SCHRAMBERG – Die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn hat sich der Kampagne „Nicht am Menschen sparen“ angeschlossen. Das Bündnis aus inzwischen 52 Einrichtungen und 15 Verbänden fordert weniger Bürokratie in der sozialen Arbeit und warnt vor Kürzungen bei sozialen Leistungen. Mit einer Petition wollen die Träger Druck auf die Politik machen.
Die Stiftung ist einer der großen sozialen Träger im Land. Nach eigenen Angaben arbeiten dort mehr als 2.700 Beschäftigte, die rund 6.200 Menschen betreuen – Kinder, Jugendliche und Familien, Menschen mit Behinderungen sowie alte und pflegebedürftige Menschen.
Was die Kampagne fordert
Die Kampagne verfolgt drei Ziele: weniger Bürokratie, mehr Zeit für die betreuten Menschen und die Sicherung sozialer Leistungen. Hintergrund ist aus Sicht der Initiatoren der Spardruck in den öffentlichen Haushalten. Kürzungen im Sozialbereich träfen gerade jene, die auf Unterstützung angewiesen seien, heißt es in der Mitteilung der Stiftung.
Zugleich kritisieren die Träger, dass in den Einrichtungen viel Zeit in Verwaltung fließe: in komplizierte Verfahren, unterschiedliche Vorgaben und teils doppelte Dokumentationen. Diese Zeit fehle in der direkten Arbeit mit den Menschen.
Als Lösungsansätze nennt das Bündnis besser vernetzte digitale Abläufe, weniger Mehrfacherfassungen, einheitlichere Standards und einfachere Verfahren. Das soll Beschäftigte in den Einrichtungen ebenso entlasten wie die Verwaltungen der Kostenträger.
Vorständin: „Wir organisieren unseren Sozialstaat kaputt“
Andrea Weidemann, Vorständin der Stiftung St. Franziskus, wählt deutliche Worte. Der Sozialstaat sei „eine der größten Errungenschaften unserer Zeit“ und ein Grundpfeiler der Demokratie. „Gleichzeitig organisieren wir unseren Sozialstaat kaputt. Wir sprechen seit Jahren über Bürokratieabbau, wir müssen es aber auch tun.“
Weidemann fordert einfachere und verständlichere Verfahren. Doppelte und aus ihrer Sicht oft unnötige Dokumentations- und Nachweispflichten sollten gestrichen werden. Nötig sei außerdem ein Kulturwandel: weg von übermäßigem Misstrauen, hin zu mehr Vertrauen in Menschen und Organisationen.
Sie beruft sich dabei auf das Subsidiaritätsprinzip – den Grundsatz, dass Aufgaben möglichst dort erledigt werden, wo sie anfallen, und der Staat nur unterstützend eingreift. Weidemann wünscht sich einen Staat, „der unterstützt statt bevormundet, der ermöglicht statt verhindert“.
Auch Standards sollen auf den Prüfstand
Bemerkenswert: Die Stiftung schreibt in ihrer Mitteilung, dass neben dem Bürokratieabbau „auch Standards kritisch hinterfragt werden müssen“. Welche Standards gemeint sind, lässt sie offen.
Nach eigenen Angaben sucht die Stiftung regelmäßig das Gespräch mit Landräten, Sozialdezernenten sowie mit Verantwortlichen aus Landes- und Bundespolitik, um auf Probleme aus der Praxis hinzuweisen.
Petition gestartet
Kern der Kampagne ist eine Petition. Mit möglichst vielen Unterschriften wollen die beteiligten Träger zeigen, wie breit ihr Anliegen getragen wird. Die Stiftung St. Franziskus ruft dazu auf, die Petition zu unterzeichnen.
Informationen zur Kampagne und zur Petition gibt es unter nichtammenschensparen.de.
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