Kaum Interesse an zusätzlichen Impfterminen

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Ist die hoch ansteckende Delta-Variante des Corona-Virus bereits im Kreis angekommen? Nachgewiesen ist sie noch nicht, aber es gibt Verdachtsfälle. Dies wurde bei der telefonischen Pressekonferenz des Landratsamts bekannt.

Zehn Tage fürs Prüfen

„Die Frage ist nicht, ob, sondern wann sie kommt“, warnte Stephan Vilgis von Gesundheitsamt. Er wie auch Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel wies darauf hin, dass die Sequenzierung, also die Bestimmung des Typs, der Viren in den Laboren sehr aufwendig ist und eine Woche bis zehn Tage brauche. Wenn also ein Anteil von 15 Prozent der Ansteckungen bundesweit der Delta-Variante zugeschrieben wird, ist das der Stand von vor zehn Tagen, machte Michel deutlich. Guten Schutz gegen diese Variante biete die Impfung, ergänzte Vilgis – allerdings nur eine vollständige Impfung.

Inzidenz sinkt

Insgesamt ist die Entwicklung der Corona-Ansteckungen aber „erfreulich“, die Sieben-Tage-Inzidenz wurde gestern Abend mit 10,7 angegeben. In den Pflege- und Behinderteneinrichtungen im Kreis gebe es derzeit keine Corona-Erkrankungen, teilte Michel mit.

30 Prozent voll geimpft

Im Kreisimpfzentrum (KIZ) seien inzwischen 54.500 Impfungen verteilt worden, darunter 22.700 Zweitimpfungen. Die Hausärzte hätten 37.800 Mal geimpft, 16.100 Zweitimpfungen darunter. Zusammen mit den 2500 Impfungen der Mobilen Impfteams macht das 94.800 Impfungen im Kreis. Offizielle Zahlen des Landes zeigen, dass 46,2 Prozent der Kreisbevölkerung (64.700 Menschen) geimpft sind, davon 42.000 zweitgeimpft, also 30 Prozent der Bewohner. Diese Zahlen datieren allerdings bereits vom vorigen Sonntag, 20. Juni.

Michel: Impfbereitschaft wird bestraft

Nach wie vor unzufrieden zeigte sich Michel mit der Zuteilung der Impfdosen an die Landkreise. Die nehme das Land nach der Impfquote vor, und die ist im hiesigen Landkreis höher als in vergleichbaren Kreisen (ländlicher Raum, kein regionales Impfzentrum in der Nähe): Je geringer diese, desto mehr Impfstoffe werden in den Kreis geliefert. Die Bevölkerung des Kreises Rottweil werde also für ihre hohe Impfbereitschaft bestraft, kritisierte Michel. Er stehe zwar in ständiger Verbindung mit dem zuständigen Sozialministerium, das weiche aber nicht ab von seiner Linie.

Zweitimpfung sicher – wo auch immer

Allerdings sei der Andrang auf die Impftermine nicht mehr so hoch wie früher, berichtete Martine Hielscher, die ärztliche Leiterin des Kreisimpfzentrums. Ganz schlecht läuft die Anmeldung zu den zusätzlichen Impfterminen mit dem Stoff von Astrazeneca: Für die 1800 Impfungen seien gerade mal 100 Anmeldungen eingegangen, berichtete Hielscher. Für die Zweitimpfung, nach heutigen Stand zwölf Wochen nach der Erstimpfung, also Ende September, werde es auf jeden Fall einen Termin geben – „wo auch immer das stattfinden wird“, sagte Hielscher. Der Mietvertrag über die Stadthalle, wo das Kreisimpfzentrum eingerichtet ist, läuft ja wie berichtet Mitte August aus. Michel zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass die Laufzeit des KIZ bis Ende September verlängert werde, und forderte das Land auf, dies möglichst bald in die Wege zu leiten und bekanntzugeben.

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Wolf-Dieter Bojus
... war 2004 Mitbegründer der NRWZ und deren erster Redakteur. Mehr über ihn auf unserer Autoren-Seite.