Vor rund zwei Monaten bekam die Brugger Straße vor dem Aquasol in Rottweil eine neue Splittdecke. Jetzt soll dort der Asphalt für den Fernwärmeausbau der ENRW wieder entfernt werden. Ein Leser hält das für verschwendetes Steuergeld. Die Stadt verteidigt die Reihenfolge auf NRWZ-Anfrage – was die Sanierung gekostet hat, sagt sie nicht.
Die Beobachtung stammt von einem Leser, der sich an die Redaktion gewandt hat. An der Brugger Straße vor dem Aquasol werde derzeit die Fahrbahn wegen der Fernwärme aufgerissen – an genau der Stelle, die erst vor etwa zwei Monaten mit Splitt saniert worden sei. Die frische Schicht werde nun mitsamt der Bitumendecke wieder abgetragen.
„Man hätte sich doch die Splitt-Sanierung ersparen können“, schreibt er. Er spricht von einer Fehlplanung und von Steuergeld, das so hätte gespart werden können. Die NRWZ hat die Stadtverwaltung um eine Stellungnahme gebeten.
Stadt: Abwarten war nicht möglich
Die Stadt bestätigt den Ablauf im Kern. Die Splitt-Sanierung sei eine kurzfristige Erhaltungsmaßnahme gewesen, „um den Zustand der Fahrbahn zu sichern und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, teilt die Verwaltung mit. Zu diesem Zeitpunkt habe der konkrete Beginn der Fernwärmearbeiten in diesem Straßenabschnitt noch nicht festgestanden.
Mit der Sanierung bis zum Start der Fernwärmebaustelle zu warten, sei nicht möglich gewesen. Die Fernwärmearbeiten vorzuziehen, ebenfalls nicht. Warum genau, erläutert die Stadt nicht näher.
ENRW baut das Fernwärmenetz aus
Dass die Fahrbahn jetzt wieder geöffnet wird, geht laut Stadt auf den Ausbau des Fernwärmenetzes durch die ENRW zurück. Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie die Abstimmung mit weiteren Baumaßnahmen ließen sich zeitlich nicht immer so koordinieren, dass vorherige Erhaltungsmaßnahmen vermieden werden können, heißt es aus dem Rathaus.
Nach der Baustelle eine neue Fahrbahn
Sind die Fernwärmeleitungen verlegt, sollen die betroffenen Abschnitte wieder „ordnungsgemäß hergestellt“ werden. Nach Angaben der Stadt geht diese Wiederherstellung über die zuvor aufgebrachte, oberflächliche Splittschicht hinaus. Die Fahrbahn werde dann umfassender erneuert.
Zur Einordnung: Bei einer Splitt-Sanierung, fachlich Oberflächenbehandlung genannt, wird eine dünne Bitumenschicht auf die bestehende Fahrbahn gesprüht und mit Splitt abgestreut. Das Verfahren gilt als vergleichsweise günstig und soll Risse abdichten und die Griffigkeit verbessern. Eine grundlegende Erneuerung der Straße ist es nicht.
Was offen bleibt
Was die Splitt-Sanierung an der Brugger Straße gekostet hat, geht aus der Antwort der Stadt nicht hervor. Offen ist auch, wer die spätere Wiederherstellung der Fahrbahn bezahlt – die Stadt oder die ENRW – und wann die Arbeiten vor dem Aquasol abgeschlossen sein sollen.
