Heckler und Koch: Gewerkschaft geht auf Distanz zu Heeschen

Schulden stiegen in zwölf Jahren von 2,5 auf 295 Millionen Euro

OBERNDORF –Die Enthüllungen über das Finanzgebaren des langjährigen Mehrheitseigners von Heckler und Koch, Andreas Heeschen, haben bei der IG-Metall nicht wirklich überrascht. Das hat auf Anfrage der NRWZ die erste Bevollmächtigte Dorothee Diehm erklärt.

Auf Drängen von Aktionärsvertretern, die die Compagnie de Développement de l’Eau (CDE) vertreten, hatte der Vorstand eine lange Liste von  wertberichtigten Darlehen und notleidenden Finanzbeteiligungen vorgetragen. Auf Wunsch eines Kleinaktionärsvertreters addierte Finanzchef Björn Krönert dann das auf und kam auf 57,7 Millionen Euro wertberichtigter Darlehen und 82 Millionen Euro aus Firmenbeteiligungen, die nichts mehr wert sind.

Diversifizierungsstrategie in die eigene Tasche

Im Nachgang hat sich Heeschen bei einigen Medienvertretern telefonisch gemeldet. Er hat erklärt, die damaligen Investitionen seien Teil einer Diversifikationsstrategie gewesen. Den Vorwurf, er habe das Unternehmen ausgeplündert, wies er dabei empört zurück. Interessant ist allerdings, dass HK überwiegend in Firmen investiert hat, die Heeschen gehörten.

Der Schuldenstand habe sich von 2,5 Millionen im Jahr 2002, als Heeschen in Oberndorf einstieg, auf 295 Millionen im Jahr 2014 erhöht, berichtete der HK-Vorstand auf eine entsprechende Frage des CDE-Anwalts Sebastian Ens. Derzeit sei das Unternehmen noch mit 236,8 Millionen Schulden belastet.

Zugang zum Werk Oberndorf. Fotos: him

IG-Metall: „Wir wußten es“

Die IG Metall habe für den Sanierungstarifvertrag die Bilanzen prüfen lassen, berichtet Diehm. Die Zahlen und Daten hätten dabei schlecht ausgesehen. „Heeschen hat sich angep…t gefühlt, als wir ihm vorgehalten haben, dass er Geld aus dem Unternehmen gezogen hat“, erinnert sich Diehm. Sie habe Heeschen bei der Betriebsversammlung am vergangenen Freitag in der Oberndorfer Neckarhalle erlebt. 

In seiner Rede habe er davon gesprochen, dass die Führungsebene Vorbilder mit Blick auf „Kompetenz, Loyalität und Respekt“ zu sein hätten. Ihr selbst habe dabei der Begriff Vertrauen gefehlt. Das Verhalten vieler in der Heckler und Koch Belegschaft Heeschen gegenüber wundere sie immer wieder: „Die himmeln den alle an.“

Sanierungstarifvertrag steht

Für Dorothee Diehm ist die HK-Belegschaft ein Rätsel.

In einem Punkt gibt es eine gute Nachricht für die Belegschaft und die IG-Metall: Die Überprüfung des „SanTarifvertrags“ hat dazu geführt, dass die außertariflichen Angestellten genauso wie der Vorstand und der Aufsichtsrat ebenfalls im gleichen Maße wie die übrige Belegschaft einen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens leisten. Das hat auch Geschäftsführer Bodo Koch bei der außerordentlichen Aktionärsversammlung im Badhaus am Donnerstag mitgeteilt. Ein kritischer Aktionär hatte danach gefragt. Wie berichtet, arbeiten die HK-Beschäftigten drei Stunden unbezahlt pro Woche mehr.

Die „Kieler Erklärung“, benannt nach dem Sitzungsraum, in dem die Geschäftsführung mit der IG-Metall verhandelte.

In einem Aushang, der der NRWZ vorliegt, haben Geschäftsleitung und IG-Metall dann am 10. Dezember der Belegschaft die Einigung mitgeteilt. Laut der „Kieler Erklärung“ war das Ergebnis der Prüfung positiv. „Einer Fortführung des SanTarifvertrags steht nichts im Wege“.

Demnach werden alle Beschäftigten im kommenden April einen Gutschein über 70 Euro zusätzlich erhalten. IG-Metallmitglieder können außerdem entweder das tarifliche Zusatzgeld erhalten oder in bis zu fünf zusätzliche freie Tage umwandeln, berichtet Diehm.

 

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