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Rottweil erhält mehr Städtebauförderung als deutlich größere Städte – die Landesgartenschau ist der Schlüssel

Die Baustellen in der Innenstadt haben einen gemeinsamen Nenner – und der heißt nicht nur Städtebauförderung, sondern vor allem: 2028.

Im Umbau: der Rottweiler Friedrichsplatz. Foto: wede
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Wer dieser Tage durch die Rottweiler Innenstadt geht, kommt an Bauzäunen, frisch sanierten Gassen und neuen Pflastersteinen kaum vorbei. Was wie ein Flickenteppich aus Einzelmaßnahmen wirkt, folgt einer klaren Strategie – und einer beachtlichen Summe öffentlicher Fördergelder.

Jüngster Anlass für einen Blick auf die Zahlen: Das Regierungspräsidium Freiburg hat der Stadt Villingen-Schwenningen diese Woche einen Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro aus der Städtebauförderung von Bund und Land übergeben. Das Geld soll die Weiterentwicklung der Schwenninger Innenstadt voranbringen, unter anderem die Umnutzung des seit zwei Jahrzehnten leerstehenden Einkaufszentrums „Rössle“.

Ein Vergleich zeigt jedoch: Rottweil erhält derzeit deutlich höhere Summen.

Dabei gilt das Städtebauförderprogramm als stark überzeichnet. Viele Kommunen konkurrieren um die Mittel. Dass Rottweil zuletzt mehrfach hohe Förderzusagen erhielt, hängt nach Einschätzung der Stadt maßgeblich mit der Landesgartenschau 2028 zusammen.

Aufwärtskurve seit 2024

Für die Sanierungsgebiete „Stadtmitte“ und „In der Au“ flossen 2024 insgesamt 1,7 Millionen Euro nach Rottweil – 1,2 Millionen Euro für die Innenstadt und weitere 500.000 Euro für das Gebiet nahe des künftigen Landesgartenschau-Areals.

2025 stieg die Fördersumme bereits auf 2,8 Millionen Euro. 2026 folgte mit weiteren 3,5 Millionen Euro erneut eine außergewöhnlich hohe Förderzusage für eine Stadt der Größe Rottweils.

Zum Vergleich: Villingen-Schwenningen, mit rund 85.000 Einwohnern deutlich größer als Rottweil, erhält aktuell 1,5 Millionen Euro.

Die Landesgartenschau als Fördermotor

Oberbürgermeister Christian Ruf macht keinen Hehl daraus, warum die Chancen Rottweils derzeit besonders gut stehen. Mit Blick auf die Landesgartenschau 2028 habe die Stadt einen „historisch einzigartigen Vorteil“, sagte Ruf Anfang des Jahres.

Nach Einschätzung der Stadt erhöht die bevorstehende Landesgartenschau die Chancen auf Fördermittel deutlich und beschleunigt Projekte, die andernfalls womöglich erst Jahre später umgesetzt worden wären.

Was konkret mit dem Geld passiert

Die Fördermittel fließen in eine ganze Reihe sichtbarer Projekte in der Innenstadt.

2025 wurde die Bruderschaftsgasse neu gestaltet. Derzeit laufen die Arbeiten am Münsterplatz mit der neuen Freitreppe sowie den umliegenden Gassen im Heilig-Kreuz-Ort. Gefördert wurden außerdem der Umbau des Alten Spitals zu einem Hotel mit Wohnraum im rückwärtigen Gebäudeteil „St. Anna“ sowie der Bau des Parkhauses Stadtmitte Süd auf der Groß’schen Wiese, das inzwischen fertiggestellt und in Betrieb ist.

Diese Vorhaben wären nach Angaben der Stadt ohne Städtebauförderung kaum realisierbar. Hinzu kommen Zuschüsse für private Sanierungen, etwa bei Wohnraum oder Ladengeschäften in der Innenstadt.

Historisch liegt Villingen-Schwenningen vorne

Die aktuelle Stärke Rottweils in der Förderstatistik ist allerdings vergleichsweise jung. Das Sanierungsgebiet „Stadtmitte“ besteht erst seit 2016, „In der Au“ kam später hinzu.

Villingen-Schwenningen ist dagegen bereits seit 1973 aktiv in der Städtebauförderung. Nach Angaben der Stadt flossen dort bislang insgesamt rund 44 Millionen Euro in die städtebauliche Entwicklung.

Rottweil holt also auf – allerdings mit einem möglichen Endpunkt. Denn was die Landesgartenschau derzeit an Schubkraft erzeugt, dürfte nach 2028 nicht automatisch fortgeschrieben werden.

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