Ein Jahr nach dem Beginn der Tiefengründung ist der Neubau des Rottweiler Landratsamts an der Stadionstraße über den Bauzaun hinausgewachsen. Untergeschoss, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss stehen im Rohbau weitgehend, am zweiten Obergeschoss wird gearbeitet. Allein für eine einzige Geschossdecke werden nach Angaben der Kreisverwaltung rund 35.000 Schrauben gesetzt.
Rottweil – Im September 2025 begann auf dem Grundstück an der Stadionstraße die Tiefengründung für das neue Verwaltungsgebäude des Landkreises Rottweil. Wo damals vor allem eine Baugrube zu sehen war, steht heute ein Rohbau, der die Bauweise des Hauses erkennen lässt: Beton und Holz werden unmittelbar auf der Baustelle miteinander verbunden.
Die Betonkonstruktion entsteht vor Ort durch die Firma Stumpp. Die Bauteile werden geschalt, bewehrt und anschließend mit Beton ausgegossen; im Erdgeschoss entstanden auf diese Weise auch die massiven Wände. Parallel dazu fertigt Holzbau Haller die Holzelemente vor, die auf der Baustelle auf der Betonkonstruktion montiert werden. Das sind Angaben des Landratsamts.
35.000 Schrauben pro Geschoss
Am deutlichsten zeigt sich das Prinzip bei den Geschossdecken. In die vorgefertigten Holzelemente werden Schrauben in einem festgelegten Raster eingedreht – laut Kreisverwaltung rund 35.000 pro Geschoss. Dazwischen wird die Armierung eingebaut, anschließend wird die Decke vor Ort betoniert. So entsteht eine tragfähige Holz-Beton-Verbunddecke.
Die Decke über dem ersten Obergeschoss ist bereits betoniert. Derzeit laufen die Betonarbeiten für die Sanitär- und Treppenhauskerne des zweiten Obergeschosses, die zugehörigen Holzelemente liegen beim Zimmermann. Bis der Beton ausreichend ausgehärtet ist, wird die Konstruktion über zwei Geschosse hinweg mit rund 2.200 Sprießen abgestützt.
Sichtbares Holz, empfindliche Oberflächen
Das Holz soll auch im fertigen Gebäude sichtbar bleiben. Die Oberflächen werden später geschliffen und mit einer weißlichen Lasur behandelt – unter anderem, damit das Fichtenholz mit der Zeit nicht vergilbt. Beim weiteren Ausbau sei deshalb besondere Vorsicht nötig, teilt das Landratsamt mit.
Weniger sichtbar geht es im Untergeschoss weiter: Dort entstehen vor allem Technikräume und Lagerflächen. Außerdem wird die Verbindung zur bestehenden Tiefgarage an der Stadionstraße hergestellt.
Parkhaus: Rohbau soll Ende September starten
Auf dem benachbarten Grundstück läuft der Bau des Parkhauses an, derzeit wird die Baugrube ausgehoben. Generalunternehmer Goldbeck hat den Rohbau des Untergeschosses ebenfalls an die Firma Stumpp vergeben. Nach Angaben des Landratsamts soll dieser voraussichtlich Ende September beginnen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
Der Landrat mit Blick auf die Baustelle
Landrat Christoph Keckeisen, der von seinem Amtssitz aus direkt auf die Baustelle schaut, verbindet mit dem Neubau Erwartungen an die künftige Arbeitsweise der Kreisverwaltung: „Als ich mein Amt angetreten habe, wurde gerade die Bodenplatte betoniert. Jetzt wächst das Gebäude Stockwerk für Stockwerk in die Höhe.“ Der Bau eröffne „ganz neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit und dafür, wie Verwaltung künftig arbeiten kann“.
Einordnung
Der Kreistag hatte den Neubau im April 2024 beschlossen. Die Kosten wurden damals mit 78,59 Millionen Euro beziffert, die Kreisverwaltung rechnete mit einer jährlichen Belastung von rund fünf Millionen Euro für Zinsen und Tilgung. Vorgesehen sind im Neubau 346 Arbeitsplätze, dazu kommt die Integrierte Leitstelle für die Rettungsdienste.
Das Parkhaus wurde nötig, weil für den Neubau Stellplätze nachgewiesen werden müssen und die vorhandene, mit der Kreissparkasse geteilte Tiefgarage dafür nicht ausreicht. Statt einer weiteren Tiefgarage – nach Darstellung der Stadtverwaltung kostet dort jeder Stellplatz etwa das Dreifache – entschieden sich Kreis und Stadt für ein Parkhaus. Dafür musste der Bebauungsplan aus dem Jahr 1990 geändert werden.
Zu den aktuellen Gesamtkosten und zu einem Bezugstermin für das neue Verwaltungsgebäude macht das Landratsamt in seiner Mitteilung keine Angaben.
📰 Mehr aus Rottweil
NEU
Finissage der Ausstellung „Aussichten ins Offene“
gerade eben
NEU
Rottweil will Fasnachts- und Katharinenmarkt streichen – Marktgebühren sollen steigen
vor 21 Minuten













