrund geltend gemacht.
Den Freien Wählern, genauer dem Verein „Freie Wählervereinigung Rottweil“, bleibe er erhalten, sagte Schellenberg – er sei ja schließlich Schriftführer des Vereins.
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