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Landesgartenschau wird Chefsache: Stadtmarketing wandert zur Bürgermeisterin

Ines Gaehn soll 2027 und 2028 auch Tourismus und Stadtmarketing direkt führen. Gleichzeitig steigt der Verlust der Gartenschau-Gesellschaft: 2026 sind 1,19 Millionen Euro Fehlbetrag eingeplant.

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Bürgermeisterin Ines Gaehn, zugleich Geschäftsführerin der Landesgartenschau-Gesellschaft, soll ab 2027 auch das Stadtmarketing direkt führen. Unser Bild zeigt sie bei einem Baustellenfest, hier zeigt sie Henry Rauner den Weg. Foto: Peter Arnegger

Rottweil. Die Landesgartenschau 2028 bestimmt in Rottweil zunehmend auch die Organisation im Rathaus. Die Abteilung Tourismus und Stadtmarketing soll für zwei Jahre direkt Bürgermeisterin Ines Gaehn unterstellt werden. Gaehn ist zugleich Geschäftsführerin der Landesgartenschau-Gesellschaft. Am Mittwoch, 7. Oktober, legt die Verwaltung dem Gemeinderat außerdem den Jahresabschluss 2025 der Gartenschau-gGmbH vor. Er zeigt einen fast verdoppelten Verlust und für 2026 einen noch deutlich größeren Fehlbetrag.

Zwei Jahre unter direkter Führung

Laut Beschlussvorschlag wird die Abteilung Tourismus und Stadtmarketing vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028 aus dem Fachbereich Kultur, Jugend, Sport und Tourismus herausgelöst und direkt der Bürgermeisterin zugeordnet. Die Verwaltung begründet das mit den eng verzahnten Aufgaben: Gäste ansprechen, Rottweil überregional vermarkten, mit Gastronomie, Hotels, Handel und Veranstaltern zusammenarbeiten. Das diene der Gartenschau genauso wie dem Tourismus langfristig.

„Kurze, direkte Abstimmungs- und Entscheidungswege“ seien nötig, heißt es in der Vorlage. Weil Gaehn beide Funktionen „in Personalunion“ innehabe, sei die Unterstellung bei ihr „die effizienteste Lösung“. Die Verwaltung verspricht sich davon weniger Reibungsverluste, „maximale Agilität“ und weniger Doppelarbeit. Im Januar 2029 soll die Abteilung wieder in ihren bisherigen Fachbereich zurückkehren. Zusätzliche Personal- oder Sachkosten entstehen laut Vorlage nicht.

Bemerkenswert ist ein Satz in der Begründung: Im unmittelbaren Vorfeld und während der Gartenschau werde die Abteilung „ihre Ressourcen und Aktivitäten überwiegend auf dieses Großprojekt ausrichten“. Was das für das übrige Stadtmarketing bedeutet, zum Beispiel für die Innenstadt, den Handel und Veranstaltungen außerhalb des Gartenschaugeländes, lässt die Vorlage offen.

Eine andere Lösung hat die Verwaltung nach eigenen Angaben geprüft und verworfen: die Mitarbeitenden komplett an die gGmbH abzuordnen. Das wäre für zwei Jahre zu aufwendig gewesen, vor allem wegen der technischen Umstellung und der Rückkehr der Abteilung zum 1. Januar 2029, heißt es.

Die Neuordnung ist nach dem Landespersonalvertretungsgesetz mitwirkungspflichtig. Der Personalrat sei „über das Vorhaben bereits informiert“, heißt es. Über den Fortgang werde in der Sitzung berichtet. Wie sich die Personalvertretung positioniert, ist damit noch offen. Der Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss hat das Thema am 23. September nichtöffentlich vorberaten.

Gartenschau-Gesellschaft: Verlust fast verdoppelt

Die Landesgartenschau Rottweil 2028 gGmbH hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Fehlbetrag von 344.662 Euro abgeschlossen. Im Jahr 2024 waren es 186.804 Euro. Damit liegt die Gesellschaft allerdings rund 177.000 Euro unter dem Wirtschaftsplan, der für 2025 einen Verlust von rund 522.000 Euro vorgesehen hatte.

Dass die Gesellschaft Verluste schreibt, war erwartet. Personal, Büro und Planung kosten schon jetzt Geld. Eintrittsgelder und andere wesentliche Einnahmen kommen erst 2028. Die Umsatzerlöse lagen 2025 bei 355 Euro, vor allem aus dem Verkauf von Merchandise-Artikeln. Der Personalaufwand stieg mit dem Aufbau des Teams von knapp 5000 auf gut 105.000 Euro. Hinzu kamen unter anderem rund 59.000 Euro Raumkosten sowie gut 24.000 Euro Werbekosten. Gedeckt wird der Verlust aus dem städtischen Zuschuss im Eigenkapital.

Für 2026 sieht der Wirtschaftsplan einen Fehlbetrag von rund 1,19 Millionen Euro vor. Das ist mehr als dreimal so viel wie 2025. Begründet wird das mit einem „deutlich höheren Ressourcenbedarf“ in der heißen Vorbereitungsphase.

Millionen fließen ins Gelände

Den großen Teil des Geldes bucht die gGmbH als Bauprojekte. Die Stadt hat der Gesellschaft 2025 rund 7,6 Millionen Euro zugeführt, davon 7,16 Millionen Euro für Investitionen. Der Wert der Anlagen im Bau und der geleisteten Anzahlungen stieg innerhalb eines Jahres von 2,1 auf 9,8 Millionen Euro. Die Bilanzsumme hat sich mehr als verdreifacht, auf 10,3 Millionen Euro. Zum Jahresende 2025 waren Rechnungen von Planern, Ingenieuren und Dienstleistern über 1,12 Millionen Euro offen. Auf dem Konto lagen rund 203.000 Euro.

Für 2026 sind Investitionen von rund 16,7 Millionen Euro eingeplant. Schwerpunkte sind die Daueranlagen, die Neckarrevitalisierung, Wege und Brücken sowie der Stadtgraben.

Insgesamt beziffert die Stadt das Budget der Landesgartenschau auf 65,13 Millionen Euro. Darin enthalten sind Daueranlagen, die temporäre Ausstellung und Stadtentwicklungsprojekte, die bis ins Jahr 2040 reichen. Auf der offiziellen Gartenschau-Seite ist von rund 78 Millionen Euro an Investitionen in Daueranlagen und Infrastruktur die Rede. Diese Zahl umfasst offenbar auch Maßnahmen in der Kernstadt über das Gelände hinaus. Ein großer Teil wird über Landes- und Fördermittel finanziert.

Risiken: Altlasten, Leitungen, Wetter

Der Lagebericht benennt die Risiken offen. Auf der Baustelle stehen „Kosten- und Terminrisiken im Vordergrund“, vor allem bei der Altlastensanierung und der Verlegung von Leitungen. Nachträge, ausstehende Genehmigungen oder knappe Kapazitäten bei den Baufirmen könnten den Zeitplan belasten. Weil das Veranstaltungsjahr feststeht, könnten daraus Mehrkosten entstehen. Steigende Projektkosten oder verzögerte Fördermittel könnten „zusätzlichen Finanzierungsbedarf auslösen“. Zahlen müsste dann die Stadt.

Für 2028 besteht laut Bericht die Gefahr, dass Besucherzahlen, Eintritts- und Sponsoringerlöse hinter den Planungen zurückbleiben, während Personal-, Sicherheits- und Betriebskosten höher ausfallen. Ein großer Teil der Kosten werde schon vorher festgelegt, das Wetter aber entscheide mit über die Einnahmen. Derzeit gebe es jedoch „keine nennenswerten Bauverzögerungen“.

Die Wirtschaftsprüfer der WSS Vermögenstreuhand haben den Abschluss mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Der Aufsichtsrat hat ihn am 28. September einstimmig vorberaten.

Neuer Co-Geschäftsführer

Aus dem Anhang des Abschlusses geht außerdem ein Wechsel an der Spitze der Gesellschaft hervor. Landschaftsarchitektin Annette Stoll-Zeitler war bis 8. Juni 2026 neben Gaehn Geschäftsführerin. Seitdem führt Gaehn die Gesellschaft gemeinsam mit dem Diplom-Forstwirt Dr. Jürgen Hauber.

Der Gemeinderat tagt am Mittwoch, 7. Oktober, öffentlich.

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