Benachrichtigung
passbilder

Passbilder: Schramberg gibt Geräte zurück, um Fotofachgeschäft zu schützen

Autor / Quelle:
Lesezeit 5 Min.
Foto: KI-generiert

Schramberg hat Passbild-Geräte für das Rathaus und das Bürgerbüro Sulgen erhalten, aber nie eingesetzt und an die Bundesdruckerei zurückgegeben. Der Grund: Rücksicht auf die örtlichen Fotografen. Die Stadt nennt nun erstmals die Hintergründe und Zahlen. Dort, wo es Geräte gibt, lassen inzwischen rund drei Viertel der Antragsteller ihr Foto direkt im Amt machen.

passbilder
Foto: KI-generiert

Schramberg. Seit Mai 2025 sind für Personalausweis und Reisepass nur noch digitale Passbilder erlaubt. Viele Kommunen nehmen sie seitdem selbst auf, an Geräten der Bundesdruckerei, dem sogenannten PointID-System. Rottweil etwa bietet den Service im Bürgerbüro an und hält trotz Kritik der örtlichen Fotografen daran fest, wie die NRWZ berichtete. Schramberg hat sich anders entschieden.

Geliefert, aber nie eingesetzt

In Schramberg stehen PointID-Geräte nur in den Ortsverwaltungen Tennenbronn und Waldmössingen sowie bei der Ausländerbehörde. Für das Rathaus in Schramberg-Tal und das Bürgerbüro Sulgen hatte die Stadt ebenfalls Geräte geliefert bekommen. Sie wurden nie eingesetzt. Weil die Bundesdruckerei nach einer gewissen Zeit darauf drängte, dass die Geräte genutzt werden, hat die Stadt sie zurückgegeben. Das teilt die Stadt auf Anfrage der NRWZ mit. Ein Gerät hat nach ihren Angaben einen Wert von 25.000 bis 30.000 Euro.

Entschieden hat in Schramberg ein politisches Gremium. Der Verwaltungsausschuss beschloss am 15. Mai 2025 in öffentlicher Sitzung, die Geräte nur in den beiden Ortsteilen zu nutzen. In Rottweil hatte die Verwaltung die Geräte dagegen ohne Beschluss des Gemeinderats eingeführt, als „Geschäft der laufenden Verwaltung“.

Vorausgegangen waren in Schramberg mehrere Gespräche mit örtlichen Fotografen. Diese hätten das Angebot im Rathaus „als Bedrohung für den Weiterbestand ihres Ladengeschäfts benannt“, schreibt die Stadt. Auf Geräte im Rathaus und in Sulgen sei daher „aus Rücksicht auf die örtlichen Anbieter verzichtet“ worden.

„Keine einfache“ Entscheidung

Leicht gefallen sei das nicht, betont die Stadt. Die Geräte stellt die Bundesdruckerei kostenlos bereit, die Gebühr von sechs Euro pro Foto dürfen die Kommunen komplett behalten. Für die Bürgerinnen und Bürger wäre es ein zusätzlicher Service gewesen, Foto und Antrag bei einem einzigen Besuch zu erledigen. Der Preis liege gleichauf mit den Drogerieketten und sei im Vergleich zum Fotografen „natürlich sehr günstig“.

Auf der anderen Seite trage man „als Stadt und Gemeinderat auch eine Verantwortung für unsere Innenstadt und das Leben in unserer Fußgängerzone“. Das Ladengeschäft eines traditionsreichen Fotografenhauses zu gefährden, sei etwas gewesen, „das unser Gremium im Ergebnis nicht riskieren wollte“.

Weggeschickt und „Tourismus“ in die Ortsteile

Die Entscheidung hat auch eine Kehrseite. Immer wieder kämen Antragsteller ohne Foto ins Rathaus oder ins Bürgerbüro Sulgen, weil sie den Service dort erwarten, berichtet die Stadt. Das Team müsse sie dann aufklären und „wegschicken“. Die Betroffenen reagierten oft mit Unverständnis, denn sie haben einen zusätzlichen Weg vor sich und zahlen beim Fotografen mehr. Außerdem beobachtet die Stadt einen kleinen „Tourismus“ aus anderen Stadtteilen in die Ortsverwaltungen mit Gerät. Das sei grundsätzlich auch möglich.

Wie gefragt der Service ist, zeigen die Zahlen der Stadt. Von Juli 2025 bis September 2026 entstanden an den Geräten in Tennenbronn 362 und in Waldmössingen 245 Passbilder, zusammen also 607. Der Anteil der Antragsteller, die ihr Foto direkt vor Ort machen lassen, ist dabei gestiegen. In Tennenbronn lag er von Mai bis September 2026 bei knapp 75 Prozent, im ersten Zeitraum bis Februar 2026 waren es gut 55 Prozent. In Waldmössingen stieg er von knapp 70 auf gut 72 Prozent.

Zum Vergleich: Rottweil schätzt die Einnahmen allein im Bürgerbüro auf rund 15.000 Euro im Jahr. Bei sechs Euro pro Foto entspricht das rund 2.500 Passbildern.

Fotografin: „Ein Kompromiss“

Annette Kasenbacher von Foto Kasenbacher hatte den Schramberger Weg gegenüber der NRWZ begrüßt. Die Lösung mit den Ortsteilen sei „ein Kompromiss“. „An den grundsätzlichen Auswirkungen auf die Branche und den Einzelhandel ändert das allerdings wenig.“ Das Passbild sei oft „der erste Kontakt mit einem Kunden“, und viele Kunden hätten den Besuch im Fotogeschäft mit weiteren Einkäufen in der Innenstadt verbunden.

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.