Spaichingen. Das Zentrum für Ambulantes Operieren (ZAO) am Gesundheitszentrum Spaichingen kann unter den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen voraussichtlich nicht weiterbetrieben werden. Betroffen ist der OP-Betrieb – die bestehenden Arztpraxen sollen hingegen uneingeschränkt geöffnet bleiben.
Der Landkreis Tuttlingen macht dafür zwei Entwicklungen verantwortlich: strengere Vorgaben zum Krankenhausstandort und Veränderungen bei der Vergütung ambulanter Operationen. Der frühere Klinikstandort Spaichingen liegt weiter als zwei Kilometer vom Krankenhausstandort in Tuttlingen entfernt. Damit gilt er vergütungsrechtlich nicht als Teil desselben Standorts und müsste die jeweiligen Qualitätsvorgaben eigenständig erfüllen. Diese verschärften Regeln gelten seit April 2026.
Zusätzlich wird die bisherige sektorengleiche Vergütung, die sogenannte Hybrid-DRG, wieder zurückgenommen. Sie war 2024 eingeführt worden, damit bestimmte Eingriffe unabhängig davon gleich vergütet werden, ob sie ambulant in einer Praxis oder im Krankenhaus erfolgen. Ab 2027 sollen ambulante Eingriffe wieder nach dem niedriger vergüteten EBM-System abgerechnet werden; ab 2028 ist das Ende der Hybrid-DRG vorgesehen.
Nachfrage reicht nicht aus
Das ZAO war bislang auch von niedergelassenen Ärzten genutzt worden. Deren Nachfrage reiche jedoch nicht aus, um die erforderlichen Investitionen und laufenden Kosten eines OP-Betriebs am Standort Spaichingen zu rechtfertigen, teilt das Landratsamt mit.
Landrat Stefan Bär bedauert die Entwicklung. Ziel sei gewesen, ambulantes Operieren in Spaichingen dauerhaft zu ermöglichen. Die neuen gesetzlichen Vorgaben hätten die Voraussetzungen grundlegend verändert. Der Landkreis habe beim baden-württembergischen Sozialministerium angefragt; eine Antwort werde in den kommenden Tagen erwartet.
Klinik-Geschäftsführer Dr. Sebastian Freytag kritisiert insbesondere den schnellen Kurswechsel bei der Vergütung. Der Abbau der Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sei medizinisch wie wirtschaftlich sinnvoll, erklärt er. Kurzlebige Reformen schafften jedoch neue Probleme für die Leistungserbringer.
Praxen bleiben – Angebot wächst
Für Patientinnen und Patienten wichtig: Die im Gesundheitszentrum Spaichingen angesiedelten Arztpraxen sind nach Angaben des Landkreises nicht von der Entwicklung betroffen und bleiben in Betrieb.
Zugleich soll das Gesundheitszentrum neue Angebote erhalten:
- Zum 1. November eröffnet Psychotherapeutin Frau Sperling ihre Praxis.
- Zum 1. Januar startet die Physiotherapiepraxis Kraftsunov.
- Ebenfalls zum 1. Januar nimmt die Diakonie Ambulanz Schwarzwald-Baar den Betrieb auf.
- Geplant sind ein ambulanter Pflegedienst und eine Wundambulanz der Diakonie.
Ein konkreter Termin für die Umstellung oder Schließung des ambulanten OP-Zentrums steht noch nicht fest. Das hängt laut Klinik auch davon ab, ob es Übergangsfristen geben wird.