Das Jobcenter Landkreis Rottweil will rund 400.000 Euro im Jahr einsparen, unter anderem mit dem Umbau seiner Außenstellen in Oberndorf und Schramberg. Diese Summe nannte Geschäftsführer Dautel am Montag auf Nachfrage im Verwaltungsausschuss des Kreistags. Rottweils Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf geht der Schritt nicht weit genug, Oberndorfs Bürgermeister Matthias Winter wünscht sich weiter einen Zugang ohne Termin.
Kreis Rottweil. Wie viel das Jobcenter mit seinem Umbau sparen will, stand nicht in dem Bericht, den das Landratsamt dem Verwaltungsausschuss vorgelegt hat. In der Sitzung am Montag fragte SPD-Kreisrat Berthold Kammerer nach: „Wenn Sie das umsetzen können, was Sie hier skizzieren, von welchen Beträgen reden Sie da?“ Geschäftsführer Thomas Dautel nannte etwa 400.000 Euro im Jahr. Die Verlagerung helfe neben anderen Maßnahmen, „einen mittleren sechsstelligen Betrag“ einzusparen.
Zum Vergleich: Die 2024 geprüfte Schließung beider Außenstellen hätte nach damaligen Angaben gut 200.000 Euro im Jahr gebracht.
Geplant ist, die Eingangszone und die Leistungssachbearbeitung aus Oberndorf und Schramberg nach Rottweil zu verlagern. Das betrifft 15,6 Vollzeitstellen. Die Arbeitsvermittlung bleibt an allen drei Standorten (die NRWZ berichtete). Mit der Umsetzung lasse sich das Jobcenter mindestens bis zum 30. Juni 2027 Zeit, sagte Dautel. Es werde in jedem Fall eine Übergangszeit geben.
Eisenlohr auf der Zuschauerbank
Die beiden betroffenen Städte waren in ungleichen Rollen vertreten. Oberndorfs Bürgermeister Matthias Winter sitzt als Kreisrat im Verwaltungsausschuss. Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr konnte die Sitzung nur als Zuschauerin verfolgen. Sie kam kurz vor Aufruf des Tagesordnungspunkts und nahm im Zuschauerbereich Platz. Landrat Christoph Keckeisen, der die Sitzung leitete, begrüßte sie als Gast.
Eisenlohr hatte vorab gefordert, dass es in Schramberg für den westlichen Landkreis weiter eine Anlaufstelle gibt, in der Menschen zu bestimmten Zeiten ohne Termin vorbeikommen können (wir haben berichtet).
Zwölf bis 15 Termine im Monat
Dautel nannte die Lage bei den Verwaltungskosten „schwierig“. In seiner heutigen Form bestehe das Jobcenter seit 2012. „In dieser Zeit hat sich vieles verändert.“ Die Digitalisierung helfe, vieles für die Kunden anders, aber „besser und schneller“ zu erledigen. Der Beschluss des Kreistags von 2024 solle Bestand haben: Die Geschäftsstellen in Schramberg und Oberndorf blieben erhalten. Es gehe nur um mehr Effizienz. „Wir wollen weiterhin mit dem Aufgabenbereich Vermittlung vor Ort bleiben“, nach dem Motto „nah am Kunden“.
Anders sehe es bei der reinen Sachbearbeitung aus. Dort sei der Kundenkontakt zurückgegangen. „Es ist nicht mehr erforderlich, dass ein Kunde persönlich kommt, um einen Antrag zu stellen“, sagte Dautel. Als Ausnahme nannte er etwa Menschen, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist. Je Außenstelle gebe es nur noch zwölf bis 15 echte Beratungstermine vor Ort im Monat. Alles andere laufe bereits digital. Auch „Neukunden“ stellten ihre Anträge, etwa auf Bürgergeld, inzwischen von sich aus online.
Die Zahl der Stellen in Schramberg und Oberndorf werde sich etwa halbieren, womöglich sogar etwas stärker sinken. Zusätzliche Büroarbeitsplätze würden in Rottweil nicht eingerichtet, weil die Beschäftigten auch im Homeoffice arbeiten können. Das ermögliche Einsparungen bei den Infrastrukturkosten. Nachteile für die Kunden sieht Dautel nicht. Zum Erfolg der Arbeit sagte er: „Etwa 25 Prozent der erwerbsfähig gemeldeten Menschen bringen wir in Arbeit oder Ausbildung.“ Die Quote gelte pro Jahr.
Moosmann warnt, Dautel sieht kein Risiko
Kammerer sprach von einem „Weg in die richtige Richtung“. Die Pläne brächten mehr Effizienz, das Jobcenter bleibe aber „immer noch eng am Kunden“.
Bedenken meldete Manfred Moosmann (FWV) an. Der Kreisrat sieht Probleme für alle, die Schwierigkeiten haben, sich online einen Termin zu besorgen, oder die mentale Probleme mit einem Erstkontakt haben. „Das ist für mich auch Leistung an diesen Leuten“, sagte er. Und weiter: „Wenn Sie uns sagen können, dass da nie jemand kommt, ist alles gut. Ich würde das aber nicht fahrlässig jetzt wegwerfen.“
Dautel hielt dagegen: „Wir haben die Erfahrung jetzt schon, wir haben die Digitalisierung jetzt schon.“ Wer in der Lage sei, einer Arbeit nachzugehen, finde grundsätzlich auch diesen Zugang. „Das wundert uns manchmal auch.“ Der Grundzugang zum Jobcenter für Geldleistungen sei nicht das Problem. „Ich sehe kein Risiko, dass Menschen verloren gehen.“ Ohne Termin kämen ohnehin nur wenige. Das seien allenfalls Notfälle, etwa wenn Unterlagen nicht beigebracht wurden und das Geld am Monatsanfang ausbleibt.
Ruf: „Nur ein erster Schritt“
Deutlich weiter gehen will Rottweils Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf (CDU). „Das ist ein guter, aber nur ein erster Schritt, bitte unbedingt die Zentralisierung vorantreiben“, sagte er. Einem „Ende in Zeitlupe“ könne man „echt nicht zugucken“. Es gehe um „Gelder, die wir nicht haben“. Ruf bezweifelt, dass es Menschen im „besten erwerbsfähigen Alter“ gibt, die Schwierigkeiten mit der Digitalisierung haben. Eine einzige zentrale Einrichtung könne aus seiner Sicht auch in Oberndorf liegen. Schon 2024 hatte Ruf drei Standorte „weder innovativ noch zukunftsträchtig“ genannt.
Winter konterte: „Ich bin Ruf dankbar, wenn er was hergibt, werden wir das gerne nehmen.“ Im Saal gab es verhaltenes Gelächter. In der Sache warb der Oberndorfer Bürgermeister dafür, die Außenstellen in beiden Städten zu erhalten. Er nannte es zudem erstrebenswert, dass es in Oberndorf und Schramberg weiterhin einmal pro Woche einen freien Zugang ohne Termin gibt. Das geht in die Richtung dessen, was Eisenlohr für Schramberg fordert.
Die Trägerversammlung entscheidet
Einen Beschluss fasste der Ausschuss nicht, er nahm den Bericht zur Kenntnis. Die Entscheidung liegt bei der Trägerversammlung des Jobcenters, in der Landkreis und Arbeitsagentur vertreten sind. Die Geschäftsführung will die Pläne dort bei der nächsten Sitzung beschließen lassen.
Hintergrund ist die Finanzierung: Das Verwaltungsbudget des Bundes reicht seit Jahren nicht, deshalb schichtet das Jobcenter Geld aus dem Fördertopf für Arbeitslose um. 2019 waren das 33,1 Prozent der Fördermittel, 2025 bereits 58,5 Prozent. Der freiwillige Zuschuss des Landkreises von jährlich 102.620 Euro für die beiden Außenstellen läuft Ende 2027 aus.
