Der bisherige Betreiber geht, das Tierkrematorium in Sulgen könnte aber bleiben. Hinter dem Auszug steht ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Mieter und Eigentümer, bei dem beide Seiten völlig unterschiedliche Sichtweisen haben.
Ende September hatte die NRWZ berichtet, dass das Tierkrematorium in der Lise-Meitner-Straße 11 schließt. Diese Angabe stammte vom bisherigen Betreiber, der Tierkrematorium Schwarzwald GmbH, die unter der Marke animea auftritt. Sie zieht am 15. Oktober nach eigenen Angaben an einen neuen Standort rund 20 Minuten entfernt.
Das Gebäude gehört aber Stefan Schindler, und der sieht die Sache ganz anders: Das Tierkrematorium werde nicht schließen. Er wolle es selbst weiterbetreiben, sobald der bisherige Mieter das Gebäude übergeben hat. Zuerst hatte das Portal „Neues aus dem Städtle“ darüber berichtet.
Mietvertrag befristet, Räumungsklage
Schindler hat das Krematorium 2011 gemeinsam mit seinem Bruder gebaut und eröffnet. 2018 ging der Betrieb an die Tierklinik-Gruppe AniCura, seit März 2026 gehört er zur französischen Bestattungsgruppe Funecap. Schindler blieb Eigentümer der Immobilie.
Nach seinen Angaben war der Mietvertrag auf sechs Jahre befristet. Eine Verlängerung um ein weiteres Jahr habe er abgelehnt und 2023 gekündigt. Weil der Mieter nicht ausgezogen sei, habe er auf Räumung geklagt. Das Verfahren habe knapp zweieinhalb Jahre gedauert und in allen Instanzen zu seinen Gunsten geendet: Gebäude und Grundstück seien sofort herauszugeben. Er warte nun auf den vollstreckbaren Titel des Oberlandesgerichts. Danach könne ein Gerichtsvollzieher die Räumung durchsetzen. Einen Termin für die Übergabe gebe es bisher nicht. Das Urteil selbst wollte Schindler aus Datenschutzgründen nicht vorlegen.
animea-Geschäftsführer Adrian Schmitt hatte gegenüber der NRWZ von einer jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzung gesprochen. Sein Unternehmen habe mehrfach angeboten, weiter zu mieten oder den Standort zu kaufen. Mit Schindlers Angaben konfrontiert, wollte sich Schmitt nicht näher äußern. „Aus meiner Sicht ist bereits alles Wesentliche gesagt und die Argumente sind ausgetauscht“, teilte er der NRWZ mit. Einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn in einer weiteren öffentlichen Auseinandersetzung sehe er nicht.
Er ergänzt: „Die Tierkrematorium Schwarzwald GmbH kommt ihrer Verpflichtung nach und bereitet derzeit sachgerecht die geordnete Herausgabe der Immobilie vor. Dabei werden die vertraglichen Regelungen sowie die jeweiligen Eigentumsverhältnisse selbstverständlich beachtet.“
Streit um die Anlage
Uneinig sind sich beide Seiten auch über die Kremationsanlage. Laut animea wird sie von einer Fachfirma abgebaut. Auf die Betriebsgenehmigung habe das Unternehmen verzichtet, der Verzicht werde mit dem Auszug wirksam. Schindler hält dagegen, eine Inventarliste regle, wem was gehöre. Gemietet sei nur das Gebäude. Schmitt verweist darauf, dass Schindler sich zur Eigentumsfrage in anderen Medien anders geäußert habe. Laut Schwarzwälder Bote hat Schindler bereits einen neuen Ofen bestellt und will das Krematorium umfassend modernisieren.
Stadt: Tierkrematorium bleibt zulässig
Animea hält ein neues Tierkrematorium an dem Standort für nicht mehr genehmigungsfähig. Die Stadt Schramberg sieht das anders. Der Bebauungsplan weise ein Industriegebiet aus, dort sei ein Tierkrematorium „bauplanungsrechtlich grundsätzlich als Gewerbebetrieb zulässig“, teilt Stadtsprecher Hannes Herrmann mit. Nach Informationen der Stadt soll der Standort weiterbetrieben werden. Von einem Rückbau wisse die Stadt nichts. Beschwerden über Geruch, Rauch oder Verkehr habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. „Wenn das Tierkrematorium am Standort Schramberg-Sulgen weiterbetrieben werden kann, freut uns das“, so Herrmann.
Noch offen ist, ob die bestehende immissionsschutzrechtliche Genehmigung weitergilt oder neu beantragt werden muss. Das Landratsamt Rottweil hat eine Antwort auf die Anfrage der NRWZ für Mitte der kommenden Woche angekündigt. Wer das Krematorium künftig betreiben soll, will Schindler noch nicht sagen.
Was Tierhalter wissen müssen
Für Kunden von animea gilt weiter, was das Unternehmen angekündigt hat: Die Telefonnummern bleiben gleich (07422-9542615, kostenlos 0800-2642872), die Preise ebenfalls. Bis die Genehmigung am neuen Standort vorliegt, übernehmen die konzerneigenen Krematorien in Laudenbach und Usingen die Einäscherungen. Die Urne kommt dann nach etwa 7 bis 10 Tagen zurück. Ob und wann in Sulgen wieder ein Tierkrematorium unter neuem Betreiber öffnet, ist offen.
