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Im Bürgerbüro im Alten Rathaus können Passbilder mithilfe einer digitalen Technik selbst aufgenommen werden. Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros sind bei der Bedienung des Geräts „PointID“ der Bundesdruckerei behilflich. Auch bei zertifizierten Fotografen ist das digitale Passbild erhältlich. Foto: Stadt Rottweil/Hermann

Passbild-Streit: Rottweil hält an Fotos im Rathaus fest, Schramberg setzt auf einen Kompromiss

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Im Bürgerbüro im Alten Rathaus können Passbilder mithilfe einer digitalen Technik selbst aufgenommen werden. Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros sind bei der Bedienung des Geräts „PointID“ der Bundesdruckerei behilflich. Auch bei zertifizierten Fotografen ist das digitale Passbild erhältlich. Foto: Stadt Rottweil/Hermann

Zwei Rottweiler Fotografen haben öffentlich kritisiert, dass die Stadt selbst Passbilder aufnimmt. Jetzt äußert sich die Verwaltung erstmals ausführlich. Sie hält an ihrem Angebot fest. Ein Schreiben des Bundesinnenministeriums, auf das sich die Stadt beruft, enthält allerdings mehr, als sie erwähnt. In Schramberg haben Stadt und Gemeinderat einen anderen Weg gewählt.

Rottweil/Schramberg. Seit dem 1. Mai 2025 sind für Personalausweis und Reisepass nur noch digitale Passbilder erlaubt. Es gibt zwei Wege dorthin: Entweder macht ein zertifizierter Fotograf das Bild und schickt es verschlüsselt an die Behörde. Oder man lässt es direkt im Amt an einem Gerät der Bundesdruckerei aufnehmen, dem sogenannten PointID-System. Rottweil bietet diesen Service seit Sommer 2025 an.

Ende September hatten zwei Rottweiler Fotografen ihren Unmut öffentlich gemacht. Ralf Graner und Thomas Feder bezifferten ihren Verlust gegenüber dem Schwarzwälder Boten auf 30.000 Euro im Jahr und kritisierten das Passbild-Angebot der Stadt. Auf Nachfrage unserer Redaktion wollten sich beide derzeit nicht weiter äußern.

Sechs Euro pro Foto

Für die Bürgerinnen und Bürger ist das Foto im Rathaus nicht kostenlos. Die Gebühr betrage „unverändert sechs Euro“, teilt die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion mit. Sie kommt zur Gebühr für das Dokument hinzu. Wer mehrere Dokumente mit demselben Bild beantragt, zahlt nur einmal. Die Höhe der Gebühr ist bundesweit einheitlich festgelegt. Fotostudios verlangen für ein digitales Passbild mit Übermittlung an die Behörde meist zwischen 10 und 30 Euro. Das geht aus einer Bundestagsdrucksache hervor.

Kostenlos sind die Geräte für die Stadt selbst. Die Bundesdruckerei stellt sie den Kommunen ohne Kosten bereit. Die Stadt verweist aber auf eigene Ausgaben für Strom, IT-Anbindung, Betreuung und die Unterstützung durch das Personal. Wie hoch diese Kosten sind, kann sie nicht beziffern. Das Gebührenaufkommen sei daher „nicht mit einem Gewinn gleichzusetzen“.

Rund 15.000 Euro im Jahr

In Rottweil stehen je zwei Geräte im Bürgerbüro und in der Ausländerbehörde, außerdem je eines in den Ortsverwaltungen. Ausgenommen ist nur Feckenhausen, wo man keine Ausweise beantragen kann. Die beiden Geräte der Ausländerbehörde sollen demnächst an das Landratsamt gehen.

Wie viele Fotos bisher aufgenommen wurden, weiß die Stadt nach eigenen Angaben nicht. Ihre Zugriffsrechte reichten für eine solche Auswertung nicht aus. Sie schätzt aber die Einnahmen: Im Bürgerbüro rechnet sie mit rund 15.000 Euro im Jahr, in der Ausländerbehörde mit rund 3.500 Euro. Zu den Ortsverwaltungen gibt es noch keine Zahlen. Bei sechs Euro pro Foto entsprechen 15.000 Euro rund 2.500 Passbildern im Jahr, die allein im Bürgerbüro entstehen.

Gespräche vor der Einführung

Die Stadt betont, dass sie vor der Einführung mit den Fotografen gesprochen habe. Bürgermeisterin Ines Gaehn und Wirtschaftsförderer Alexander Stengelin hätten beide persönlich getroffen und die Gründe erläutert. Außerdem habe die Stadt ihnen angeboten, Informationen über ihr Angebot im Wartebereich des Bürgerbüros und neben den Geräten auszulegen. Wie die Fotografen diese Gespräche erlebt haben und ob sie das Angebot angenommen haben, ist offen.

Die Sorge um weniger Kunden in der Innenstadt nehme man ernst. Die Fachgeschäfte leisteten „einen wichtigen Beitrag zu einer blühenden Innenstadt“. Auf das eigene Angebot verzichten will die Stadt trotzdem nicht. Lichtbild und Antrag bei einem einzigen Besuch zu erledigen, sei eine Erleichterung für die Bürgerinnen und Bürger. „Wo das Lichtbild erstellt wird, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger selbst“, heißt es in der Antwort. Änderungen bei Gebühr oder Standorten seien nicht geplant.

Einen Beschluss des Gemeinderats gab es nicht. Die Verwaltung hat die Geräte als „Geschäft der laufenden Verwaltung“ eingeführt. Der Gemeinderat sei aber „über jeden Schritt immer informiert“ gewesen.

Was im Schreiben des Ministeriums steht

Die Stadt beruft sich auf ein Schreiben des Bundesinnenministeriums vom 13. Februar 2025, das sie unserer Redaktion zur Verfügung gestellt hat. Das Ministerium habe ein solches Angebot darin „ausdrücklich empfohlen“.

Im Kern stimmt das. In dem sechsseitigen Schreiben an die Innenministerien der Länder heißt es, Kommunen könnten Geräte zur Fotoaufnahme anbieten und „im Bürgersinne auch anbieten sollten“. Die Empfehlung steht allerdings nur in einem Nebensatz.

An anderer Stelle geht es ausführlicher um die Fotografen. Das Ministerium empfiehlt, die Kommunen dafür zu sensibilisieren, „wo immer möglich die örtlichen Fotostudios auf die Anbindung an die Clouds aktiv anzusprechen“. Auch ohne Gerät im Amt ändere sich für die Bürgerinnen und Bürger „im Vergleich zum bisherigen Vorgehen nichts“. Die Fotos könnten dann in Fotostudios oder bei der Drogeriemarktkette dm gemacht werden.

Auch die Gebühr war damals anders geregelt. Laut dem Schreiben sollten von den sechs Euro nur 2,05 Euro bei der Kommune bleiben. 3,95 Euro sollten an die Bundesdruckerei gehen. Erst im März 2025 entschied das Ministerium, dass die Kommunen die gesamte Gebühr behalten. Das geht aus einer Stellungnahme der Deutschen Industrie- und Handelskammer hervor. Die Kosten der Geräte, nach Angaben der DIHK rund 171 Millionen Euro, sollen seitdem über die allgemeine Ausweisgebühr hereinkommen. Diese stieg im Februar 2026 von 37 auf 46 Euro.

Schramberg: Geräte nur in den Ortsteilen

Wie unterschiedlich Kommunen das handhaben, zeigt ein Blick nach Schramberg. Dort stehen die Geräte nach Angaben der Stadt nur in den Ortsverwaltungen Tennenbronn und Waldmössingen, aufgestellt „auf Wunsch des Gemeinderats“. Wer in der Kernstadt ein Passbild braucht, geht weiterhin zum Fotografen.

Annette Kasenbacher von Foto Kasenbacher begrüßt das. „Wir haben es sehr begrüßt, dass sich die Stadt Schramberg und die Fraktionen in dieser Angelegenheit für den örtlichen Einzelhandel eingesetzt haben“, schreibt sie auf Anfrage unserer Redaktion. Die Lösung mit den Ortsteilen sei „ein Kompromiss“. „An den grundsätzlichen Auswirkungen auf die Branche und den Einzelhandel ändert das allerdings wenig.“

Das Passbild sei für ihr Geschäft „seit vielen Jahren ein wichtiges Standbein“, schreibt Kasenbacher, oft auch „der erste Kontakt mit einem Kunden und der Einstieg in weitere fotografische Dienstleistungen“. Viele Kunden seien früher aus den umliegenden Gemeinden gezielt nach Schramberg gekommen und hätten den Besuch mit weiteren Einkäufen verbunden, etwa in Mode- oder Haushaltswarengeschäften. „Wenn solche Erledigungen zunehmend direkt vor Ort möglich sind, fehlen der Innenstadt nicht nur einzelne Kunden, sondern auch zusätzliche Kaufkraft.“

Dazu kommen Kosten. Für die digitalen Passbilder habe der Betrieb in zugelassene Technik investieren, Lizenzen nutzen und Sicherheitsvorgaben erfüllen müssen. Das bedeute „zusätzlichen Aufwand und laufende Kosten“. Einen Unterschied sieht Kasenbacher auch bei der Qualität. Im Studio arbeite man mit gezielter Beleuchtung und achte darauf, dass sich die Menschen vor der Kamera wohlfühlen, auch bei Menschen mit Behinderung oder Neugeborenen. „Ein Passbild begleitet seinen Besitzer schließlich oft viele Jahre.“

Eine Anfrage an die Stadt Schramberg zu den Hintergründen ihrer Entscheidung läuft noch.

Kritik nicht nur in der Region

Die Fotografen in der Region sind mit ihrer Kritik nicht allein. Auch in anderen Städten berichten Fotografen von schweren Einbußen. In Heidenheim etwa sprechen zwei Fotografen von rund der Hälfte ihres Ertrags. Einer hat die Ausbildung ausgesetzt, der andere einen Mitarbeiter entlassen. Der Centralverband Deutscher Berufsfotografen spricht von einem „massiven Markteingriff“.

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