Im Landkreis Rottweil leben rund 6.200 Menschen mit einer Herzschwäche. Das sind 6,4 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren – spürbar mehr als im baden-württembergischen Schnitt von rund 5 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem neuen „Gesundheitsatlas Deutschland“, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) vor dem Weltherztag am 29. September veröffentlicht hat.
Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2024. Bundesweit lebten damals nach Angaben des Instituts rund 3,2 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz. Das entspricht 5,5 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren. Der Kreis Rottweil liegt damit nicht nur über dem Landes-, sondern auch über dem Bundeswert.
Große Unterschiede zwischen Ländern und Kreisen
Der Atlas schlüsselt die Daten bis auf die Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte auf. Schon zwischen den Bundesländern gehen die Werte weit auseinander: Am niedrigsten liegen sie in Hamburg (3,8 Prozent), Bremen (4,5 Prozent) und Berlin (4,6 Prozent). Am höchsten sind sie in Sachsen-Anhalt (8,9 Prozent), Thüringen (8,5 Prozent) und Sachsen (7,9 Prozent).
Auf Kreisebene ist die Spanne noch größer. Den höchsten Anteil weist der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt mit 13,9 Prozent auf, den niedrigsten Frankfurt am Main mit 2,8 Prozent.
Was eine Herzinsuffizienz ist
Bei einer Herzinsuffizienz, umgangssprachlich Herzschwäche, pumpt das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und entsteht in der Regel als Folge anderer Krankheiten – vor allem der Koronaren Herzkrankheit und des Bluthochdrucks.
Typische Anzeichen sind Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe, rasche Erschöpfung und geschwollene Beine durch Wassereinlagerungen. Wer solche Beschwerden bei sich bemerkt, sollte sie ärztlich abklären lassen.
Bluthochdruck und Diabetes als Risikofaktoren
Der Gesundheitsatlas untersucht auch, wie die Häufigkeit der Herzschwäche mit vermeidbaren Risikofaktoren zusammenhängt. In Regionen mit wenigen Bluthochdruckpatienten liegt der Anteil der Menschen mit Herzinsuffizienz bei 4,2 Prozent, in Regionen mit besonders vielen bei 8,4 Prozent – also doppelt so hoch. Beim Typ-2-Diabetes zeigt sich laut WIdO ein ähnlicher Zusammenhang. Daneben spielen nach den Analysen auch soziale Faktoren eine Rolle.
Als weitere Risikofaktoren gelten Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und starkes Übergewicht.
Harald Rettenmaier, Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg, sieht in den Ergebnissen einen Beleg dafür, wie wichtig Prävention und gesundheitsförderliche Lebensbedingungen seien, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden.
Mit dem Alter steigt das Risiko deutlich
In jungen Jahren ist eine Herzschwäche selten, mit dem Alter nimmt sie stark zu. Bei den über 90-Jährigen sind laut Atlas 35 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen betroffen.
Dass Männer häufiger erkranken, erklärt das Institut unter anderem damit, dass sie öfter Vorerkrankungen wie eine Koronare Herzkrankheit oder einen Herzinfarkt haben. Hinzu kommen biologische Unterschiede und ungleich verteilte Risikofaktoren: So lag der Anteil der Raucher bei Männern in den vergangenen Jahrzehnten stets deutlich höher als bei Frauen.
Warum der Kreis über dem Schnitt liegt, bleibt offen
Eine Erklärung, weshalb der Landkreis Rottweil über dem Landes- und Bundeswert liegt, liefert die Mitteilung der AOK nicht. Weil das Risiko stark mit dem Alter steigt, dürfte auch die Altersstruktur eines Kreises eine Rolle spielen. Ob und wie stark das die Rottweiler Zahl beeinflusst, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Der Gesundheitsatlas beruht auf Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten, die das Institut mit einem statistischen Verfahren auf die Gesamtbevölkerung hochrechnet. Die Ergebnisse für alle Kreise sind online unter gesundheitsatlas-deutschland.de abrufbar.
