Mit einer glänzend erfolgreichen Saison im Rücken startet das Rottweiler Zimmertheater dieser Tage in die neue Spielzeit. Was erwartet die Zuschauer?
Kurz gesagt: Konzentration, Beliebtes – und Überraschungen. Doch der Reihe nach. Eine Signatur der neuen Spielzeit deutet sich in einem Bei-Titel an: Eine „Saison der Monologe“ hat das Intendanten- Duo Dr. Bettina Schültke und Dr. Peter Staatsmann bei ausgewählten Produktionen ausgeflaggt.
Markiert werden damit Ein-Personen-Stücke, die die nächsten Monate am Friedrichsplatz prägen werden. Das Zimmertheater liegt damit im Trend: Vielerorts nehmen Solo-Performances einen prominenten Platz in den Spielplänen ein. Neben Dauersellern wie Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ etwa „Fräulein Else“ nach Arthur Schnitzler oder „De Profundis“ nach Oscar Wilde.
Das Format passt zu den Sparzwängen im Kulturbetrieb. Es spiegelt aber ebenso virulente Fragen nach Einsamkeit und Identitätssuche. Das gilt auch für die erste Rottweiler Variante der Monologe: „Ann-Marie die Schönheit“, das diesen Samstag Premiere hat. Erfolgsautorin Yasmina Reza lässt darin eine alternde Schauspielerin ihr Leben Revue passieren – mit der Vorgabe, dass nur Männer (hier Thomas Giegerich) die Figur verkörpern dürfen, was Klischees entgegenwirkt.
Nach diesem wehmütigen-skurrilen Solo-Auftakt folgt bereits am 23. Oktober Monolog Nummer Zwei: „Jacke wie Hose“ von Manfred Karge. Anne Hecht schlüpft hier in die Rolle der Witwe Ella Gericke, die nach dem Tod ihres Mannes dessen Kleidung, Namen und Job als Kranführer übernimmt, um in der Wirtschaftskrise zu überleben – wobei sie nebenbei die deutsche Geschichte von Weimar bis zur Wiedervereinigung reflektiert.
Im neuen Jahr soll die „Saison der Monologe“ fortgesetzt werden, wie Bettina Schültke im Gespräch mit der NRWZ berichtete. Neben den Solo-Performances, mit denen das Theater konzentrierte Schauspielkunst aufbietet, gibt es aber auch Rückgriffe auf Beliebtes. So steht am 6. und 14. November sowie am 12. Dezember „Der Abschiedsbrief“ Audrey Schebat mit Valentina Sadiku und Martin Olbertz auf dem Spielplan – eine Produktion, die dieses Frühjahr Premiere hatte.

Ob es eine Wiederaufnahme von „Das Kalte Herz“ nach dem Märchen von Wilhelm Hauff geben wird, ist derzeit noch offen. Im Sommer kam die Inszenierung, ebenso wie „Die Bremer Stadtmusikanten“ beim Rottweiler Publikum sensationell an: Zu 36 Vorstellungen strömten an die sechstausend Theatergäste. „Es war voll der Hammer – die beste Saison, die wir je hatten“, erzählt Bettina Schültke.
Auch die Vorzeichen für die neue Spielzeit sind vielversprechend. So gibt es bereits jetzt über dreieinhalbtausend Anmeldungen von Schul- und Kindergartenkindern für das Familienstück „Die Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen, das am 29. November Premiere hat.
Überraschungen verspricht dann das Jahr 2027. Fürs Frühjahr ist, wie gesagt, (mindestens) eine weitere Solo-Produktion in Planung, sowie ein Stück über die Wirtschaft in der Region und deren Einbettung in globale Zusammenhänge bis zu Elon Musk.
Als Sommerstück haben Bettina Schültke und Peter Staatsmann bislang „Stolz und Vorurteil“ nach dem Roman von Jane Austen (1813) im Auge. Als monologisches Ein-Personen-Stück lässt sich die Verbindung von Sittengemälde und Lovestory freilich nicht in Szene setzen. Das Publikum dürfte es freuen. Vielleicht übertrifft die neue Spielzeit ja sogar den „Hammer“-Rekord der gerade vergangenen.
Info: Termine, Kartenbestellung und nähere Angaben sind zu finden unter www.zimmertheater-rottweil.de. Für „Die Schneekönigin“ gibt es noch einige Termine für Schulklassen und Kindergärten. Buchungen sind möglich unter info@zimmertheater-rottweil.de
