Die Drohnenkontrolle auf der A81 bei Zimmern ob Rottweil sorgt in den sozialen Netzwerken für heftigen Streit. Unter den NRWZ-Beiträgen auf Instagram und Facebook gingen binnen Stunden zahlreiche Kommentare ein: Lkw-Fahrer fühlen sich an den Pranger gestellt, andere Autofahrer begrüßen die Kontrolle, und mancher zweifelt, dass eine Drohne den Abstand genau genug messen kann.
Die Verkehrspolizei Zimmern ob Rottweil hatte am Dienstag auf der A81 zwischen Oberndorf und Rottweil den Lkw-Abstand per Drohne kontrolliert. Alle 24 Lastwagen, die die Beamten in gut fünf Stunden herauszogen, hatten den Mindestabstand von 50 Metern unterschritten, wie die NRWZ berichtete.
„Die Trucker haben schon genug Stress“
Die meiste Zustimmung unter den Instagram-Kommentaren bekam ein Beitrag, der der Polizei „fiese Aktionen“ vorwirft: Die Trucker hätten schon genug Stress. Bis Mittwochmorgen klickten 15 Nutzer auf „Gefällt mir“. Ein anderer schrieb, wegen solcher Kontrollen wolle keiner mehr den Job machen. Auf Facebook hieß es, kaum ein anderer Beruf werde so kontrolliert, und wenn die „Boomer“ in Rente gingen, entstehe eine „Riesenlücke“.
Ein Nutzer verwies auf die hohen Dieselpreise, da sei Windschatten „alles“. Andere forderten, die Drohnen lieber an anderer Stelle einzusetzen, etwa an der Grenze. Auf Facebook war von der „schnellsten und einfachsten Einnahmequelle“ die Rede, ein weiterer Nutzer kritisierte, dass dafür Steuergeld ausgegeben werde. Zwei Leser wiesen zudem darauf hin, dass auch Pkw-Fahrer oft zu dicht auffahren, kontrolliert würden aber nur Lkw.
„Abstand kann Leben retten“
Auf der anderen Seite stehen Leser, die die Kontrollen ausdrücklich begrüßen. „Find ich gut“, schrieb ein Instagram-Nutzer, „vor allem wenn man an die ganzen Unfälle denkt“, die wegen zu geringen Abstands entstünden. Auf Facebook hielt ein Nutzer Kritikern entgegen, Abstand könne das eigene Leben retten.
Ein Nutzer berichtete, andere Lkw überholten ihn mit wenigen Stundenkilometern Mehrtempo und scherten dann nur etwa zehn Meter vor ihm wieder ein. Er forderte, solche Fahrer herauszuziehen und ihnen den Führerschein für mindestens vier Wochen zu entziehen. Ein anderer schilderte, in Baustellen mit 80 km/h klebten Lkw hinter ihm, die mit 85 km/h unterwegs seien.
Wie emotional die Debatte geführt wird, zeigt ein Kommentar, den ein Nutzer mehrfach als Antwort auf Kritiker wiederholte: Sie sollten beim nächsten Mal ihren Kollegen aus dem Führerhaus schneiden, wenn er nach einem Auffahrunfall eingeklemmt sei.
Zweifel an der Messung, Sorge vor Überwachung
Auf Facebook entspann sich außerdem ein Streit über die Technik. Ein Nutzer bezweifelte, dass eine Drohne den Abstand so genau bemessen könne, außerdem sei es verkehrsbedingt nicht immer möglich, ihn einzuhalten. Ein anderer hielt dagegen: Im Videobild gebe es Referenzlängen, ausgewertet werde anhand bekannter Maße des Fahrzeugs, geschätzt werde nichts, wie bei Videofahrzeugen der Polizei.
Ein weiterer Nutzer stellte die grundsätzliche Frage: Technisch könne man jeden überall und ständig überwachen, „wollen wir das?“. Der ADAC hatte bereits vor anlassloser Überwachung gewarnt.
Was gilt – und was die Polizei sagt
Für Lkw über 3,5 Tonnen und für Busse gilt auf Autobahnen ab 50 km/h ein Mindestabstand von 50 Metern. Wer ihn unterschreitet, muss mit 80 Euro Bußgeld und einem Punkt rechnen. Die Abstandspflicht gilt aber auch für Pkw: Bußgelder drohen dort ab Tempo 80, bei mehr als 100 km/h und sehr geringem Abstand können Fahrverbote hinzukommen. Die Faustregel lautet „halber Tachowert in Metern“.
Beim Pressetermin hatte die Polizei ihr Vorgehen erläutert: Im Mittelpunkt stünden nicht kurze oder zufällige Unterschreitungen, sondern Fahrzeuge, die beharrlich deutlich zu dicht auffahren. Fahrer und Kennzeichen seien auf den Aufnahmen nicht erkennbar. Die Drohne sei nicht eigens für das Projekt angeschafft worden, sondern gehöre zur vorhandenen Ausstattung.
Ein Missverständnis zur Zahl räumten Leser selbst aus: „24 Lkws unter einer Minute“ hatte ein Nutzer geschrieben, tatsächlich wurden die 24 Lastwagen in gut fünf Stunden kontrolliert.
Fragen und Antworten zur Drohnenkontrolle
Wie misst die Drohne den Abstand?
Die Drohne fliegt seitlich neben der Autobahn in etwa 70 bis 80 Metern Höhe und filmt den Verkehr von oben. Ein geschulter Drohnenführer steuert sie. Fährt ein Lkw zu dicht auf, hält er den Verstoß mit Video und Standbildern fest. Hinter der Messstelle wartet ein Motorradpolizist und leitet den Lastwagen zur Kontrollstelle. Die Drohne ist kein Messgerät wie ein Blitzer, sondern dient der Dokumentation: Als Verstoß gilt, wenn auf den Aufnahmen ein Abstand von weniger als 50 Metern zu erkennen ist. Bei anderen Video-Abstandsmessungen ziehen die Behörden üblicherweise eine Toleranz zugunsten des Fahrers ab, etwa drei Meter.
Warum werden nur Lkw kontrolliert?
Für Lkw über 3,5 Tonnen gilt ein fester Grenzwert: ab 50 km/h mindestens 50 Meter. Das lässt sich im Bild einfach nachweisen. Bei Pkw hängt der erlaubte Abstand vom Tempo ab, deshalb müsste zusätzlich die Geschwindigkeit gemessen werden. Bei den Kontrollen geht es außerdem um mehr als den Abstand: Die Beamten prüfen auch Ladungssicherung, technische Mängel sowie Lenk- und Ruhezeiten.
Wie geht es weiter?
Das Pilotprojekt der Verkehrspolizeiinspektion Zimmern läuft seit Mai und endet im Dezember. Danach wird ausgewertet, ob das Verfahren auf alle Verkehrspolizeiinspektionen im Land ausgeweitet wird. Bei sechs Kontrollen seit Mai stellte die Polizei mehr als 100 Verstöße fest, im Schnitt 15 bis 20 in zwei Stunden.
Wohin fließen die Bußgelder?
Bußgelder fließen in den allgemeinen Landeshaushalt. Sie sind nicht zweckgebunden und kommen nicht direkt der Polizei zugute.
Was droht bei zu geringem Abstand?
Lkw-Fahrern drohen 80 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Auch für Pkw gilt eine Abstandspflicht. Als Faustregel gilt der halbe Tachowert in Metern, also bei 100 km/h 50 Meter.
